Lagarde sieht Chancen und Risiken durch Zollstreit: Starker Euro als Antwort
In einer Rede an der Hertie School in Berlin hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde die wirtschaftlichen Herausforderungen betont, die der Zollstreit mit den USA für Europa birgt. Sie beschrieb die aktuelle Lage als eine grundlegende Erschütterung der bestehenden Weltordnung, geprägt von Nullsummenstrategien und bilateralen Machtspielen. Obwohl Lagarde den Namen des US-Präsidenten Donald Trump nicht direkt erwähnte, spielte sie auf seine jüngsten Zolldrohungen an.
Lagarde wies darauf hin, dass der Protektionismus Einzug halte und damit die Offenheit der Märkte bedrohe. Die unsichere Zukunft der Vormachtstellung des US-Dollars könnte erhebliche Risiken für Europa bergen, da Exportaktivitäten fast ein Fünftel der regionalen Wertschöpfung ausmachen und rund 30 Millionen Arbeitsplätze sichern. Trotz dieser Herausforderungen sieht Lagarde auch Chancen für den Euro.
Sie argumentiert, dass die aktuelle Situation den Zeitpunkt für eine stärkere internationale Rolle der europäischen Währung ideal macht. Zumal der Dollar durch Trumps Zollpolitik Druck erfährt, sei der Euro gegenüber dem US-Dollar so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr. Lagarde betonte, dass ein stärkerer Euro positive Effekte auf den Euroraum haben könnte, wie günstigere Kredite, erhöhte Binnennachfrage und weniger empfindliche Reaktionen auf Wechselkursschwankungen.
Zudem werde Europa widerstandsfähiger gegenüber internationalen Sanktionen. Um diese Potenziale voll auszuschöpfen, müsse Europa auf verschiedenen Ebenen Fortschritte machen, so Lagarde. Daher fordert sie Europa auf, geopolitisch, wirtschaftlich und rechtlich an Gewicht zu gewinnen.
Der Ausbau von Handelsabkommen, militärische Stärkung sowie die Vollendung des Binnenmarktes und die Vertiefung des Kapitalmarktes gehören zu den Maßnahmen, die laut Lagarde notwendig sind. Zudem sei die Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit und eine geeinte politische Position essentiell, um externem Druck standzuhalten.

