Macron und Sahel-Staatschefs verstärken Anti-Terror-Kampf

14. Januar 2020, 03:16 Uhr · Quelle: dpa

Pau (dpa) - Im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen im Sahelgebiet haben Frankreich und verbündete afrikanische Länder einen Kurswechsel vollzogen.

Der Kampf werde auf das besonders gefährdete Grenzgebiet zwischen Mali, Burkina Faso und Niger konzentriert, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ach einem Gipfel mit mehreren Amtskollegen aus der Sahelregion im südwestfranzösischen Pau. Der Hauptfeind sei dort die Terrorgruppe Islamischer Staat Große Sahara, ein Ableger der Terrormiliz IS.

Der Gipfel verständigte sich auf eine «Koalition für das Sahelgebiet». Dieser würden auch andere Partner angehören. Die fünf beteiligten Länder der Region billigten ausdrücklich, dass Frankreich militärisch dort weiter engagiert bleibt. Mancherorts hatte es zuvor antifranzösische Ressentiments gegeben. «Wir haben keine Wahl: Wir brauchen jetzt Ergebnisse», sagte Macron. Er kündigte an, dass er 220 zusätzliche Soldaten in die Region schicken werde.

Der 42-Jährige hatte die Kollegen, unter ihnen Ibrahim Boubacar Keita aus Mali, eingeladen, um den Anti-Terror-Kampf zu verstärken. Im westafrikanischen Mali waren Ende November 13 französische Soldaten bei einem Hubschrauberunfall ums Leben gekommen, sieben von ihnen waren in Pau am Fuße der Pyrenäen stationiert. Zur G5-Gruppe gehören außer Mali auch Niger, Burkina Faso, Mauretanien und der Tschad.

Macrons Gipfel wurde belastet von einem schweren Angriff mutmaßlich islamistischer Extremisten im westafrikanischen Niger. Dabei waren in der vergangenen Woche 89 Soldaten getötet worden, zudem starben 77 Angreifer. Die Regierung in Niamey kündigte drei nationale Trauertage an.

Der Gipfel sollte ursprünglich bereits im Dezember stattfinden, war dann aber wegen eines schweren Anschlags im Niger verschoben worden, damals starben 71 Soldaten. Die frühere Kolonialmacht Frankreich ist in Westafrika massiv vertreten: Bei der Anti-Terror-Mission «Barkhane» sind bisher rund 4500 Soldaten im Einsatz. Der 42-Jährige hatte zwar nach dem Tod der französischen Soldaten den gefährlichen Einsatz öffentlich in Zweifel gezogen, dann aber zugesichert, sein land werde weiter gegen dschihadistische Terroristen kämpfen.

Macron will nun verstärkt Partner ins Boot holen, um dem Terrorismus die Stirn zu bieten. Auch dies ist ein heikles Thema. So schlug Deutschland Bitten um Beteiligung an einem Einsatz europäischer Spezialeinheiten für den Kampf gegen Islamisten in Mali bereits zwei Mal ab. Nach Informationen des französischen Enthüllungsblatts «Le Canard Enchaîné» signalisierten bisher lediglich Estland, Belgien, Dänemark und Tschechien, dass sie mitziehen wollen. Macron lobte explizit die Zusammenarbeit mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - beide hatten sich beim G7-Gipfel in Biarritz im August für eine internationale Partnerschaft für mehr Sicherheit und Stabilität in der Sahelzone stark gemacht.

Macron will insbesondere die Europäer in die Pflicht nehmen, deshalb waren EU-Ratschef Charles Michel und UN-Generalsekretär Antonio Guterres zum Dinner in Pau eingeladen. Sorge herrscht in Paris wegen der Amerikaner: Das US-Verteidigungsministerium erwägt nach einem Bericht der «New York Times» vom Dezember, in Westafrika eingesetzte Spezialeinheiten zu vermindern oder ganz abzuziehen. Er hoffe, dass er seinen US-Kollegen Donald Trump überzeugen könne, Truppen in der Sahelregion zu lassen, sagte Macron

In den Staaten der Sahelzone - einem Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt - sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv. Einige haben den Terrorgruppen Islamischer Staat oder Al-Kaida die Treue geschworen. Besonders von Anschlägen betroffen waren in den vergangenen Monaten die Nachbarstaaten Niger, Mali und Burkina Faso, aber auch Nigeria. Trotz Militärpräsenz etlicher internationaler Mächte verschlechtert sich die Lage stetig: Die Zahl der Angriffe durch Extremisten hat sich laut der Denkfabrik Africa Center for Strategic Studies seit 2015 jedes Jahr verdoppelt, 2019 waren es rund 700.

Die Terrorgruppen profitieren bei ihren mittlerweile fast täglichen Anschlägen von regionalen ethnischen Spannungen, die sie instrumentalisieren. Den Extremisten spielen auch andere Faktoren in die Hände: Die Sahel-Staaten sind mit die ärmsten der Welt, mit hohem Bevölkerungswachstum und schlechtem Zugang zu Bildung und Gesundheit. Die Regierungen haben oft in den wüstenhaften Weiten außerhalb der Städte wenig Kontrolle; neben den Dschihadisten nutzen dies auch kriminelle Netzwerke und Menschenschmuggler aus.

Mitte Dezember hatten die Sahel-Staaten von den Vereinten Nationen ein stärkeres Mandat für die seit 2013 in Mali stationierte UN-Mission zur Stabilisierung des Landes (Minusma) gefordert. Sie gilt bisher als weitgehend wirkungslos im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen in Region. In Mali sind auch bis zu 1100 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Sie sind Teil der Minusma sowie der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) stellte Ende Dezember in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» die Frage, ob die Bundeswehr nicht «ein robusteres Ausbildungsmandat» brauche.

Konflikte / Terrorismus / Emmanuel Macron / Terror / Burkina Faso / Frankreich / Mali / Mauretanien / Niger / Tschad
14.01.2020 · 03:16 Uhr
[1 Kommentar]
Baum umgestürzt - Drei Tote bei Flensburg
Mittelangeln (dpa) - Nach dem tödlichen Unglück durch einen umgestürzten Baum am Ostersonntag im nördlichen Schleswig-Holstein dauern die Ermittlungen der Polizei an. Dabei waren drei Menschen bei der Ostereiersuche in einem Waldstück getötet worden, darunter eine Mutter und ihr Baby. Nach Polizeiangaben stürzte bei starken Windböen ein etwa 30 Meter […] (00)
vor 18 Minuten
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati gibt ein trauriges Gesundheits-Update. Die Influencerin erhielt vor über drei Jahren eine schlimme Diagnose: Sie leidet an schwarzem Hautkrebs. Seit einiger Zeit wird sie palliativ behandelt – die Krankheit gilt nicht mehr als heilbar. Nun macht die 30-Jährige beunruhigende Neuigkeiten öffentlich: Sie befindet sich […] (02)
vor 16 Stunden
Fashion-Influencer «Gramps»
Mainz (dpa) - Er hat rund 5,5 Millionen Follower auf Tiktok, noch mal knapp 2,5 Millionen auf Instagram: Der 80-jährige Alojz Abram - auch bekannt unter seinem Pseudonym «Gramps» - ist Mode-Influencer. Dabei wirkte er lange gar nicht modisch. Er hat sich gekleidet, wie man es von einem älteren Herrn in der Rente erwarten würde. «Unspektakulär», sagt […] (00)
vor 12 Minuten
Starfield DLC verrät neue Stadt – Fans hoffen auf echten Neustart
Es fühlt sich fast wie ein versteckter Blick hinter die Kulissen an: Neue Achievements zum kommenden DLC von Starfield sorgen gerade für Diskussionen in der Community. Denn was dort entdeckt wurde, klingt nach genau den Änderungen, die sich viele Spieler seit Release wünschen. Und plötzlich steht eine Frage im Raum: Bekommt Starfield endlich das […] (00)
vor 7 Stunden
«plan b»: Neue Ideen gegen die Wohnungsnot
Die ZDF-Doku zeigt, wie kreative Konzepte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten sollen. Am Sonntag, 3. Mai 2026, um 15.30 Uhr widmet sich die ZDF-Reihe plan B einem der drängendsten Probleme in Deutschland: der Wohnungsnot. Die Ausgabe „Gesucht? Gefunden! Schluss mit der Wohnungsnot“ ist bereits seit dem 29. April im Streaming verfügbar. Die Dokumentation von Brianna Lache macht deutlich, […] (00)
vor 14 Stunden
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Frankfurt/Main (dpa) - Der 1. FC Köln hat beim Bundesliga-Debüt seines neuen Cheftrainers René Wagner den ganz großen Befreiungsschlag bei Eintracht Frankfurt verpasst, aber immerhin einen Punkt im Kampf gegen den Abstieg gerettet. Die Rheinländer erkämpften sich im ersten Spiel nach der Trennung von Ex-Coach Lukas Kwasniok ein 2: 2 (0: 0), blieben […] (03)
vor 8 Stunden
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, bargeldlos, berlin
Die Aktivität an Kryptowährungsbörsen ist weiterhin stark konzentriert und wird größtenteils durch den Handel mit Derivaten bestimmt, wie der neueste Bericht von CoinMarketCap zeigt. Daten belegen, dass eine kleine Gruppe großer Plattformen das gesamte Marktvolumen dominiert. Allein Binance macht 29,42% des gesamten monatlichen Volumens aus und […] (00)
vor 5 Stunden
Die rasante Entwicklung des Cloud-Computings hat die Arbeitsweise von Unternehmen grundlegend verändert und Cloud-Expertise zu einer der gefragtesten Kompetenzen auf dem heutigen Arbeitsmarkt gemacht. Microsoft Azure als eine der führenden Cloud-Plattformen bietet eine Vielzahl von Zertifizierungen, die die Fähigkeit einer Person nachweisen, Cloud- […] (00)
vor 9 Stunden
 
Facharzttermine
Berlin (dpa) - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Forderung nach […] (00)
Petersdom im Vatikan (Archiv)
Vatikanstadt - Papst Leo XIV. hat den Gläubigen zu Ostern den traditionellen Segen […] (00)
Mann stirbt nach Polizeischüssen bei Verfolgungsfahrt
Saarbrücken (dpa) - Bei einer Verfolgungsfahrt in Saarbrücken ist ein 22-Jähriger […] (10)
Hochbeet mit Rasenschnitt (Archiv)
Lüneburg - Der Deutsche Städtetag fordert ein Nachtfahrtverbot für Mähroboter, um […] (04)
JoJo Siwa
(BANG) - JoJo Siwa denkt über eine Hochzeit mit Chris Hughes nach. Die 22-jährige […] (00)
Ein Foto, ein Rätsel – deutet Naughty Dog eine Rückkehr von Uncharted an?
Manchmal braucht es kein offizielles Ankündigungsvideo, keinen Trailer und keine […] (00)
«Terra Xplore»: ZDF beleuchtet die Rolle von Müttern
Psychologe Leon Windscheid geht der Frage nach, wie sehr Mütter unser Leben prägen. Das ZDF […] (00)
Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg
Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusen hat mit einem Comeback in einer wilden und […] (02)
 
 
Suchbegriff