Klimagipfel am Amazonas: Hoffnung und Herausforderungen der 30. UN-Klimakonferenz
Vor einem Jahrzehnt jubelten viele in Paris über die historische Vereinbarung, die globale Klimakrise in den Griff zu bekommen. Das Pariser Klimaabkommen war geboren, doch die Herausforderungen sind größer denn je. Die 30. UN-Klimakonferenz findet nun symbolträchtig am Amazonas statt, in der brasilianischen Stadt Belém. Hier, am Rande des wertvollen Tropenwaldes, erhoffen sich zahlreiche Staats- und Regierungschefs, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz, neue Impulse für den globalen Klimaschutz.
Die aktuelle Lage ist besorgniserregend. Laut der UN droht die Welt auf eine Erwärmung von 2,8 Grad Celsius zuzusteuern, sofern die aktuelle Klimapolitik beibehalten wird. Damit würde das 1,5-Grad-Ziel schon bald verfehlt, mit verheerenden Auswirkungen wie häufigeren Naturkatastrophen und unumkehrbaren Klimakipppunkten. Trotz zahlreicher Konferenzen steigen die globalen Emissionen weiterhin, so die Weltwetterorganisation.
Brasilien will mit der Konferenz auf die dringende Notwendigkeit des Regenwaldschutzes hinweisen. Der deutsche Greenpeace-Vorsitzende Martin Kaiser warnt, dass ohne den Schutz des Amazonas der globale Klimaschutz scheitern könnte. Der Regenwald dient als riesiger Kohlenstoffspeicher, der entscheidend zur Eindämmung der Erderwärmung beiträgt. Die Wahl Brasiliens als Gastgeberland signalisiert zudem mehr Raum für Proteste und Debatten, nachdem die letzten Gipfel in autoritärer geführten Staaten stattfanden.
Allerdings stehen die Vorzeichen denkbar schlecht. Politische Krisen und finanzielle Engpässe lassen den Klimaschutz auf der Prioritätenliste vieler Regierungen nach unten rutschen. Auch die mächtige Öl- und Gaslobby versucht, die Energiewende auszubremsen. Dabei tritt US-Präsident Donald Trump als einflussreicher Kritiker des Klimaschutzes auf. Nach erneuten Rückzug aus dem Pariser Abkommen werden die USA unter seiner Administration wohl keine Vertreter zur Konferenz schicken.
Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage, wie die globale Erwärmung noch eingegrenzt werden kann. Kritisiert wird, dass viele Staaten ihre Verpflichtungen nicht eingehalten haben und lediglich ein Drittel der Länder bis zur Konferenz neue Klimaschutzpläne vorgelegt hat. Auch die Unterstützung der ärmeren Länder braucht Verlässlichkeit, damit diese die Folgen des Klimawandels bewältigen können. Brasilien hofft zudem auf die Etablierung eines milliardenschweren Fonds zum Schutz der Regenwälder.
Deutschland und die EU haben ihren Ruf als Vorreiter beim Klimaschutz verloren. Bis zuletzt waren interne Widerstände zu überbrücken, um das Klimaziel bis 2035 zu erreichen. Die jüngste Entscheidung, durch Klimazertifikate die Emissionsminderungen zu erreichen, wird von Experten als Rückschritt gesehen, der das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 gefährden könnte.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat angekündigt, bei der Konferenz die Bedeutung des Klimaschutzes für die Bundesregierung zu unterstreichen und sich zu den europäischen Klimaschutzzielen zu bekennen. Trotz früherer skeptischer Aussagen plant er, den begonnenen Weg der Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. Die EU-Entscheidung, die Emissionen bis 2040 um mindestens 90 Prozent zu senken, begleitet seine Reise.
Ein Erfolg in Brasilien läge in der Verabschiedung eines Maßnahmenpakets zur Stabilisierung der globalen Erwärmung unter dem 1,5-Grad-Ziel. Auch die finanzielle Unterstützung für ärmere Länder ist entscheidend, gerade weil die Abstimmungen in Aserbaidschan im vergangenen Jahr in dieser Frage nicht zufriedenstellend verliefen.
Gleichwohl sind sich Experten einig, dass ohne das Pariser Abkommen die Welt in eine noch schlimmere Klimazukunft blickte. Niklas Höhne, Klimaforscher, betont die positive Entwicklung des Ausbaus erneuerbarer Energien als einen unumkehrbaren Prozess. Die Konferenz in Brasilien könnte ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg sein.

