Italienische Medienmacht auf Expansionskurs: MFE vor Mehrheit bei ProSiebenSat.1?
Derweil die Uhr für den internationalen Poker um die deutsche Sendergruppe ProSiebenSat.1 abläuft, rückt der italienische Mediengigant Media for Europe (MFE) in greifbare Nähe, die Kontrolle zu übernehmen. Spekulationen überwiegen im Markt, da das Übernahmeangebot von MFE an Mitternacht endete und es in den kommenden Tagen entscheidende Neuigkeiten darüber geben könnte, ob die Italiener die bedeutende Schwelle einer absoluten Mehrheit von über 50 Prozent der Anteile überschritten haben.
Zurzeit hält MFE eine beachtliche Beteiligung von 40,38 Prozent. Kartellrechtliche Hindernisse scheinen für den Berlusconi-Medienkonzern kein Stolperstein zu sein, denn sowohl die europäischen als auch deutschen Wettbewerbsbehörden haben 2023 beziehungsweise 2024 grünes Licht gegeben.
So zieht MFE selbstbewusst in die nächste Runde des Übernahmespiels und konnte durch ein großzügig aufgestocktes Angebot auch Bedenken aus der Führungsebene von ProSiebenSat.1 zerstreuen, die den Aktionären daraufhin zu einem wohlwollenden Blick auf den italienischen Charmeur rieten. Doch immerhin ein weiterer Mitstreiter, der tschechische Finanzinvestor PPF, hat ebenfalls Interesse an ProSiebenSat.1 bekundet.
Angesichts der kontroversen Reaktionen, die sein Schritt im Unterschied zu MFE hervorgerufen hat, bleibt sein Angebot jedoch unverändert. Historisch geprägt vom Einfluss des berühmten Patriarchen Silvio Berlusconi, wird der Medienkosmos des Berlusconi-Clans, geführt von seinen Nachkommen, immer noch mit der politischen Bühne Italiens assoziiert und der von ihm gegründeten Forza Italia, auch wenn die Nachkommen selbst bisher keine politischen Ambitionen gezeigt haben.
ProSiebenSat.1 gilt als eine der tragenden Säulen im deutschen TV-Land neben den RTL-Sendern, und sein Angebot umfasst bedeutende Produktionen wie "Germany's Next Topmodel", "The Voice of Germany" und "Joko & Klaas gegen ProSieben". Die Akquisition könnte die Dynamik auf dem europäischen Medienmarkt grundlegend verändern und neue Synergien schaffen.

