Mario Kart World im Test: Der beste Teil der Reihe? (Switch 2) – Review
Die Steuerung bleibt gewohnt simpel: Gas geben, Items einsetzen, driften. Doch wer denkt, das Spiel sei dadurch oberflächlich, irrt gewaltig. Wie so oft bei Nintendo liegt die Tiefe unter der Oberfläche.
Einfache Steuerung, aber komplexe Tiefe
Was anfangs simpel wirkt, entfaltet schon nach wenigen Rennen eine überraschende Komplexität. Jede Münze erhöht dein Tempo, perfekt getimte Drifts schalten Boosts frei, neue Mechaniken wie Rail-Grinding oder Wände-Fahren erweitern das altbekannte Gameplay spürbar.
Die Rückkehr zum 150-ccm-Modus statt der chaotischen 200-ccm macht das Spiel zugänglicher, ohne auf Anspruch zu verzichten. Besonders in den oberen Klassen merkt man, wie sehr hier Übung den Unterschied macht und wie jede Abkürzung, jeder Sprung taktisch genutzt werden kann.
Neues Physikmodell, neue Dynamik
Mario Kart World fühlt sich fantastisch an. Das neue Fahrverhalten verleiht den Karts mehr Gewicht, Sprünge und Landungen wirken wuchtiger, die Übergänge zwischen Fahr-, Wasser- und Flugsektionen sind flüssiger denn je. Besonders auffällig ist die Balance im Rennverlauf: es gibt kaum einen Moment zum Durchatmen.
Und dann: 24 Fahrer gleichzeitig auf der Strecke. Ständiger Positionswechsel, Items fliegen im Sekundentakt. Das Spiel will Chaos und liefert. Ganz bewusst ist es oft besser, nach der ersten Runde nicht in Führung zu liegen, um bessere Items zu erhalten. Fair? Nein. Spannend? Absolut. Etwas Taktik im Chaos ist nicht schlecht.
Visuell ist Mario Kart World ein echtes Upgrade des Bekannten: 60fps, HDR, dynamisches Wetter und ein Tag-Nacht-Wechsel sorgen für ein modernes, farbenfrohes Spektakel. Reifen ziehen Schlammspuren, Wasser glänzt realistisch, und die Strecken stecken voller Details.
Dazu gesellt sich ein stimmungsvoller Soundtrack mit orchestralen Highlights und regionalen Varianten, ob Shamisen im Japan-Track oder Synthwave in der Cyber-Stadt. Alles wirkt durchdacht, alles klingt nach Spaß.
Mario Kart World im Test: Offene Welt, neue Freiheit
Der wohl größte Bruch mit alten Serientraditionen: Die lineare Streckenauswahl wurde ersetzt durch eine offene Welt. Du erkundest frei befahrbare Regionen, entdeckst Herausforderungen und erreichst Rennstrecken ohne Ladebildschirm.
Das erinnert stark an Forza Horizon, mit einem Mario Kart-Anstrich. Und es funktioniert. Warum auch nicht? Mal wirst du vom Verkehr überrascht, mal findest du neue Abkürzungen oder versteckte Herausforderungen. Nur schade, dass die Welt etwas leer wirkt und Navigationshilfen spärlich sind. Auch kosmetische Anpassungen der Fahrzeuge bleiben hinter den Erwartungen zurück. Aber das heißt nicht, dass diese nicht in späterer Folge noch kommen könnten.
Vielfältiger Content
Inhaltlich bietet Mario Kart World eine ganze Menge: vom klassischen Grand Prix über den neuen Knockout-Modus bis hin zu frei konfigurierbaren Turnieren. Besonders im Multiplayer – lokal wie online – entfaltet sich die volle Wucht des Spiels. Menschliche Gegner erhöhen das Chaos, machen jedes Rennen unberechenbar und jede Item-Attacke doppelt so fies. Der neue Battle-Modus bringt wieder das beliebte „Ballon-Zerplatzen“-Gameplay zurück, mit neuen Arenen und witzigen Regeln. Damit bleibt Mario Kart auch abseits der Rennen unterhaltsam.
Trotz aller Innovationen ist nicht alles perfekt. Die offene Welt hätte mehr Interaktionen vertragen, das Customizing der Karts ist zu minimal. Und warum einige Charaktere so viele Skins haben, andere aber kaum, bleibt ein Rätsel, dass ich mir zum Release von Mario Kart World nicht erklären kann.
Fazit zu Mario Kart World im Test
Mario Kart World ist vielleicht nicht perfekt, aber verdammt nah dran. Es vereint klassischen Spielspaß mit neuen Ideen, bleibt zugänglich und doch fordernd. Das neue Open-World-Design bringt frischen Wind, ohne den Kern der Serie zu verletzen.
Wer die Nintendo Switch 2 besitzt, kommt um dieses Spiel kaum herum. Nicht umsonst sollen rund 95 Prozent der Erstkäufer der neuesten Nintendo-Konsole diesen Titel gleich mitgekauft haben. Und wer die Switch 2 noch nicht hat? Für viele dürfte das hier der Kaufgrund sein. Trotz kleiner Schwächen ist es das beste Mario Kart-Teil aller Zeiten.



