Inflationsrisiko als Herausforderung für US-Aktienmarkt
Der US-Aktienmarkt steht in dieser Woche vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Obwohl Anleger bisher negative Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt weitgehend ignoriert haben, rückt nun die Veröffentlichung neuer Inflationsdaten in den Fokus. Dubravko Lakos-Bujas, globaler Leiter der Marktstrategie bei JPMorgan, warnt davor, dass höher als erwartete Inflationswerte den S&P 500 unter Druck setzen könnten. Im pessimistischen Szenario der Bank könnte der Index um bis zu 8% fallen und in den Bereich von 6.000 bis 6.200 Punkten abrutschen.
Trotz anhaltender Höchststände an den Aktienmärkten und schwachen Beschäftigungswachstums bleibt die Erwartung eines „Goldlöckchen-Szenarios“ bestehen, bei dem die Wirtschaftsdaten so ausbalanciert sind, dass Zinssenkungen der Fed möglich wären, ohne in eine Rezession zu rutschen. Dieses Szenario und der historische Anstieg des S&P 500 seit den Ankündigungen von Zöllen durch Donald Trump rufen laut Lakos-Bujas zur Vorsicht auf.
Der nächste Belastungstest könnte mit der Bekanntgabe des Verbraucherpreisindex (CPI) für August unmittelbar bevorstehen. Die Erwartungen der Ökonomen liegen bei einem monatlichen Anstieg von 0,3% und einem jährlichen Anstieg von 2,9%, was leicht unter dem Anstieg von 3,1% im Juli liegt.
Sollten die Inflationszahlen jedoch höher ausfallen, könnte das vorhandene Marktgleichgewicht gefährdet sein. Der Index der Erzeugerpreise, der die Inflation im Großhandel misst, fiel im August um 0,1%, aber JPMorgan rechnet insgesamt mit einem Anstieg der Inflation in den kommenden Monaten. Ein steigendes Inflationsumfeld könnte sich negativ auf Aktien auswirken, da der S&P 500 historisch gesehen in Zeiten sinkender Inflation besser performte.
Dennoch bleibt JPMorgan optimistisch und sieht Potenzial für den S&P 500, bis Anfang nächsten Jahres die Marke von 7.000 Punkten zu erreichen. Kurzfristig sieht JPMorgan Potenzial bei Aktien mit niedriger Volatilität und hochwertigen Wachstumswerten. Zudem liegt der Fokus auf Mega-Cap-Tech-, Pharma- und Verteidigungsaktien, während Bereiche, die stärker auf Zinsveränderungen reagieren, weniger attraktiv erscheinen.

