Kaffeepreiskonflikt: Tchibo unterliegt vor Gericht erneut gegen Aldi Süd
Der jüngste Gerichtsentscheid im andauernden Disput zwischen dem Kaffeeröster Tchibo und dem Discounter-Giganten Aldi Süd hat wider Erwarten nicht zugunsten von Tchibo geendet. Der 6. Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf hat Tchibos Berufung zurückgewiesen, wie die Gerichtssprecherin mitteilte. Doch das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen, denn das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und Tchibo könnte beim Bundesgerichtshof eine Revision anstreben.
Tchibo wirft Aldi Süd vor, ihren Eigenmarken-Kaffee Barissimo unterhalb der Herstellungskosten anzubieten, was laut Tchibo unerlaubt ist und den Markt verzerrt. Enttäuschung schwingt mit, als Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke in seiner Reaktion kritisiert, dass das Gericht die Chance versäumt habe, auf diese Weise die strukturelle Schieflage im deutschen Lebensmittelhandel zu korrigieren. Die detaillierte Urteilsbegründung steht jedoch noch aus, und so bleibt der nächste Schritt von Tchibo abzuwarten.
Nach dem ersten Rückschlag im Januar 2025 hatte Tchibo auf Berufung gesetzt, doch auch diesmal bewerteten die Düsseldorfer Richter das Unterfangen Aldi Süd als rechtskonform. Branchenkenner wie Jens-Uwe Franck sehen in diesem Fall ein Zugeständnis an die Supermärkte, die mitunter Eigenmarken durch aggressive Preispolitik fördern und so gestärkte Verhandlungspositionen gegenüber den Markenherstellern erzielen. Offen bleibt indes die juristisch differenzierte Auslegung, dass das Kartellrecht Verkäufe unter Herstellungskosten, anders als unter Einstandspreis, nicht generell verbietet.
Währenddessen steigen die Rohkaffeepreise weltweit, gepaart mit einer entsprechend höheren Belastung für Verbraucher. Im Dezember erreichte der Preis für ein Pfund Rohkaffee bis zu 3 US-Dollar – ein signifikanter Anstieg im Vergleich zu vor zwei Jahren. Dies führt auch bei Röstern wie Tchibo zu Preissteigerungen, die sich in unterschiedlichen Zeitabständen fortsetzen. Verbraucher in Deutschland, deren durchschnittlicher Kaffeekonsum bei 163 Litern pro Kopf liegt, sind somit mit spürbaren Preissteigerungen konfrontiert.

