Italienische Unicredit wirbt um Commerzbank: Ein neuer Riese am Horizont?
Die italienische Großbank Unicredit setzt ihre strategischen Ambitionen auf dem deutschen Bankenmarkt fort und wirbt für eine Übernahme der Commerzbank. Unicredit-Chef Andrea Orcel betonte, dass ein Zusammenschluss erhebliche Vorteile für alle Beteiligten bringen könnte, insbesondere für Privatkunden und den deutschen Mittelstand.
Commerzbank bestätigte den Kontakt zur Unicredit, gab jedoch keine weiteren Details preis. Der Bund, der weiterhin einen 12-prozentigen Anteil an der Commerzbank hält, sondiert nun die Lage und steht unter Druck, da Kritik an seinem Vorgehen laut wurde.
Orcel sieht in der Zusammenführung beider Banken erhebliche Synergiepotenziale, besonders in den Zentralfunktionen. Er verwies darauf, dass die Eigenkapitalrendite der Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) doppelt so hoch sei wie die der Commerzbank. Die Italiener erhöhen somit den Druck auf die Commerzbank, profitabler zu werden und strukturelle Veränderungen vorzunehmen.
Die Deutsche Bank beobachtet die Entwicklungen ebenfalls genau. Insidern zufolge analysiert das Management um Vorstandschef Christian Sewing verschiedene Optionen, um eine Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit zu erschweren. Eine Möglichkeit, die diskutiert wurde, ist der Zukauf der verbleibenden Bundesanteile.
Nach der Verkündung des Unicredit-Einstiegs konnte die Commerzbank-Aktie zwischenzeitlich um ein Viertel zulegen, fiel jedoch wieder leicht. Die Unicredit-Aktie stieg in Mailand um 0,65 Prozent, während die Aktie der Deutschen Bank leicht verlor.
Ein Zusammenschluss von Unicredit und Commerzbank würde einen europäischen Bankenriesen mit einem kombinierten Marktwert von etwa 79 Milliarden Euro hervorbringen. Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich besorgt und warnt vor einem möglichen Arbeitsplatzabbau, sollte die Übernahme Realität werden. Sie fordert den Bund auf, keine weiteren Commerzbank-Anteile zu veräußern.
Commerzbank-Chef Manfred Knof betonte, dass die Bank weiterhin ihren eigenen Plan verfolge. Kontakt zur Unicredit habe stattgefunden, man werde jedoch alle Optionen im Sinne der Investoren, Kunden und Mitarbeiter prüfen.
Auch im Bundesfinanzministerium wird die Situation analysiert. Eine Sprecherin von Finanzminister Christian Lindner erklärte, dass es üblich sei, potenzielle Investoren vor solchen Transaktionen zu kontaktieren, um das Marktumfeld besser einschätzen zu können.

