Medizinische Fachangestellte: So regelt sich das Gehalt

Noch nie war der Beruf der Medizinischen Fachangestellten (MFA) insbesondere bei Frauen so beliebt wie derzeit. Das zeigen die Zahlen der Ausbildungsverträge, die seit 2021 abgeschlossen wurden. Neben dem interessanten Berufsbild spielt auch das Gehalt eine entscheidende Rolle. Interessenten sollten sich informieren, wie sich dieses regelt, welche Aufgabengebiete der Beruf umfasst und welche Voraussetzungen Bewerber erfüllen sollten.
Gehaltsregelung für MFAs
Ein Beruf kann noch so viel Spaß mit sich bringen, aber das Gehalt sollte auch passen. Vor allem in Gesundheitsberufen ist dies seit Jahren ein Thema, weshalb 2021 ein neuer Mantel- beziehungsweise Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte in Kraft trat. Es gibt nun jedes Jahr bis 2023 für MFA Gehaltserhöhungen, wenn sie in einer Praxis beschäftigt sind.
Hierbei sind keine Kompromisse zulässig, denn niedergelassene Ärzte sind verpflichtet, sich an Mantel- und Gehaltstarife zu halten und Medizinische Fachangestellte nach den tariflich festgelegten Vorgaben zu entlohnen. Mit der vorerst letzten Erhöhung zum 1. Januar 2023 profitieren sie insgesamt von 11,6 Prozent Lohnsteigerung.
Auch auf die Ausbildungsvergütung nehmen die neuen Gehaltsregelungen Einfluss. Ab dem 1. Januar 2023 verdienen Auszubildende als Medizinische Fachangestellte wie folgend beschrieben:
- im ersten Ausbildungsjahr 920 Euro brutto
- im zweiten Ausbildungsjahr 995 Euro brutto
- im dritten Ausbildungsjahr 1.075 Euro brutto
Zusätzlich sind Optimierungen in anderen Gebieten vorgenommen worden:
- neue Einstufung mit Gehaltserhöhungen für Medizinische Angestellte mit 17 bis 28 Berufsjahren
- Dezember-Sonderzahlungen erhöhen sich mit einer Betriebszugehörigkeitsdauer ab zwei Jahren von 65 auf 70 Prozent des regulären Bruttogehalts
Medizinische Fachangestellte - ein abwechslungsreiches Berufsbild
Einst Arzthelferinnen und Sprechstundenhilfen genannt, hat sich das Berufsbild der MFA in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert. Das ist hauptsächlich den kontinuierlich steigenden Patientenzahlen geschuldet, die medizinisch zu versorgen sind. So sind größere Mitarbeiterteams, die Übertragung von mehr Verantwortung auf MFA entsprechend gegebener Fachkenntnisse und folglich auch umfassende Einsatzbereiche heute üblich für den Beruf von Medizinischen Fachangestellten.
Rezeption als Dreh- und Angelpunkt
Medizinische Fachangestellte sind überwiegend in einer Arztpraxis tätig. Zu den Haupttätigkeiten zählt vor allem der Einsatz an der Rezeption, wo sie Patienten empfangen, Rezepte ausstellen, Telefondienst übernehmen, Termine vergeben, Abrechnungen sowie die Datenerfassung vornehmen. Insgesamt sind sie mitverantwortlich für den organisierten, reibungslosen Praxisablauf. Sie arbeiten Hand in Hand mit den Ärzten, Kollegen und vermitteln zwischen Arzt und Patient.
Arztassistenz und medizinische Leistungen
Zudem werden Medizinische Fachangestellte für Tätigkeiten in den Behandlungsräumen ausgebildet. Hier sorgen sie dafür, dass sich Patienten verstanden und wohlfühlen. Sie unterstützen den Arzt in der Assistenz, wie beispielsweise bei der Dokumentation und durch Injektionsvorbereitungen, Infusionslegungen und auch das eigenständige Durchführen subkutaner Injektionen. Sie assistieren bei ambulanten Eingriffen und legen oder wechseln Verbände. Sie bereiten Patienten auf bevorstehende Untersuchungen vor und stellen die erforderlichen Kommunikationswege zwischen den einzelnen Praxisstationen sicher. Des Weiteren arbeiten sie oftmals auf labortechnischer Ebene, was Blutentnahmen, Blutsenkungen sowie andere kleinere Laboraufgaben beinhaltet. Auch unterstützen Medizinische Fachangestellte bei der Digitalisierung von Arztpraxen, die auch hierzulande immer weiter voranschreitet.
Mögliche Arbeitgeber
Auch in der Pflege, in Krankenhäusern, bei Krankenkassen und behördlichen Gesundheitseinrichtungen finden Medizinische Fachangestellte Einsatz. Hier sind sie häufig in der Verwaltung angestellt, übernehmen aber in der Pflege auch die medizinische Versorgung von Patienten. Allerdings greift hier in der Regel nicht der Mantel- und Tarifvertrag, der für Medizinische Fachangestellte in Arztpraxen gilt.
Mitzubringende Eigenschaften und Qualifikationen
Der Beruf der Medizinischen Fachangestellten ist ein Ausbildungsberuf. Dafür qualifiziert sind Frauen und Männer mit jedem Schulabschluss, gleich, ob Hauptschulabschluss, Mittlere Reife oder Abitur. Gute Noten oder ein höherer Schulabschluss deuten nicht grundsätzlich darauf hin, dass die Bewerber besser geeignet für die Ausbildung und den Beruf sind, als Kandidaten mit weniger guten Schulabschlüssen. Vielmehr kommt es den meisten Arbeitgebern beziehungsweise Ausbildungsbetrieben auf die Persönlichkeit, die Ausstrahlung und einige Eigenschaften an. Der offene, freundliche junge Mann mit einer vier in Mathe punktet beim Bewerbungsgespräch sicherlich mehr, als die wortkarge, schlecht gelaunte junge Dame mit Abitur und einer zwei in Mathe. Aber letztendlich liegt die Einstellungsentscheidung immer beim potenziellen Arbeitgeber.
Ob der Beruf dann aber tatsächlich die richtige Entscheidung eines Bewerbers ist, zeigt sich in der Regel erst in der Praxis. Manche sind den beruflichen Anforderungen nicht gewachsen und brechen die Ausbildung ab. Deshalb sollten Interessenten sich selbst genau unter die Lupe nehmen, ob sie erforderliche Voraussetzungen mitbringen, um langfristig in diesem Beruf die Erfüllung finden zu können.
Organisationsfähigkeiten
In einer Arztpraxis ist nie alles bis ins Detail planbar. Terminabsagen und Notfallpatienten oder längere Behandlungen als erwartet, gehören fast in jedem Betrieb zum Alltag. Ein Mittelmaß an Organisationstalent sollte deshalb jede angehende MFA besitzen, um den Arbeitsalltag auch in stressigen und unvorhersehbaren Situationen bestmöglich gestalten zu können. Wer im Chaos versinkt, übersieht schnell Wichtiges. Im Umgang mit Menschen und deren Gesundheit kann das im schlimmsten Fall schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.
Selbstständiges Arbeiten
Anders als beispielsweise in einem Büro, geht es überwiegend in Arztpraxen zu. Hier sind die Kollegen häufig intensiv konzentriert mit ihren Aufgaben beschäftigt und für ständige Rückfragen nicht verfügbar. Vielfach ist pro Praxisstation auch nur ein Mitarbeiter eingesetzt, sodass keine durchgängige Unterstützung des Teams möglich ist. Deshalb ist es wichtig, dass Bewerber selbstständig Aufgaben erledigen, ohne stetig dazu aufgefordert werden zu müssen. Mitdenken und machen - das ist die Devise - natürlich nur im Bereich der entsprechend vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten.
Empathie, Freundlichkeit, Gelassenheit und respektvolle Umgangsformen
Medizinische Fachangestellte werden gelegentlich Ziel aufgebrachter Patienten, die sich vielleicht über eine zu lange Wartezeit ärgern. Oder ist es ein Schmerzpatient, der unter Tränen sein Leid klagt? Es gibt unzählige Charaktere unter den Patienten, von denen manche zu einer echten Herausforderung werden können. Hier sind Medizinische Angestellte und ihre gelassene, freundliche sowie empathische Art gefragt.
Hohes Maß an psychischer und physischer Belastbarkeit
Überfüllte Wartezimmer, unzählige Aufgaben zu erledigen, ständig klingelt das Telefon und am besten an drei Orten gleichzeitig sein müssen - das sind nur Beispiele für einen möglichen Arbeitsalltag in einer Arztpraxis. Das erfordert körperliche Fitness und Belastbarkeit. Weil ein Kontakt mit kranken Patienten besteht, erschüttern oftmals auch die Lebenssituationen und Schicksale von Patienten. Um damit professionell umgehen zu können, ist ein hohes Maß an psychischer Belastbarkeit eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für den Beruf.
Flexibilität und Teamwork sind gefragt
Ein gut zusammenarbeitendes Team ist unerlässlich für einen reibungslosen Praxisablauf. Wer sich für den Beruf "Medizinische Fachangestellte" entscheidet, sollte deshalb über eine ausgeprägte Teamfähigkeit verfügen.
Bewerber sollten auch Flexibilität mitbringen, um ungeplante Einsätze sowie Aufgaben außerhalb des eigentlichen Tätigkeitsbereichs ausführen zu können. Wenn morgen eine Kollegin aus der Arztassistenz ausfällt, muss vielleicht die Medizinische Fachangestellte von der Rezeption in den Behandlungsraum wechseln. Weil Behandlungszeiten nicht exakt vorzubestimmen sind, sollten Berufsinteressenten zudem gewillt sein, gelegentlich auch über den pünktlichen Feierabend hinaus zu arbeiten.
Fazit
Wer eine Ausbildung im Gesundheitswesen und Medizinbereich sucht, dem bietet der Beruf als Medizinische Fachangestellte eine gute Zukunftsperspektive mit einem spürbaren Gehaltsanstieg, der für mehr finanzielle Unabhängigkeit sorgt. Abwechslungsreiche Tätigkeiten, eigenverantwortliches Arbeiten in zahlreichen Bereichen und ein enges Miteinander im Team sind nur einige Beispiele der positiven Jobaspekte. Allerdings sollten Bewerber auch den Herausforderungen gewachsen sein, um langfristig Spaß an der Arbeit dieses gesellschaftlich anerkannten Berufs zu haben.

