Kontroverse um Gaza-Krieg: Kritik aus den Reihen der israelischen Luftwaffe
Eine beachtliche Anzahl an aktiven sowie pensionierten Mitgliedern der israelischen Luftwaffe hat sich gegen die erneute Aufnahme der militärischen Auseinandersetzungen im Gazastreifen ausgesprochen, was sowohl in der Regierung als auch im Militär zu Unruhe geführt hat. In einem von der Gruppe verfassten offenen Brief heißt es, der gegenwärtige Konflikt werde 'hauptsächlich durch politische und persönliche Interessen getrieben' und nicht durch sicherheitsrelevante Notwendigkeiten. In ihrem Appell fordern die Unterzeichner die Aushandlung eines Abkommens zur Freilassung der Geiseln im Gazastreifen, auch wenn dies das Ende der Feindseligkeiten mit der Hamas bedeuten würde.
Das israelische Militär berichtet, dass die Unterzeichner überwiegend im Ruhestand sind. Die Luftwaffe entschied, alle aktiven Reservisten, die an dem Brief beteiligt waren, zu entlassen. Diese Maßnahme wird vom Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unterstützt, der den Brief als Schwächung der Armee und Stärkung des Feindes in Kriegszeiten bezeichnet. Er kritisierte die Unterzeichner als 'radikale Randgruppe' mit dem Ziel, die Regierung zu destabilisieren.
Einige der Adressaten des Vorwurfs entgegneten, dass der Brief die Empfindungen eines bedeutenden Teils der Bevölkerung wiedergebe. Bei einer Pressekonferenz betonte Amnon Scharabi, das Anliegen der Reservisten gelte nicht der Luftwaffe oder den Piloten an sich, sondern den 59 Geiseln, deren Freilassung seit längerem gefordert wird.
Ministerpräsident Netanjahu steht zudem unter dem Verdacht, den Gaza-Konflikt auch als Mittel zur Sicherung seines politischen Amtes zu nutzen. Angesichts des drohenden Scheiterns der Haushaltsverabschiedung bis Ende März hätte es ohne die Unterstützung eines rechtsgerichteten Ministers, der zunächst aus Protest gegen die Waffenruhe-Vereinbarung mit der Hamas zurückgetreten war, zu Neuwahlen kommen können. Die Wiederaufnahme der Kämpfe führte zur Rückkehr dieses Ministers und seiner Partei in die Koalition.
Zahlreiche Reservisten verweigern Berichten israelischer Medien zufolge gegenwärtig den Dienst im Gaza-Krieg, da sie sich mit der aktuellen militärischen Strategie nicht identifizieren können und eine erneute israelische Wiederbesetzung des Gazastreifens befürchten.

