Die Lage im Überblick

Kiew will von Nato stärkeren Druck auf Moskau

04. April 2025, 08:26 Uhr · Quelle: dpa
Die Außenminister der Nato-Staaten schließen ihr Treffen in Brüssel ab. Dabei soll es auch um die Ukraine gehen. Die fordert mehr Druck auf Russland - und rechnet bald mit heftigeren Angriffen.

Brüssel (dpa) - Vor dem Abschluss des zweitägigen Treffens der Nato-Außenminister fordert die Ukraine von dem Verteidigungsbündnis stärkeren Druck auf Russland zur Umsetzung einer Friedenslösung. «Russland muss es mit dem Frieden ernst meinen. Dafür ist es an der Zeit, den Druck auf Moskau zu erhöhen», sagte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha vor den Beratungen seiner Nato-Kollegen bei einem Auftritt mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Brüssel. Zum Abschluss des zweitägigen Treffens soll es auch um mögliche weitere Unterstützung für die Ukraine gehen. 

Angesichts der Diskussion über die von US-Präsident Donald Trump verkündeten neuen Handelszölle warnte Sybiha, man dürfe «nicht vergessen, dass in Europa ein echter Krieg tobt. Russland bleibt eine existenzielle Bedrohung für Europa.»

Russischer Drohnenangriff auf Charkiw 

In der Nacht wurde über weiten Teilen der Ukraine erneut Luftalarm ausgelöst. Die Großstadt Charkiw im Osten wurde von mehreren russischen Kampfdrohnen angegriffen. Dabei seien mindestens vier Menschen getötet worden, teilte Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram mit. Weitere 35 Personen seien verletzt worden. 

Auch im Gebiet Dnipropetrowsk gab es heftige Angriffe mit Drohnen des iranischen Typs Shahed, wie der Verwaltungschef Serhij Lysak auf Telegram mitteilte. Besonders betroffen waren demnach die Städte Dnipro und Kamianske. In Dnipro seien drei Menschen verletzt worden. Es habe Brände gegeben, Verwaltungsgebäude seien beschädigt worden.

Im Gebiet Saporischschja wurde nach Angaben der Militärverwaltung ein 63 Jahre alter Mann und eine 70-jährige Frau bei einem Drohnenangriff verletzt und zivile Infrastruktur zerstört. Auch über der Hauptstadt Kiew war die Flugabwehr im Einsatz. Laut der regionalen Militärverwaltung wurden zwei Männer verletzt.

Nach russischen Angaben wurden über elf russischen Regionen 107 ukrainische Drohnen abgefangen.

Kiew erwartet heftigere Angriffe im Frühjahr

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als drei Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Sie rechnet nach Angaben des Präsidentenbüros damit, dass Russland seine eingesetzten Truppen in diesem Jahr um 150.000 Mann aufstocken wird. «Die Russen haben jetzt keine Probleme, Personal zu rekrutieren», sagte Pawlo Palissa, Vizechef der Kanzlei von Präsident Wolodymyr Selenskyj, in Kiew. 

Zwar könnten diese frischen Kräfte nicht alle gleich zum Einsatz kommen, sagte der Oberst dem Rundfunksender Suspilne. Der Druck der Russen an der Front werde aber rasch zunehmen. 

Nato-Außenminister beraten über Aufrüstungsbemühungen

Die Außenminister der Nato-Staaten kommen heute zu einem Austausch mit EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas zusammen. Dabei soll es auch um den Beitrag der Europäischen Union zu den aktuellen Aufrüstungsbemühungen gehen. 

Geplant sind unter anderem EU-Kredite in Höhe von 150 Milliarden Euro. Eine Sonderregel soll es erlauben, Verteidigungsausgaben von den strengen EU-Schuldenregeln auszunehmen. So sollen allein in den kommenden vier Jahren 800 Milliarden Euro mobilisiert werden.

Die Hoffnung dabei ist auch, US-Außenminister Marco Rubio von der Glaubwürdigkeit der europäischen Aufrüstungsbemühungen zu überzeugen. US-Präsident Donald Trump hatte den Europäern zuletzt immer wieder vorgeworfen, sich zu sehr auf den Schutz der USA zu verlassen und selbst deutlich zu wenig für ihre Verteidigung zu tun. 

Denkfabrik: Russland steigert Rüstungsproduktion erfolgreicher 

Der britischen Denkfabrik Royal United Services Institute (Rusi) zufolge hat Russland seine Rüstungsproduktion im Zuge des Ukraine-Kriegs deutlich erfolgreicher hochgefahren als Europa. Das sei nicht nur für die Ukraine ein großes Problem. «Russlands anhaltender Vorsprung in der Rüstungsproduktion stellt eine strategische Bedrohung für die Nato und die Glaubwürdigkeit ihrer konventionellen Abschreckung dar», hieß es in dem Bericht.

Als Gründe für die Rückstände nennen die Autoren einen Mangel an Abstimmung, zu wenig Fokus auf Massenproduktion statt auf hoch entwickelte Waffensysteme, bürokratische Hürden sowie keinen ausreichenden Zugang zu Testinfrastruktur.

Nato schätzt russische Verluste hoch ein

Die russischen Verluste im Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach Einschätzung der Nato zuletzt erheblich angestiegen. Ein ranghoher Nato-Beamter sprach von bis zu 250.000 Toten. Insgesamt bezifferte er die Zahl der getöteten oder verletzten russischen Soldaten auf etwa 900.000. Allein für Februar wird von mehr als 35.100 russischen Verlusten ausgegangen. Mit Verlusten sind sowohl getötete wie verletzte Soldaten gemeint. 

Die stark gestiegen Zahlen seien zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass es zuletzt eine Ausweitung der Kampfzonen gegeben habe, sagte der Nato-Beamte. Zudem seien die Kämpfe intensiver gewesen.

Kursk-Operation laut Selenskyj Erfolg

Selenskyj wertet den Vorstoß auf russisches Gebiet trotz des weitgehenden Rückzugs ukrainischer Truppen aus der russischen Region Kursk als große Leistung. «Es ist absolut fair, den Krieg dorthin zu verlagern, wo er herkommt», sagte der Präsident in einer Videobotschaft. 

Er zeichnete das Video nach eigenen Angaben in der ukrainischen Grenzregion Sumy auf, von der aus die Ukrainer im August 2024 auf russisches Gebiet vorgedrungen waren. Mit den Kommandeuren der noch in Kursk kämpfenden Einheiten habe er besprochen, welche Ausrüstung und Unterstützung sie benötigten. «Wir arbeiten daran, unsere Stellungen zu schützen.»

Im vergangenen Sommer hatten die ukrainischen Truppen rasch etwa 1.300 Quadratkilometer russischen Territoriums unter Kontrolle gebracht. Davon sind Karten ukrainischer Militärbeobachter zufolge nur noch kleine Reste direkt an der Grenze geblieben. Im März eroberte Russland die Kreisstadt Sudscha zurück.

Konflikte / Krieg / Nato / Ukraine / Russland
04.04.2025 · 08:26 Uhr
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