Japans Energie-Dilemma: Zwischen russischem Gas und erneuerbaren Energien
Japan steht an einem Scheideweg: Langfristige Verträge zur Sicherung von Flüssigerdgas (LNG) aus dem russischen Sachalin-2-Projekt laufen demnächst aus, während rivalisierende Produzenten bereitstehen, die entstehende Versorgungslücke zu füllen. Inmitten der geopolitischen Spannungen und dem Streben Tokios, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, könnte sich die Bindung an den bewährten russischen Lieferanten verändern.
Fast 9% des japanischen LNG-Bedarfs werden derzeit durch das Sachalin-2-Projekt gedeckt, ein bedeutendes Vorhaben mit Beteiligung von japanischen Handelsgiganten wie Mitsui und Mitsubishi. Die Nähe Russlands und die etablierte Zuverlässigkeit dieser Quelle waren bisher unschätzbare Vorteile. Doch die steigende internationale Isolation Russlands und die zunehmenden Anforderungen an sauberere Energien fordern nun eine Neubewertung der bestehenden Abhängigkeiten.
Westliche Länder, darunter die USA und Kanada, drängen darauf, Russland zu isolieren, während Kanada aktiv versucht, sich als neuer LNG-Lieferant zu etablieren. Auch die USA signalisieren durch Besuche wie die von Senator Dan Sullivan aus Alaska eine verstärkte Zusammenarbeit. In dieser angespannten Lage zeigt sich Japan flexibel: Sowohl Malaysia als auch Oman haben ihre LNG-Lieferungen als Alternative positioniert.
Doch die Unsicherheit über die russischen LNG-Verträge wächst, da Sachalin-2 seine natürlichen Gasvorkommen annähernd erschöpft hat. Langfristige Stabilität in der Produktion ist ungewiss, und neue Projekte werden durch Sanktionen erschwert. Für japanische Abnehmer, darunter große Energiekonzerne, bleibt entscheidend, die Versorgungssicherheit mit möglichst geringen Kosten zu gewährleisten. Während einige Unternehmen zögern, bestehende Verträge zu erneuern, könnte ein völliger Verzicht auf russisches Gas zu erhöhten Preisen führen, was wiederum die Verbraucher belastet.
Japan bewegt sich auf einem schmalen Grat. Einerseits verfolgt es ehrgeizige Klimaziele, die eine deutliche Reduzierung des Gasanteils an der Stromerzeugung bis 2030 vorsehen. Andererseits ist die Sorge um die Kosten für die Verbraucher allgegenwärtig. Die Zukunft der LNG-Verträge mit Russland hängt somit von zahlreichen, teils widersprüchlichen Faktoren ab.

