Industriefunktionäre mahnen: "Kontrollverlust droht - Kurswechsel nötig"
Die deutsche Schwerindustrie steht vor einer Zerreißprobe. Gestiegene Betriebskosten und eine besonders fordernde CO2-Bepreisung bringen viele Traditionsbetriebe ins Wanken. Die IGBCE fordert daher eine neue Ausrichtung der politischen Leitlinien. Ziel sei es, Wirtschaftlichkeit, soziale Verantwortung und Klimaschutz in Einklang zu bringen. Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft, betonte die Wichtigkeit gemeinsamer Anstrengungen von Bund, Ländern und Sozialpartnern, um den Industriestandort Deutschland zu sichern.
Vassiliadis prangerte insbesondere die verfehlte Klimapolitik und die Folgen des bestehenden CO2-Preissystems an. Die Einführung eines marktbasierten Systems habe zu einer Vielzahl nicht intendierter, radikaler wirtschaftlicher Konsequenzen geführt, darunter Produktionsverlagerungen und der Verlust tausender Arbeitsplätze. Eine schleunige Reform des Zertifikatehandels sei unumgänglich, um den Verlust von Unternehmen und die Abhängigkeit von Ländern mit fragwürdiger Umwelt- und Sozialpolitik zu verhindern.
Besonders scharf kritisierte Vassiliadis die unflexible lineare Verknappung von CO2-Zertifikaten. Er plädierte dafür, das System stufenweise anzupassen, um den Industrieunternehmen notwendige Spielräume zu bieten. Parallel sei der angekündigte Industriestrompreis für besonders energieintensive Branchen dringend erforderlich. Für Chemiekonzerne und andere relevante Sektoren sei dieser ebenso entscheidend wie der CO2-Preis.
Die Anzahl der Schließungen nimmt derweil zu. Ineos entschied sich kürzlich, sein Phenol-Werk in Gladbeck zu schließen, während Dow bis Ende 2027 einige seiner Anlagen in Böhlen und Schkopau einstellen will. Solche Entscheidungen gefährden ganze industrielle Wertschöpfungsketten und Cluster in Europa. Vassiliadis drängt darauf, Gesetzgebungen voranzutreiben, die CO2-Speicherung intensivieren, besonders für Branchen wie die Zementindustrie, die ansonsten keine Ausweichmöglichkeiten haben.

