Künstliche Intelligenz als neuer Faktor auf den Finanzmärkten: Eine Welle der Unruhe

Die Finanzmärkte sind einmal mehr in Aufruhr, diesmal ausgelöst durch wachsende Befürchtungen über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf traditionelle Geschäftsmodelle. Während die Internet- und Softwarebranche sowie Informationsdienstleister bereits länger mit dieser Herausforderung konfrontiert sind, geraten nun auch Finanzunternehmen wie Versicherer in den Fokus. Betroffen sind jüngst insbesondere Online-Broker und Vermögensverwalter, die nach den schwachen Kursbewegungen am Vorabend an den New Yorker Börsen auch hierzulande unter Druck stehen.
Ein deutlicher Kursverlust war bei den US-Unternehmen zu beobachten, allen voran Charles Schwab. In Europa traf es Flatexdegiro mit einem Einbruch von 8,3 Prozent, während DWS nach einem kürzlich erreichten Rekordhoch um 2,6 Prozent nachgab. Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies beschreibt die Situation als breit angelegten Ausverkauf, ausgelöst durch die Befürchtung, dass KI-gestützte Angebote die Margen der Unternehmen unter Druck setzen könnten. Die Erwartungen der Kunden an Automatisierung und Kosteneffizienz treiben diesen Trend an. Einen weiteren Impuls lieferte das Vermögensverwaltungs-Startup Altruist durch ein KI-gestütztes Steuerplanungstool.
Bereits zuvor platzte ein Kursrückgang der Allianz-Aktien in den Markt, der die Nervosität im Versicherungssektor verstärkte. Claudia Gaspari und Ivan Bokhmat von Barclays sehen die Probleme dort erst am Anfang. Hoffnungsvollere Töne schlagen indes einige Experten hinsichtlich selektiver Chancen in anderen Branchen an—zum Beispiel Software, Medien und Finanzdienstleistungen. Dennoch bleibt der Versicherungssektor, den Barclays-Strategen um Emmanuel Cau mit „Underweight“ bewerten, besonders anfällig, sodass der Tiefpunkt noch nicht erreicht sein könnte.
Michael Huttner von Berenberg hingegen versucht, positive Aspekte aufzuzeigen, indem er auf mögliche Effizienzvorteile hinweist. Doch auch im breiteren Marktumfeld sind die Sorgen nicht übersehen. SAP-Aktien, die sich nach einer Erholungsphase wieder im DAX unter den Verlierern fanden, und deutsche Internetwerte wie Scout24, Zalando, Redcare Pharmacy, Auto1, Delivery Hero und Hellofresh befinden sich im Abwärtstrend und verlieren zwischen fast 4 und über 6 Prozent an Wert. Die Entwicklung der KI und deren Einfluss auf die Finanzlandschaft stehen sicherlich noch ganz am Anfang.

