Schauspieler

«Kein sentimentaler Kerl» - Gene Hackman ist tot

27. Februar 2025, 10:42 Uhr · Quelle: dpa
Mit zwei Oscars setzte sich Gene Hackman mit knapp 75 aus Hollywood ab. Doch Filme wie «French Connection» und «Erbarmungslos» machen den Star unvergesslich. Nun ist er mit 95 Jahren gestorben.

Los Angeles (dpa) - Hollywoods Schönheitsideal sah anders aus. Doch am Ende wurden Gene Hackmans knollige Nase, das breite Kinn und die frühe Stirnglatze zum Attribut. Der Star aus Filmen wie «French Connection - Brennpunkt Brooklyn», «Erbarmungslos» und «Die Royal Tenenbaums» war ein gefragter Charakter-Darsteller. Jetzt trauert die Filmwelt um den zweifachen Oscar-Preisträger, der am Mittwoch im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Seine Leiche wurde zusammen mit der seiner Frau Betsy Arakawa an ihrem Wohnsitz gefunden, wie mehrere US-Medien unter Berufung auf das Büro des Sheriffs des Bezirks Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico berichteten.

Eine Sprecherin des Sheriffs sagte ABC News und CNN, das Paar sei bei einer Sozialkontrolle gefunden worden, nachdem sich ein Nachbar gemeldet hatte, der besorgt um das Wohlergehen der beiden war. Auch der Hund des Paares wurde demnach tot aufgefunden. 

Früh in den Ruhestand

Aus Hollywood hatte sich Hackman schon vor Jahrzehnten zurückgezogen. Mit seiner zweiten Frau lebte er fernab von der Traumfabrik, im ländlichen Santa Fe. Mit knapp 75 Jahren, wenn andere Schauspieler noch vor der Kamera stehen, ging er in den Ruhestand - und fand eine neue Rolle: Er schrieb Bücher, etwa den Bürgerkriegsroman «Escape from Andersonville» (2008) und den Polizeithriller «Pursuit» (2013) - und hielt sich bis ins hohe Alter fit.

Kurz vor seinem 88. Geburtstag (im Januar 2018) posierte er in Jeans und Baseballkappe strahlend vor einem Fahrradladen in Santa Fe mit einem neuen E-Bike. Was für ein «cooler Typ», kommentierten Instagram-User das Foto.

Schauspieltraum schon als Kind

Sein letzter großer Auftritt auf einer Hollywood-Bühne ist lange her. Bei der 60. Golden-Globe-Verleihung im Jahr 2003 wurde Gene Hackman mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk gefeiert.

«Ich wollte nie etwas anderes sein als ein Schauspieler», sagte er sichtlich gerührt vor dem Star-Publikum. Schon als kleiner Junge habe er mit einer Tüte Popcorn im Kino gesessen und sich von Johnny Weissmuller, John Wayne, Errol Flynn und seinem Lieblingsschauspieler James Cagney in andere Welten versetzen lassen.

Durchbruch mit «The French Connection»

Nur selten ließ sich Hackman auf Interviews ein, wie etwa 2021, als der Thriller «The French Connection» (dt. Titel «Brennpunkt Brooklyn») sein 50. Jubiläum feierte. Mit diesem Film gelang dem Schauspieler 1971 sein großer Durchbruch. Als knallharter Drogenfahnder in New York - unter der Regie von William Friedkin - kam Hackman damals zu Oscar- und Golden-Globe-Ehren. 

«Dieser Film hat meiner Karriere natürlich geholfen und dafür bin ich dankbar», sagte Hackman 2021 der «New York Post». Doch er habe keine Pläne, den Thriller anlässlich des runden Jubiläums anzuschauen. Er habe den Film nur einmal kurz nach der Fertigstellung in einem winzigen Vorführraum gesehen. 

Schwierige Kindheit

Als Sohn eines Druckers und einer Kellnerin wuchs Hackman in einer Kleinstadt im US-Staat Illinois auf. Der Vater verließ die Familie, als der Junge Teenager war. Mit 16 Jahren meldete er sich zur US-Marine, wenige Jahre später folgte er seiner Filmleidenschaft und nahm am «Pasadena Playhouse» in Kalifornien Schauspielunterricht, wo auch ein junger Dustin Hoffman studierte.

Beide wurden damals in der Klasse als Schüler mit den geringsten Erfolgsaussichten eingestuft. Zusammen zogen sie Ende der 1950er Jahre nach New York, teilten sich dort eine Wohnung mit Robert Duvall, schlugen sich mit Handlangerjobs durch und lernten weiter ihr Schauspiel-Handwerk. 

Erste Oscar-Nominierung

Seine erste größere Rolle spielte Hackman 1964 in dem Streifen «Lilith»
mit Warren Beatty, der ihn drei Jahre später für «Bonnie and Clyde»
engagierte. Als Clydes Gangster-Bruder erhielt Hackman seine erste
Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller. 

Nach seinem Durchbruch als oscarprämierter Hauptdarsteller mit «French Connection» ging es mit der Karriere rasch bergauf. In «Scarecrow» spielt er einen Landstreicher, in «The Conversation» («Der Dialog») einen paranoiden Abhörspezialisten. Mit Kassenknüllern wie der John-Grisham-Verfilmung «Die Firma» und «Crimson Tide» schaffte er es auf Hollywoods A-Liste. 

In dem Travestie-Klassiker «The Birdcage» schlüpfte Hackman in Frauenkleider. Den Goldenen Bären bei den Berliner Filmfestspielen holte er sich 1989 als FBI-Agent in dem Rassismus-Drama «Die Wurzel des Hasses». Mit Dustin Hoffman war er in dem Streifen «Runaway Jury» zu sehen. 

Zwei Oscars und vier Golden Globes

Einen weiteren Doppelerfolg bei den Globes und Oscars feierte er 1993 
als bester Nebendarsteller in dem Western «Erbarmungslos». Unter der Regie von Clint Eastwood spielte er einen sadistischen Sheriff. Seinen dritten Golden Globe holte Hackman als bester Komödiendarsteller in der Familiensatire «Die Royal Tenenbaums» (2001), zwei Jahre später gab es den Ehren-Globe für sein Lebenswerk.

Zuletzt glänzte er 2004 in der Polit-Satire «Willkommen in Mooseport» als arroganter Ex-Präsident, der von Washington in die Provinz zieht. Damals vertraute er US-Talkmaster Larry King an, er wolle aus dem Filmgeschäft aussteigen. Man müsse zu viele Kompromisse machen, klagte der Star. Er hielt sein Wort und trat seither nicht mehr vor die Kamera. 

Kein «sentimentaler Kerl»

Wo er seine Oscar-Trophäen aufbewahre, wurde Hackman 2011 in einem seiner seltenen Interviews von der Zeitschrift «GQ» gefragt. «Ich bin mir nicht sicher», antwortete der Schauspieler. Er habe kaum Filmandenken in seinem Haus. «Ich bin kein sentimentaler Kerl».

Natürlich habe er in seiner Karriere Höhen und Tiefen erlebt, räumte Hackman in dem Gespräch ein. «Aber im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden, dass es die richtige Entscheidung war, Schauspieler zu werden. Glücklicherweise habe ich ein paar Sachen gefunden, die ich als Schauspieler gut machen konnte», resümierte der Star. Er wolle der Nachwelt gerne als «ordentlicher Schauspieler» in Erinnerung bleiben. «Als jemand, der versucht hat, die Dinge auf ehrliche Weise zu verkörpern».

Film / Leute / USA / Porträt
27.02.2025 · 10:42 Uhr
[1 Kommentar]
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