Iran: Internetsperre gefährdet Wirtschaft und heizt Machtkämpfe an
Die anhaltenden Kommunikationsstörungen im Iran zeichnen ein düsteres Bild von den Folgen staatlicher Kontrolle des Internets. Trotz eingeschränktem Zugang zeigen aktuelle Daten des IT-Unternehmens Cloudflare, dass das Internetaufkommen nur bei etwa 30 Prozent des üblichen Niveaus liegt. Während einigen Bürgern in Großstädten der Zugriff auf das World Wide Web via VPN-Dienste wieder möglich ist, bleibt der Großteil des Landes im digitalen Schatten. Die Situation verdeckt weiterhin das Ausmaß staatlicher Repressionen gegen die Zivilbevölkerung, wie die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtet.
Diese strengen Maßnahmen wurden als Reaktion auf massive Proteste gegen die Regierung am Abend des 8. Januar eingeführt. Die staatlichen Gegenmaßnahmen führten zu einer brutalen Niederschlagung der Aufstände, bei der laut dem "Time-Magazin" bis zu 30.000 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Diese Zahlen basieren auf Berichten von hochrangigen Beamten des iranischen Gesundheitsministeriums und werfen ein grelles Licht auf die aktuelle Lage im Land.
Innerhalb des iranischen Machtapparats bleibt die Internetsperre ein heiß diskutiertes Thema. Eine Analyse des Critical Threats Project (CTP) offenbart, dass einige Fraktionen eine Rückkehr des Internets fürchten, da sie neue Protestwellen erwarten. Gleichzeitig könnte die anhaltende Sperre selbst durch ihre wirtschaftlichen Auswirkungen Auslöser für weitere Unruhen sein. Gholamhossein Schafei, Präsident der iranischen Industrie- und Handelskammer, äußerte kürzlich große Besorgnis über die ökonomischen Konsequenzen: Mehr als 400.000 Unternehmen könnten in existenzielle Schwierigkeiten geraten, und das Fortbestehen der Sperre gefährde die Arbeitsplätze von etwa neun Millionen Menschen.

