Landgericht Hamburg bestätigt Urteil gegen Nanowissenschaftler Wiesendanger
Urteil des Landgerichts Hamburg
Das Landgericht Hamburg hat in einem wegweisenden Urteil entschieden, dass der Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger dem Berliner Virologen Christian Drosten keine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit vorwerfen darf. Dieses Urteil bestätigt eine bereits im März 2022 erlassene einstweilige Verfügung der Pressekammer und verdeutlicht die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Wissenschaftler und Forscher in ihrer öffentlichen Kommunikation beachten müssen.
Wiesendanger hatte in einem Interview mit dem Magazin "Cicero" die frühe Position von Drosten und 26 weiteren Virologen, die einen natürlichen Ursprung des Coronavirus favorisierten, scharf kritisiert. Er bezeichnete diese Auffassung als "entbehrlich jeglicher Grundlage". Diese Äußerungen werfen Fragen zur Verantwortung von Wissenschaftlern auf, insbesondere in Krisenzeiten, in denen die öffentliche Wahrnehmung und das Vertrauen in die Wissenschaft auf dem Spiel stehen.
Begründung des Gerichts
Das Gericht stellte fest, dass Wiesendanger nicht beweisen konnte, dass Drosten absichtlich falsche Informationen verbreitet hat. Laut der Kammer äußerte Drosten lediglich seine Überzeugung, dass ein natürlicher Ursprung des Virus wahrscheinlicher sei als ein Laborursprung. Diese Einschätzung wurde auch in seinem NDR-Podcast "Coronavirus Update" deutlich, wo er den Laborursprung als denkbar, jedoch nicht als die überzeugendere Erklärung bezeichnete.
Darüber hinaus hat die Kammer auch eine weitere Äußerung Wiesendangers untersagt, die besagte, dass die Bewegung "Scientists for Science", zu deren Mitbegründer Drosten zählt, darauf abzielte, die virologische Forschung von Beschränkungen freizuhalten. Diese Behauptung wurde ebenfalls als unwahr eingestuft, was die Bedeutung von Fakten und Transparenz in der wissenschaftlichen Diskussion unterstreicht.
Politische Dimension und Auswirkungen auf die Forschung
Das Interview, in dem Wiesendanger seine kritischen Ansichten äußerte, erschien unter dem provokanten Titel: "Stammt das Coronavirus aus dem Labor? - 'Herr Drosten hat Politik und Medien in die Irre geführt'". Es ist bemerkenswert, dass sich Wiesendanger bei seinen Aussagen auf einen offenen Brief von 27 Virologen stützte, der am 19. Februar 2020 in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde. In diesem Brief wurde die Behauptung eines nicht natürlichen Ursprungs des Virus als Verschwörungstheorie zurückgewiesen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, jedoch wirft es grundlegende Fragen zur Rolle von Wissenschaftlern in der Öffentlichkeit auf und könnte weitreichende Auswirkungen auf die Kommunikationsstrategien von Forschern haben. In einer Zeit, in der Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse entscheidend für die öffentliche Gesundheit ist, müssen Wissenschaftler sicherstellen, dass ihre Äußerungen sowohl präzise als auch verantwortungsbewusst sind. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, die durch dieses Urteil geschaffen werden, könnten somit auch Einfluss auf die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft im Bereich der Forschung haben.

