Lieferengpässe bei Halbleitern beunruhigen Autobranche: Politische Lösungen dringend gefragt
Die anhaltenden Lieferprobleme bei Halbleitern sorgen weiterhin für Alarmstimmung in der Automobilindustrie und wecken Besorgnis bis hin zur Bundesregierung. Sowohl der Verband der Automobilindustrie (VDA) als auch der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) weisen eindringlich auf die Gefahr von Produktionsstopps hin. Um die Situation zu klären, plant das Bundeswirtschaftsministerium eine Schaltkonferenz mit verschiedenen Branchenvertretern.
Die Störung rührt von einem Exportstopp durch die chinesische Regierung her, die auf die Übernahme des niederländischen Halbleiterherstellers Nexperia durch die niederländische Regierung reagierte. Nexperia, das über Werke in Hamburg und Manchester sowie in Asien verfügt, beliefert internationale Großkunden und ist in bestimmten Segmenten Marktführer. Unternehmen sind nun angehalten, alternative Lösungen zu finden, stehen hierbei jedoch vor Hürden wie der Qualifizierung neuer Bauteillieferanten.
Die Bundesregierung sucht aktiv den Dialog, auch mit China, um die Blockade zu lösen. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums erklärt, dass sich die Gespräche im engen Austausch befinden. Indes hat der niederländische Wirtschaftsminister Vincent Karremans seine Bemühungen verstärkt, im direkten Austausch mit seinem chinesischen Pendant die Wogen zu glätten.
Die Automobilhersteller selbst reagieren unterschiedlich: Während Volkswagen zunächst keine sofortigen Produktionsausfälle meldet, bleibt die Lage beobachtungsbedürftig. Mercedes-Benz zeigt sich dank früherer Erfahrungen aus der Chipkrise besser vorbereitet, betont aber die Unsicherheit langfristiger Erwartungen. Der VDA blieb unterdessen bei seiner Warnung und sieht trotz Taskforces, wie sie Zulieferer wie ZF implementieren, erhebliche Risiken für die Produktionskette.
Die Suche nach Ersatzlieferanten und alternativen Komponenten erweist sich als Herausforderung. Experten betonen, dass diskrete Halbleiter oftmals spezialisierte Anpassungen erfordern, was schnelle Lieferantenwechsel erschwert und die Umstellungen in den Lieferketten erheblichen Zeitbedarf mit sich bringen.
Auch politisch bleibt die Lage angespannt, da Gerichtsunterlagen nahelegen, dass der Schritt Den Haags auf Druck der USA erfolgte. Der niederländische Minister Karremans weist allerdings Verbindungen der Nexperia-Thematik zu internationalen Handelskonflikten von sich.

