Kurs auf Versorgungssicherheit: Deutschlands Plan für neue Gaskraftwerke
Die Bundesregierung strebt einen Umbau der Energieinfrastruktur an, um die Stromversorgung auch nach dem geplanten Ausstieg aus der Kohleverstromung im Jahr 2038 zu sichern. Im Mittelpunkt steht eine kürzlich mit der EU-Kommission abgestimmte Kraftwerksstrategie, die den staatlich geförderten Bau von Gaskraftwerken vorsieht. Diese sollen bis spätestens 2031 betriebsbereit sein und langfristig auf Wasserstoff-Betrieb umgestellt werden. Dies ist Teil von Deutschlands Ziel, bis 2045 klimaneutral zu werden.
In diesem Jahr sollen zunächst Ausschreibungen für zwölf Gigawatt neuer steuerbarer Kapazitäten stattfinden – ein Großteil davon für Gaskraftwerke, die über einen längeren Zeitraum Strom liefern können. In den Folgejahren sind weitere Ausschreibungen geplant, unterstützt durch Anreize zur frühzeitigen Umstellung auf Wasserstoff. Ab 2032 wird ein technologieoffener Kapazitätsmarkt eingeführt, um die Bereitstellung von Kapazitäten zu honorieren.
Die Industrie, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), unterstützt den Bau neuer Gaskraftwerke. Diese seien notwendig, um die Versorgungssicherheit in Zeiten von Dunkelflauten abzuwickeln und Preisvolatilität zu minimieren. Der BDEW mahnt ebenfalls die Dringlichkeit des Ausbaus steuerbarer Kapazitäten an, da ohne diese eine Versorgungslücke drohen könnte.
Kritiker hingegen, wie die Deutsche Umwelthilfe und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, warnen vor der Klimabelastung und den ökonomischen Risiken, die mit dem Bau neuer fossiler Gaskraftwerke einhergehen. Sie plädieren für alternative Maßnahmen wie den Ausbau erneuerbarer Energien und Stromspeicher.
Nicht zuletzt fragen sich Beobachter, welche finanziellen Auswirkungen die staatlichen Förderungen neuer Gaskraftwerke haben werden. Die Kosten könnten sich auf mindestens fünf Milliarden Euro jährlich belaufen und zusätzlich die Stromkunden belasten. Trotz dieser Bedenken planen Unternehmen wie RWE, Uniper und die Steag Iqony Group die Errichtung neuer wasserstofffähiger Kraftwerke.

