Mercosur-Abkommen: Grüne im Kreuzfeuer interner Kritik
Die Entscheidung der deutschen Grünen im Europaparlament, das umstrittene Mercosur-Abkommen durch den Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen, sorgt parteiintern für Turbulenzen. Acht Mitglieder der grünen Fraktion stimmten für die Überprüfung des Handelsvertrags, zwei dagegen, einer enthielt sich. Diese Positionierung trägt maßgeblich dazu bei, dass die Überprüfung überhaupt stattfindet, was ohne die Zustimmung der Grünen nicht der Fall gewesen wäre. Bemerkenswert ist die Kooperation mit rechten Parteien bei der Abstimmung. Noch zuletzt hatten die Grünen die CDU/CSU für ähnliche Bündnisse hart kritisiert.
Dies spiegelt sich auch in den Worten des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, wider, der die Entscheidung als "politisch dumm und instinktlos" tituliert. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak bemühte sich um Schadensbegrenzung und sprach sich dennoch, wie auch Co-Parteichefin Franziska Brantner, für eine vorläufige Anwendung des Abkommens aus, trotz der Anrufung des EuGH.
In einem Superwahljahr, das für die deutsche Partei besonders brisant ist, zeigt sich insbesondere der Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, äußerst besorgt über mögliche Verluste im Südwesten. Er forderte auf X dezidiert europäische Entschlossenheit und klare Handlungen. Selbst Kritiker aus den eigenen Reihen, wie der langjährige Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin, äußerten Unverständnis. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bedauerte ebenfalls die vertane Chance im Europaparlament.
Die Verzögerung durch die EuGH-Prüfung könnte die Ratifizierung des Vertrags, der eine Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen schaffen würde, erheblich verzögern. Diese Unsicherheit und die Kritik an den Grünen wirft die Frage auf, wie nachhaltig ihre Positionierung in internationalen Angelegenheiten tatsächlich ist. Die Unionsfraktion fordert hier Klarheit von der Partei, die in der Vergangenheit für klare Statements gegenüber der Politik von Donald Trump eingetreten war.

