Irritation im ZF-Aufsichtsrat: Warum über einen bereits verlängerten Vertrag erneut abgestimmt wurde
Zweifel an der Rechtssicherheit der November-Entscheidung
Nach Informationen aus dem Umfeld des Gremiums soll Aufsichtsratschef Rolf Breidenbach nach der Sitzung im November nicht mehr sicher gewesen sein, ob die Vertragsverlängerung formal korrekt zustande gekommen war. Kurz vor Weihnachten ließ er die Abstimmung deshalb erneut auf die Tagesordnung setzen.
Hintergrund der Unsicherheit: Mehrere Aufsichtsräte sollen im November eine geheime Wahl über die Verlängerung des Vertrags beantragt haben. Dieser Antrag sei jedoch abgelehnt worden. Stattdessen habe das Gremium offen abgestimmt – mit einer knappen Mehrheit, die erst durch die Doppelstimme des Vorsitzenden zustande kam. Ob dieses Vorgehen in dieser Form zulässig war, habe Breidenbach nachträglich prüfen lassen und vorsorglich eine Wiederholung der Abstimmung veranlasst.
Eine Stellungnahme des Aufsichtsratsvorsitzenden zu dem Vorgang liegt bislang nicht vor.
Widerstand aus dem Lager der Arbeitnehmervertreter
Die Personalie Corzilius ist bei ZF seit Längerem umstritten. Vor allem Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sollen sich bereits vor der November-Sitzung gegen eine Vertragsverlängerung ausgesprochen haben. In der Belegschaft gilt die Vorständin als kühl und zahlengetrieben – ein Eindruck, der sich in einer Phase massiver Einschnitte verstärkt hat.
Im Sommer 2025 hatte Corzilius auf einer Betriebsversammlung betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Beobachter führen ihre sachlich-nüchterne Kommunikation auch auf ihren beruflichen Hintergrund in der Strategieberatung zurück. In kleineren Runden, heißt es, trete sie deutlich zugänglicher auf, in großen Belegschaftsforen jedoch distanziert.
Personalabbau verschärft die Spannungen
ZF befindet sich mitten in einer tiefgreifenden Restrukturierung. Bis zu 14.000 Stellen sollen in Deutschland wegfallen, besonders stark betroffen ist die Antriebssparte Division E mit einem geplanten Abbau von rund 7600 Arbeitsplätzen. In dieser Situation wächst die Sensibilität in der Belegschaft – und die Kritik an der Personalchefin.
Zuletzt kursierten sogar Karikaturen, die Corzilius verunglimpften. Zusätzlich sorgten Berichte über eine angebliche zweistellige Gehaltserhöhung für Unmut, die der Konzern erst Wochen später dementierte. Im Umfeld der Vorständin ist inzwischen von einer gezielten Kampagne gegen ihre Person die Rede.
Corzilius verteidigt ihren Kurs
In Interviews betont Corzilius, sie handle nicht gegen, sondern im Interesse der Beschäftigten. Respekt sei ihr wichtiger als Applaus. Der Stellenabbau sei unausweichlich, um den Konzern an die veränderten Marktbedingungen anzupassen, solle aber so sozialverträglich wie möglich erfolgen. Freiwillige Abfindungsprogramme seien entsprechend ausgestattet.
Zugleich räumt sie ein, dass die aktuelle Phase von persönlichen Angriffen geprägt sei – etwas, an das sie sich nicht gewöhnen wolle. Konflikte müssten sachlich und im Interesse des Unternehmens ausgetragen werden.
Neue Konflikte zeichnen sich ab
Der ungewöhnliche Vorgang im Aufsichtsrat könnte nur ein Vorgeschmack auf weitere Auseinandersetzungen sein. Denn bei ZF stehen womöglich noch tiefere Einschnitte bevor: Produktionsverlagerungen ins Ausland, eine mögliche Auslagerung der E-Motor-Fertigung und damit massive Auswirkungen auf Standorte wie Schweinfurt.
Spätestens dann wird Corzilius erneut im Zentrum schwieriger Verhandlungen stehen – und die Frage, wie stark ihr Rückhalt im Aufsichtsrat und in der Belegschaft tatsächlich ist, dürfte erneut auf die Probe gestellt werden.


