Investmentweek

Konjunktur-Sturz nach Trumps Zollbefehl – ZEW-Index fällt ins Bodenlose

17. April 2025, 21:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Donald Trumps erratische Handelspolitik trifft deutsche Wirtschaftsprognosen mit voller Wucht. Die Investorenstimmung bricht so stark ein wie seit dem Ukrainekrieg nicht mehr – und das aus gutem Grund.

Ein Präsident, ein Tweet – und die Märkte zittern

Minus 65,6 Punkte. Nicht an der Börse, sondern im Vertrauen der deutschen Finanzprofis. Der ZEW-Index, Gradmesser für die Stimmung unter Analysten und Investoren, stürzt im April regelrecht ab.

ZEW | Aktuelles aus dem ZEW – Startseite
Presseartikel aus dem ZEW

Und das wegen einer einzigen Quelle der Unsicherheit: Donald Trump. Der ehemalige und womöglich künftige US-Präsident hat mit einem neuen Zoll-Dekret erneut Unruhe in den Welthandel getragen – mit Folgen bis Mannheim.

Was im Weißen Haus beschlossen wird, hat für deutsche Unternehmen unmittelbare Konsequenzen. Und zwar nicht nur für Autohersteller oder Maschinenbauer.

Die USA sind Deutschlands wichtigster Exportkunde. Als Trump Anfang April überraschend 20-Prozent-Zölle gegen zahlreiche Handelspartner verhängte – um sie wenige Tage später wieder auszusetzen –, war das kein politisches Ritual. Es war ein Schockmoment. Einer, der in den Zahlen des ZEW deutlich sichtbar wird.

Minus 14,0 – die niedrigste Erwartung seit fast zwei Jahren

Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragt regelmäßig rund 160 Finanzmarktteilnehmer zu ihren Konjunkturerwartungen.

Das aktuelle Ergebnis: Der Index der wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland fällt im April auf minus 14,0 Punkte – von zuvor plus 51,6. Ein Rückgang, der seit Beginn des russischen Angriffskriegs nicht mehr beobachtet wurde.

Der Grund ist eindeutig: „Der erratische Umbruch in der US-Handelspolitik lässt die Erwartungen für Deutschland einbrechen“, sagt ZEW-Präsident Achim Wambach.

Besonders belastend sei nicht nur die Ankündigung neuer Zölle selbst – sondern die Unvorhersehbarkeit der US-Strategie. Heute Zölle, morgen Ausnahmen, übermorgen eine neue Drohkulisse. Für Planungssicherheit ist da kein Platz mehr.

Der ZEW-Index fällt im April um 65,6 Punkte – der stärkste Einbruch seit dem Beginn des Ukrainekriegs.

Deutschland trifft es besonders hart – wegen seiner Exportabhängigkeit

2023 exportierte Deutschland Waren im Wert von 161,3 Milliarden Euro in die USA. Das entspricht 10,4 Prozent aller deutschen Ausfuhren – so viel wie zuletzt 2002. Für viele deutsche Unternehmen, gerade aus der Industrie, ist der US-Markt nicht irgendein Absatzgebiet.

Er ist das Rückgrat des internationalen Geschäfts. Wenn dort Zölle drohen, betrifft das nicht nur Umsätze – sondern auch Investitionsentscheidungen, Lieferketten, Beschäftigung.

„Trump schädigt die USA mit seinen Zollkapriolen erheblich“, warnt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er meint damit auch: Die Kollateralschäden treffen auch die Handelspartner – allen voran Deutschland. Denn wer exportiert, ist abhängig von Vorhersehbarkeit. Und genau daran fehlt es derzeit in Washington.

Ökonomen von der Realität überholt

Die aktuelle Dynamik hat selbst Experten überrascht. Ökonomen, die von Reuters befragt wurden, hatten mit einem deutlich milderen Rückgang gerechnet – auf +9,5 Punkte.

Doch die Märkte reagieren empfindlich auf Unsicherheit. Und Trump liefert derzeit reichlich davon. Mit der Ankündigung pauschaler Zölle von 25 Prozent auf Stahl, Aluminium und Fahrzeuge sowie zehn Prozent auf nahezu alle übrigen Güter, hatte er ein Signal gesetzt: Die Zeiten freier Märkte sind vorbei – zumindest, wenn es nach ihm geht.

Zwar wurden einige dieser Zölle später für 90 Tage ausgesetzt. Doch das Muster ist bekannt: Drohen, aussetzen, nachjustieren. Das macht langfristige Planung für Unternehmen unmöglich. Und es erklärt, warum sich die Stimmung am Finanzmarkt so rasant dreht.

Die neue Unsicherheitsdividende

Trumps Politik ist nicht nur protektionistisch – sie ist unberechenbar. Und genau das ist der wahre Schaden. Nicht nur für die EU, sondern für den Welthandel insgesamt. Denn das Vertrauen in internationale Spielregeln, in faire Verfahren, in Stabilität – all das wird erschüttert, wenn mit einem Federstrich Zölle eingeführt oder aufgehoben werden.

Die Folge ist ein globaler Unsicherheitsaufschlag. Investoren halten sich zurück, Unternehmen verschieben Pläne, Märkte reagieren nervös. Der dramatische Einbruch des ZEW-Index ist Ausdruck genau dieser Unsicherheitsdividende. Und er macht deutlich, dass geopolitische Risiken längst kein Randthema mehr sind – sondern zum harten Kern wirtschaftlicher Realität gehören.

Ein Warnsignal – nicht nur für Deutschland

Der ZEW-Index ist ein Frühindikator. Er zeigt, was Analysten und Investoren erwarten – nicht, was bereits Realität ist. Doch genau deshalb ist der jetzige Rückgang so alarmierend. Denn er signalisiert: Sollte der Handelskonflikt weiter eskalieren oder ein erneuter Trump-Wahlsieg bevorstehen, steht der deutschen Exportwirtschaft eine harte Phase bevor.

Das Vertrauen ist angeschlagen. Die Unsicherheit hoch. Und der Ton aus Washington wird rauer. Für Deutschland, das auf Offenheit und freien Handel angewiesen ist, ist das mehr als ein politisches Problem. Es ist eine wirtschaftliche Gefahr.

Finanzen / Wirtschaft
[InvestmentWeek] · 17.04.2025 · 21:00 Uhr
[0 Kommentare]
Märkte unter Druck: Warum Zinsängste die globalen Börsen schütteln
Globale Börsen im Zeichen der Zinsangst Die internationalen Aktienmärkte befinden sich derzeit in einer Phase erheblicher Volatilität und Unsicherheit. Auslöser dieser Turbulenz sind vor allem die gestiegenen Renditen von Staatsanleihen und die hartnäckigen Inflationssorgen, die Zentralbanken weltweit zu einem strafferen geldpolitischen Kurs zwingen. […] (00)
vor 1 Stunde
US-Präsident Trump
Washington/Teheran (dpa) - Nach der Einigung ist vor der Einigung? Eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg und eine angekündigte Öffnung der Straße von Hormus ließen die Welt in der Nacht zunächst aufatmen. Doch wohin führt das? Ein Zehn-Punkte-Plan soll die Basis weiterer Verhandlungen sein. Viele Fragen sind offen. Ist der Krieg jetzt zu Ende? Das […] (03)
vor 15 Minuten
Klingel gegen den Algorithmus: Eine analoge Idee überlistet die Noise-Cancelling-Technologie
Wer in einer Großstadt Fahrrad fährt, kennt die Situation: Fußgänger: innen mit Kopfhörern, die in ihre eigene Klangwelt versunken sind und trotz kräftigen Klingelns keinen Schritt zur Seite machen. Was wie eine alltägliche Kleinigkeit wirkt, ist aus verkehrssicherheitlicher Perspektive ein wachsendes Problem. Škoda Auto hat sich nun gemeinsam mit […] (00)
vor 1 Stunde
Eine Zollbeamtin läuft durch ein Paketlager
Berlin/München (dpa/tmn) - Ob Geräte, Elektronik, Kleidung oder Schuhe - manchmal müssen oder sollen es Waren von weit her sein, weil es sie nur in bestimmten Ländern gibt oder weil sie dort besonders günstig zu haben sind. So weit die Theorie. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher ordern dann online direkt bei einem Anbieter oder über Marktplätze und […] (00)
vor 1 Stunde
Plans vs. Zombie 3: Evolved erscheint in ersten Regionen
Electronic Arts und PopCap Studios veröffentlichen Plants vs. Zombie 3: Evolved in ersten ausgewählten Regionen. Der Titel erweitert das bekannte Tower-Defense-Konzept der Reihe um ein Merge-Feature, das frische strategische Möglichkeiten in Neighborville eröffnet. Das mobile Spiel kombiniert lane-basiertes Tower-Defense-Gameplay mit einem Merge- […] (00)
vor 37 Minuten
Regé-Jean Page ist 'ziemlich begeistert' von romantischen Komödien.
(BANG) - Regé-Jean Page ist "ziemlich begeistert" von romantischen Komödien. Der 38-jährige Schauspieler spielt an der Seite von Halle Bailey in 'You, Me and Tuscany' mit, der neuen romantischen Komödie unter der Regie von Kat Coiro. Er hat nun erklärt, warum er ein Fan des Genres ist. "Ich meine, wer möchte nicht ins Schwärmen geraten? Das ist eine […] (00)
vor 6 Stunden
Ella Seidel
Oeiras (dpa) - Beim Neustart in den Billie Jean King Cup hat das deutsche Frauen-Tennisteam zum Auftakt einen erheblichen Dämpfer hinnehmen müssen. Gleich im ersten Duell mit Gastgeber Portugal setzte es in der Nähe von Lissabon eine 1: 2-Niederlage. Die Chancen auf den Einzug in die nächste Runde haben sich vor dem zweiten Spiel gegen Schweden am […] (01)
vor 1 Stunde
Ankündigung: EZ-Adapter MB104U-1SMB R1
Duisburg, 08.04.2026 (PresseBox) - Der EZ-Adapter MB104U-1SMB R1 bietet eine schnelle und bequeme Möglichkeit, auf Ihre 2,5 Zoll SATA SSD/HDD oder M.2 NVMe/SATA SSD über einen einzigen USB-C-Anschluss zuzugreifen. Mit Unterstützung für Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 10 Gbps über USB 3.2 Gen 2 ermöglicht dieser ultrakompakte Adapter den […] (00)
vor 1 Stunde
 
Geopolitische Unsicherheiten treiben Ölpreise in die Höhe Die jüngsten […] (00)
RBC stuft Shell positiv ein Die kanadische Royal Bank of Canada (RBC) hat die […] (00)
Rückblick auf die Auftragslage Die aktuelle Situation in der deutschen Industrie […] (00)
Donald Trump (Archiv)
Washington - US-Präsident Donald Trump warnt vor Waffenlieferungen an den Iran und […] (00)
Dan Levy wollte das 'warme und kuschelige' 'Schitt's Creek' für seine neue Serie hinter sich lassen.
(BANG) - Dan Levy wollte das "warme und kuschelige" 'Schitt's Creek' für seine neue […] (00)
«Ein starkes Team» kümmert sich um mörderische Gier
Im Mai kommt ein neuer Fall der langjährigen Samstags-Krimireihe im ZDF. Kürzlich feierte der […] (00)
PlayStation Store erweitert seine Frühlingsangebote
Die Frühlingsangebote erhalten neue Angebote im  PlayStation Store. Viele neue […] (00)
iPhone Fold Testproduktion hat begonnen
Nach aktuellen Informationen eines chinesischen Leakers hat Apples […] (00)
 
 
Suchbegriff