Inflation in Deutschland: Inflationäre Höhenflüge erfordern Geduld und Strategie
Die Teuerungsrate in Deutschland erreichte im September mit 2,4 Prozent ihren bisherigen Höhepunkt in diesem Jahr, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Auch im Vormonat August war ein Anstieg der Inflationsrate zu verzeichnen, als die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,2 Prozent zulegten.
Steigende Inflationsraten beeinträchtigen die Kaufkraft der Bürger, die für einen Euro weniger Waren und Dienstleistungen erhalten. Besonders Lebensmittel und Dienste wie Reisen und Restaurantbesuche belasten die Haushaltskassen. Laut Jörg Krämer, dem Chefvolkswirt der Commerzbank, sind gestiegene Lohnkosten ein Hauptfaktor für die aktuellen Preissteigerungen im Dienstleistungssektor, und Michael Heise von HQ Trust sieht kurzfristig keine deutliche Entspannung der Inflation.
Im September registrierten die Wiesbadener Statistiker einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Selbst die Kerninflation, bereinigt um die schwankungsanfälligen Kosten für Nahrungsmittel und Energie, kletterte von 2,7 Prozent im August auf 2,8 Prozent im September.
Während die Teuerungswelle der Vorjahre abflachte, bleibt die gefühlte Inflation ein Thema. Verbraucher erleben im Alltag deutlichere Preisanstiege, insbesondere bei Lebensmitteln wie Obst, Butter und Milch, die im September 2,1 Prozent teurer als im Vorjahr waren, während der Anstieg im August noch 2,5 Prozent betrug.
Berichte der Europäischen Zentralbank (EZB) verdeutlichen, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland seit 2019 um 37 Prozent gestiegen sind, mit besonderen Ausreißern bei Rind- und Schweinefleisch sowie Milch- und Butterprodukten. Viele Verbraucher greifen vermehrt zu Discountern und achten auf Sonderangebote, um ihre Ausgaben zu kontrollieren.
Der Dienstleistungssektor verzeichnete deutliche Preissteigerungen von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Preisanstiege gab es insbesondere bei Kfz-Versicherungen und Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. Im Gegensatz dazu wurden die Energiepreise im September um 0,7 Prozent günstiger verglichen mit dem Vorjahr, wobei der Rückgang im August noch bei 2,4 Prozent lag, wie Stephanie Schoenwald von der KfW betont.
Doch trotz der leichten Entspannung bei den Energiepreisen sind die Kosten für Strom und Gas weiterhin signifikant höher als vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, mit Gas um rund drei Viertel und Strom um ein Fünftel teurer.

