Inflation und Zinsspekulation: Australien am Scheideweg
In Australien stieg die Verbraucherpreisinflation im November durch steigende Stromkosten leicht an, was dennoch Raum für mögliche Zinssenkungen bereits im nächsten Monat lässt. Trotz des Anstiegs verringerte sich die Kerninflation, was das Argument für eine Zinssenkung stärkt.
Der australische Dollar gab um 0,34% auf 0,6214 US-Dollar nach und die dreijährigen Anleihefutures drehten ihre anfänglichen Verluste, um 4 Basispunkte auf 96,11 zu steigen. Der Swaps-Markt bewertet nun die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Februar mit 64%, verglichen mit 50% zuvor.
Laut dem australischen Statistikamt stieg der Verbraucherpreisindex im November mit einer Jahresrate von 2,3% an, leicht über den Markterwartungen von 2,2%. Die Strompreise kletterten um 22%, was größtenteils auf das Timing staatlicher Zuschüsse zurückzuführen ist. Diese Maßnahmen senkten die Preise im Vergleich zum Vorjahr dennoch um 21,5%.
Der "Trimmed Mean", ein wichtiges Maß für die Kerninflation, fiel von 3,5% auf 3,2% und näherte sich damit dem Zielkorridor der Reserve Bank of Australia von 2 bis 3%. Abhijit Surya von Capital Economics betont, dass das Nachlassen der Kerninflation auf eine Entspannung der Preisdrucks hindeutet. Sollte sich dieser Trend im quartalsweisen CPI-Bericht bestätigen, könne die RBA optimistischer bzgl. der Erfüllung ihres Inflationsziels sein. Dies könnte die Zentralbank veranlassen, ihren Zinssenkungszyklus früher als im Mai zu starten.
Die Arbeitsmärkte erweisen sich als überraschend widerstandsfähig, mit einem Anstieg der freien Stellen im Novemberquartal nach neun Rückgängen in Folge. Die Zentralbank, die zuletzt eine überraschend lockere Haltung eingenommen hatte, könnte bei einer weiteren Zinssenkung das Zentrum-links-Labour unter Premierminister Albanese unterstützen, eine vorgezogene Wahl anzustreben. Jim Chalmers, der australische Finanzminister, begrüßte die Fortschritte bei der Verlangsamung der Inflation.

