Insolventer Weltmarktführer Mayer & Cie. geht an chinesischen Wettbewerber
Rettung in letzter Minute
Eigentlich war das Ende besiegelt. Kündigungen waren ausgesprochen, ein Industrieverwerter sollte den Maschinenpark bewerten und veräußern, die Produktion sollte Ende Februar nach 120 Jahren eingestellt werden.
Dann kam auf den letzten Metern ein Käufer: Huixing Machine Co., ein chinesischer Wettbewerber aus der Textil- und Maschinenbauindustrie. Am Montagnachmittag wurden die Kaufverträge für „ausgewählte Vermögensgegenstände“ unterzeichnet. Dazu zählen die Werksimmobilie in Albstadt sowie Tochtergesellschaften in China und Tschechien.
Die Transaktion steht allerdings noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen – sowohl in Deutschland als auch in China. Insbesondere ist eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Bundeswirtschaftsministeriums erforderlich. Mit einer Entscheidung wird innerhalb von sechs bis acht Wochen gerechnet.
Strategischer Einstieg aus China
Huixing mit Sitz in Shishi City beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1000 Mitarbeiter und produziert Strickmaschinen inklusive zugehöriger Softwarelösungen. Der Konzern zählt zu den führenden Unternehmen seiner Branche in China.
Nach bisherigen Aussagen strebt der Käufer eine Wiederaufnahme der Produktion von Rundstrickmaschinen am Standort Albstadt an. Konkrete Aussagen zur Zahl der künftig verbleibenden Arbeitsplätze gibt es jedoch noch nicht. Die Details sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden.
Für Huixing eröffnet sich mit der Übernahme die Möglichkeit, technologische Expertise und Markenreputation „Made in Germany“ mit eigener Kostenstruktur und globalem Netzwerk zu kombinieren.
Markt- und Standortdruck als Insolvenztreiber
Die wirtschaftliche Schieflage von Mayer & Cie. ist Ausdruck struktureller Veränderungen im globalen Textilmaschinenbau.
Mehrere Faktoren kamen zusammen:
- Investitionszurückhaltung infolge geopolitischer Unsicherheiten und US-Zollpolitik
- Inflation und Absatzprobleme wichtiger Kundenmärkte, insbesondere in der Türkei
- massiver Preiswettbewerb durch chinesische Anbieter
- strukturelle Standortnachteile in Deutschland wie hohe Energie- und Arbeitskosten
Besonders gravierend wirkte der Preisdruck aus China. Während Mayer & Cie. lange mit Qualität und Ingenieurskunst punktete, gewann im Umfeld von Fast-Fashion und Kostenoptimierung zunehmend der Preis die Oberhand.
Die Kombination aus schwacher Auftragslage und anhaltendem Margendruck ließ das Traditionsunternehmen letztlich in die Insolvenz rutschen.
Industrielle Konsolidierung mit geopolitischer Note
Die Übernahme markiert mehr als nur einen Eigentümerwechsel. Sie steht exemplarisch für eine Verschiebung industrieller Machtverhältnisse: Ein einstiger deutscher Weltmarktführer wird vom Wettbewerber aus China übernommen – jenem Markt, der zuvor maßgeblich zum Preisdruck beigetragen hatte.
Für den Standort Albstadt ist der Einstieg dennoch eine Chance. Ohne Investor wäre die Liquidation nahezu sicher gewesen. Mit Huixing besteht zumindest die Aussicht auf einen Neustart.
Ob dieser Neustart langfristig industrielle Substanz in Deutschland sichert oder primär Technologie und Marktanteile in asiatische Strukturen integriert, wird sich erst zeigen.
Fest steht: Mayer & Cie. bekommt eine zweite Chance – unter chinesischer Führung.


