Indie-Labels warnen vor Machtkonzentration durch Universals 775-Millionen-Dollar-Übernahme von Downtown
Universal Music Group (UMG) steht wegen der geplanten Übernahme von Downtowns Musikdienstleistungsgeschäft in der Kritik: Mehr als 200 führende Vertreter unabhängiger Labels und Branchenverbände haben sich mit einem eindringlichen Appell an die EU-Wettbewerbsbehörde gewandt. In dem Schreiben, das am Freitagabend an Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera übermittelt wurde, fordern sie eine vertiefte Prüfung des 775 Millionen Dollar schweren Deals.
Im Kern geht es um die Kontrolle über zentrale digitale Infrastrukturen. Downtown betreibt Plattformen wie FUGA und CD Baby, die weltweit von unabhängigen Künstlern, Labels und Verlagen genutzt werden, um Musik zu vertreiben, Tantiemen abzurechnen und Rechte zu verwalten. Eine Übernahme durch UMG – den größten Musikkonzern der Welt – würde nach Einschätzung der Unterzeichner „einen erheblichen Teil der essenziellen Infrastruktur unter die Kontrolle des Marktführers bringen“.
Die EU-Kommission hat eine Vorprüfung des Erwerbs durch UMGs Tochter Virgin Music eingeleitet. Eine Entscheidung darüber, ob der Zusammenschluss genehmigt, mit Auflagen versehen oder vertieft untersucht wird, steht noch in diesem Monat an.
Zu den prominenten Unterzeichnern der Beschwerde zählen Martin Mills (Beggars Group), Jeremy Lascelles (Blue Raincoat Music), Darius Van Arman (Secretly Group) sowie Tony Kiewel (Sub Pop). Sie argumentieren, dass die Übernahme „den Wettbewerb untergräbt“ und die Innovationskraft im Independent-Sektor schwächt. Besonders problematisch sei die Kombination von Downtowns Fähigkeiten in Distribution, Rechteverwaltung und Tantiemenabrechnung mit der Marktmacht von UMG.
Virgin reagierte mit der Aussage, dass unabhängige Akteure weiterhin aus „zahlreichen Alternativen“ schöpfen könnten. Die Wahlfreiheit der Künstler und Labels dürfe nicht von „individuellen Präferenzen einer Minderheit“ bestimmt werden. Zudem betonten die Co-CEOs von Virgin in einem internen Memo, das dem Financial Times vorliegt, dass man Downtowns Datenschutzrichtlinien beibehalten und sogar ausbauen werde.
Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte den Eingang des Schreibens, lehnte jedoch weitere Stellungnahmen ab, solange das Verfahren laufe. Die Debatte wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende Konsolidierung in der Musikindustrie – und deren Folgen für Vielfalt, Zugang und Fairness im digitalen Zeitalter.


