Initiative für Tierwohl gewinnt weiter an Fahrt: Supermarkt-Fleisch setzt auf höhere Standards
Verbraucherinnen und Verbraucher stehen im Supermarkt zunehmend vor der Entscheidung, wie viel Tierwohl sie unterstützen möchten. Auf den Etiketten im Kühlregal gibt die Kennzeichnung der Haltungssysteme inzwischen eine klare Orientierung, und das System zeigt deutliche Wirkung: Die Bereitschaft, für bessere Bedingungen in der Tierhaltung zu zahlen, wächst.
Interessant ist die Entwicklung besonders beim Schweinefleisch. Daten für 2023 zeigen, dass der Anteil der Produkte aus der Haltungsform Stufe 1 auf nahezu vernachlässigbare 1,5 Prozent gesunken ist. Diese Tendenz gilt ebenso für Geflügel: Hier findet man gar kein Fleisch der niedrigsten Stufe mehr im Regal. Die jüngsten Zahlen der Trägergesellschaft des Handelssystems, vorgestellt auf der Grünen Woche in Berlin, bekräftigen diesen Trend.
Obwohl der Anteil an Rindfleisch in der untersten Haltungsform mit über 75 Prozent weiterhin hoch ist, gibt es auch hier moderate Fortschritte. Der Marktanteil der höheren Haltungsstufen nimmt stetig zu, ein Zeichen dafür, dass Konsumenten zunehmend bewusstere Kaufentscheidungen treffen.
Eine maßgebliche Rolle spielt dabei die «Initiative Tierwohl», die seit zehn Jahren erfolgreich beteiligte Betriebe unterstützt. Die Initiative sorgt über Preisaufschläge für den Anreiz, die Haltungsbedingungen zu verbessern. Sie deckt bereits einen bedeutenden Teil des Marktes für Schweine, Geflügel und zu einem geringeren Teil für Rinder ab.
Zusätzlich steht im Sommer die Einführung eines verpflichtenden staatlichen Logos bevor, das zunächst für inländisches Schweinefleisch die neue Kennzeichnungsnorm darstellt. Dieses fünfstufige System soll den Verbraucherinnen und Verbrauchern noch klarere Informationen bieten. Ungewiss ist hingegen, ob diese Kennzeichnung auf andere Tierarten sowie die Gastronomie ausgedehnt wird – ein Vorhaben, das im Wechsel der Bundesregierung vorerst stockt.
Der derzeitige Bundesagrarminister Cem Özdemir appellierte an künftige Regierungen, diesen Weg für mehr Transparenz und Unterstützung der Landwirte weiter zu beschreiten. Dies wäre nach seinen Worten nicht nur eine Stärkung der Verbrauchermacht, sondern könnte mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe auch zu einem echten Wandel im Tierwohl führen.

