Kritik an Seehofers Plänen für Abschiebehaft

20. Januar 2019, 12:45 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Der Plan von Bundesinnenminister Horst Seehofer, Abschiebehäftlinge künftig wieder in normalen Gefängnissen unterzubringen, stößt auf massive Bedenken. «Abschiebehaft und Strafhaft sind zwei unterschiedliche Dinge», betonte Justizministerin Katarina Barley (SPD) im Deutschlandfunk.

Diese Trennung müsse eingehalten werden. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) verwies auf europarechtliche Hürden, hält aber Sonderregelungen für Gefährder für möglich. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten beklagte, dass viele Haftanstalten schon heute überfüllt seien.

Das Bundesinnenministerium arbeitet zurzeit an einem «Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht». Ein Eckpunktepapier aus Seehofers Ressort sieht unter anderem vor, das Trennungsgebot zwischen Abschiebungs- und Strafgefangenen auszusetzen. Hintergrund ist das Fehlen von Abschiebehaftplätzen, mit denen das Untertauchen ausreisepflichtiger Ausländer verhindert werden soll. Der Europäische Gerichtshof hatte 2014 entschieden, dass diese bis zu ihrer Abschiebung nicht mehr in regulären Gefängnissen untergebracht werden dürfen, sondern nur in speziell dafür vorgesehenen Einrichtungen.

Das Innenministerium verteidigte seine Pläne: «Es geht natürlich nicht darum, sie in die gleiche Zelle oder den gleichen Trakt mit Straftätern zu sperren», sagte Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) der «Passauer Neuen Presse». «Es geht darum, im Ausnahmefall in derselben Liegenschaft einer Justizvollzugsanstalt auch abzuschiebende Personen unterzubringen.» Zudem sollten die rechtlichen Voraussetzungen für die Anordnung von Abschiebehaft «etwas gelockert und die Möglichkeiten des Ausreisegewahrsams erweitert werden». Laut Mayer gibt es derzeit nur 420 Abschiebehaftplätze in Deutschland.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus stellte sich hinter Seehofer. «Die Behörden müssen neue Befugnisse bekommen, um die Ausreisepflicht durchzusetzen», sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». Die Zahl der Haftplätze müsse erhöht werden. Es müsse künftig viel schwieriger werden, sich der Abschiebung zu entziehen. «Der Bundesinnenminister hat hier unsere volle Unterstützung.»

Barley betonte dagegen, das größte Problem bei Abschiebungen sei nach wie vor, dass die Herkunftsländer die abgelehnten Asylbewerber nicht zurücknähmen. «Da ist schon ewig das Innenministerium in der Pflicht, Abkommen zu verhandeln und schafft es nicht.» In den letzten Jahren habe es zahlreiche rechtliche Verschärfungen gegeben. «Es ist nicht ein Regelungsdefizit, es ist ein Vollzugsdefizit.»

Auch Stamp betonte, man könne Abschiebehäftlinge und Strafgefangene nicht ohne Weiteres unter einem Dach inhaftieren. Es gebe aber die Möglichkeit, Sonderregelungen etwa für Gefährder zu schaffen, sagte der FDP-Politiker im Deutschlandfunk. Das müsse geprüft werden.

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten warnte vor einer Überlastung des Justizvollzugs. Es fehlten Geld, Personal und in vielen Bundesländern auch Haftplätze. Da Abschiebehaftgefangene räumlich in getrennten Einrichtungen untergebracht werden müssten, stünden einige Bundesländer vor unlösbaren Problemen, erklärte die Gewerkschaft.

Um Asylverfahren und Abschiebungen zu beschleunigen, will die große Koalition ferner Algerien, Marokko, Tunesien und Georgien zu sicheren Herkunftsstaaten erklären. Der Bundestag hatte den Gesetzentwurf am Freitag gebilligt, die Grünen haben aber nach wie vor erhebliche Bedenken dagegen. Damit ist fraglich, ob die Neuregelung die notwendige Zustimmung im Bundesrat erhält.

Vertreter der Union warben nochmal um die Zustimmung der Länder mit Regierungsbeteiligung der Grünen. Es gehe darum, die Substanz des Asylsystems und seine Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten, sagte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings (CDU), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Unionsinnenexperte Matthias Middelberg (CDU) sagte der «Bild»: «Über 95 Prozent der Antragsteller aus Algerien, Marokko, Tunesien oder Georgien bekommen kein Asyl. Das Grundgesetz sieht in diesen Fällen ausdrücklich vor, die Verfahren durch eine Einstufung der Länder als sicher zu beschleunigen.»

Migration / Justiz / Bundesregierung / Seehofer / Barley / Abschiebungen / Deutschland
20.01.2019 · 12:45 Uhr
[1 Kommentar]
Tote bei Zugunglück in Spanien - Adamuz
Adamuz/Madrid (dpa) - Bei einem der schwersten Eisenbahnunglücke in der Geschichte Spaniens sind in Andalusien im Süden des Landes mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 170 Reisende seien verletzt worden, davon 24 schwer und fünf sehr schwer, teilten die Behörden mit. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen […] (04)
vor 5 Minuten
Sophie Turner
(BANG) - Sophie Turner hat ein "chronisches Rückenproblem". Die 29-jährige Schauspielerin, die mit ihrem ehemaligen Ehemann Joe Jonas die Töchter Willa (5) und Delphine (3) hat, entdeckte ein wiederkehrendes Gesundheitsproblem, als sie sich für ihre Rolle als Abenteurerin Lara Croft in der kommenden TV-Serie 'Tomb Raider' einem strapaziösen […] (00)
vor 3 Stunden
WLAN-Router - Auslaufmodell DSL-Internet
Bonn (dpa) - Damit das recht langsame Internet über Telefonleitungen - DSL oder VDSL genannt - endlich zum Auslaufmodell wird, setzt die Bundesnetzagentur die Deutsche Telekom unter Druck. Die Regulierungsbehörde stellte ein Konzeptpapier vor, das eine lokale DSL-Abschaltpflicht für den Magenta-Konzern vorsieht. Dadurch sollen Glasfaser-Kabel, die […] (00)
vor 24 Minuten
Lego The Legend of Zelda: Ocarina of Time – The Final Battle offiziell angekündigt
Nachdem Fans seit Jahren Lego- Modelle zu The Legend of Zelda gefordert haben, hat Nintendo gemeinsam mit Lego genau das enthüllt – und nicht einfach irgendein Set, sondern die finale Schlacht aus Ocarina of Time . Hier berichten wir über Scramble Knights Royale, welches an ein Zelda-Spiel als Battle Royale erinnert. Von Gerüchten zur Realität […] (00)
vor 19 Minuten
«Streifenfragen»: SWR startet neuen Polizei-Podcast
Schon ab diesem Montag erblickt er das (Blau-)Licht der Welt. Der neue SWR Podcast Streifenfragen - Was dir Polizisten sonst nicht erzählen nimmt Hörerinnen und Hörer mit auf eine Reise in die Welt der Polizei. Gemeinsam mit Polizistinnen und Polizisten erzählt SWR3 Redakteur Joost Schmidt Geschichten, die über den Dienstalltag hinausgehen und die die Beamten nachhaltig geprägt haben. […] (00)
vor 5 Stunden
Borussia Dortmund - FC St. Pauli
Dortmund/London (dpa) - Mit dem Schwung des Last-Minute-Siegs gegen den FC St. Pauli will Borussia Dortmund Richtung Achtelfinale der Champions League stürmen. «Wir haben weiter die Möglichkeit, das Achtelfinale auf dem direkten Wege zu erreichen und gehen das mit viel Optimismus an», sagte Sportdirektor Sebastian Kehl jüngst der Deutschen Presse- […] (04)
vor 55 Minuten
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup, bitcoin, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto
Bitcoin fiel am späten Sonntag in New York auf $91.920, ein Rückgang von 3,8 % gegenüber etwa $95.500, da ein starker Risikoabbau die Kryptomärkte erfasste und sich schnell auf andere hochvolatilen Vermögenswerte auswirkte. Ether sank um 5,3 % auf $3.177, während XRP und Solana mit Rückgängen von 10,4 % auf $1,847 und 9 % auf $130 unter den […] (00)
vor 50 Minuten
Deutschland fährt elektrisch: Opel macht die neue E-Auto-Förderung noch attraktiver
Rüsselsheim, 19.01.2026 (lifePR) - Neuwagenprämie in Kraft: Jetzt neues Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Modell von Opel kaufen oder leasen und Tausende Euro sparen 1 Elektrisierende Angebote: Opel Corsa Electric schon ab 130 Euro monatlich leasen 2 Made in Germany: Attraktive Sonderkonditionen auch für Opel Astra und Grandland Opel-Extra- […] (00)
vor 1 Stunde
 
Deutsche Soldaten der Grönland-Mission beim Umstieg auf Island am 18.01.2026
Berlin/Nuuk - Die Bundesregierung widerspricht dem Eindruck, dass die […] (01)
CDU Klausur
Berlin (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat seine Kritik am hohen Krankenstand in […] (01)
Stromtankstelle für E-Auto (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung hat sich auf ein neues Förderprogramm für Elektroautos […] (01)
Bischof Georg Bätzing
Bonn (dpa) - Georg Bätzing steht für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der […] (00)
SAP-Chef Christian Klein
Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands größter Softwarekonzern SAP und der […] (00)
FC Augsburg - SC Freiburg
Augsburg (dpa) - Diesmal hat dem FC Augsburg nicht einmal eine Zwei-Tore-Führung […] (02)
Das Erste setzt erneut auf «Faltenfrei»
Der ARD-Fernsehfilm «Faltenfrei» läuft am 25. Februar erneut zur Primetime und konnte bei […] (00)
bitcoin, cryptocurrency, money, currency, digital, electronic, virtual, internet, finance, crypto currency, block chain, brown money, brown finance, brown internet, brown digital, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, cryptocurrency, cryptocurrency
Der Kryptowährungsanalyst Matt Hughes, bekannt als "The Great Mattsby", hat ein seltenes […] (00)
 
 
Suchbegriff