Mexikos Börse auf Rekordkurs – politische Stabilität und schwacher Dollar befeuern die Rally
Mit einem Anstieg um 2,2 % auf 59.735 Punkte markierte der mexikanische Leitindex Mexbol am Dienstag ein neues Allzeithoch. Die Entwicklung steht exemplarisch für eine breit angelegte Erholung lateinamerikanischer Märkte – Brasilien, Peru und Chile verzeichneten im Mai ebenfalls Höchststände.
Treiber der Rally ist eine Kombination aus politischem Geschick, makroökonomischem Rückenwind und einem abgeschwächten Dollar. Die US-Währung hat seit Jahresbeginn rund 7 % verloren und notiert so tief wie seit Ende 2023 nicht mehr. Für Schwellenländer bedeutet das: billigere Refinanzierung und Auftrieb für lokale Vermögenswerte. „Der Dollar-Rückgang gibt Spielraum bei den Zinssätzen – das kommt den Aktienmärkten zugute“, sagt Greg Lesko von Deltec Asset Management.
Besonders Mexiko profitiert von seiner Sonderrolle im geopolitischen Tauziehen: Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte jüngst, dass ihr Land in den Verhandlungen mit den USA unter Präsident Trump bevorzugt behandelt worden sei. US-Gegenzölle trafen Mexiko kaum. Sheinbaum selbst agiert außenpolitisch pragmatisch und zeigt innenpolitisch wenig Radikalität – ein Signal der Verlässlichkeit für Investoren.
Gleichzeitig bleibt Luft nach oben: Mexikanische Aktien werden laut Bloomberg-Daten aktuell mit dem 12,2-Fachen der erwarteten 12-Monats-Gewinne bewertet – deutlich unter dem 10-Jahres-Durchschnitt von 13,6. Die fundamentale Unterbewertung gepaart mit einem potenziell stabilen Zinsumfeld macht das Land für Kapitalmarktexperten attraktiv.
Auch strukturell tut sich etwas: Die Börse Mexicana de Valores hat zu Jahresbeginn Reformen angekündigt, um die Marktaktivität zu beleben – eine Reaktion auf das bisher schwache IPO-Umfeld und im Vergleich zu Brasilien rückständige Kapitalmärkte.
Mexikos Börsenaufschwung speist sich also nicht nur aus kurzfristiger Euphorie, sondern aus einem Mix aus relativer politischer Ruhe, günstiger Bewertung und gezielter Marktpflege.

