Im Test: Killzone: Shadow Fall für PS4
Der Launch einer neuen Konsole aus dem Hause Sony bedeutet immer den Release eines neuen Teils des Vorzeige-Shooters Killzone. Das niederländische Entwicklerstudio Guerrilla Games beweist mit optisch beeindruckenden Bildern welche Möglichkeiten die Next-Gen bereithält und lässt dabei die anderen Launch-Titel alt aussehen. Wir haben uns in Killzone: Shadow Fall mit vollstem Einsatz nach Vekta begeben und sind stark beeindruckt zurückgekehrt.
Welche Power die neue Konsolengeneration bereithält, beweisen die Niederländer aus der Sony eigenen Entwicklerschmiede Guerrilla Games bereits mit ihrem ersten Titel für die PlayStation 4. Spielend leicht stellen sie die Next-Gen in ein ganz neues Licht und verweisen selbst die alten Hochkaräter wie The Last of Us auf der PlayStation 3 in den Schatten. Mit unglaublicher Detailliebe von Charakter- und Waffen-Animationen, bahnbrechender Weitsicht in Vekta City oder hollywoodreifen Lenseflares in den Welten von New Helghan lassen das Herz eines jeden Grafik-Fetischisten höher schlagen.
Als Shadow Marshall Lucas Kellan begebt ihr euch im Gegensatz zu vielen Vorgängern zumeist allein ins Kriegsgebiet. Wie und auf welche Weise ihr vorgeht, ist euch dabei selbst überlassen. Lediglich eure Missionsziele werden euch per Knopfdruck mit ihrer Entfernung angezeigt. Meist habt ihr alternierende Wege und Strategiemöglichkeiten, ohne dass sie euch plump unter die Nase gerieben werden. So könnt ihr euch als Geist durch New Helghan bewegen und jeden Helghast lautlos euer Kampfmesser unter die Nase reiben oder aber geht direkt rabiat zur Sache: Mit etlichen Maschinengewehren, Pistolen, Raketenwerfern und Energiewaffen könnt ihr den Helghast das Leben auf dem ohnehin schon schmutzig-industrialisierten Teil des Planeten schwer machen. Zwar habt ihr weder ein Team an eurer Seite noch einen wuscheligen Schäferhund, doch ganz allein müsst ihr euch nicht auf die Reise für den Frieden zwischen Vekta und New Helghan begeben.
Neben einigen Gadgets – wie beispielsweise ein Sonar, mit dem ihr eure Gegner in der Nähe durch Wände hindurch aufspüren könnt – ist die freundliche kleine OWL-Drohne aus der Nachbarschaft mit von der Partie. Und diese kleine Drohne hat es so richtig in sich. Denn ihr könnt ihr sagen, in welches Gebiet sie fliegen soll, um ein paar Feinde mit ihrem geladenen Maschinengewehr zu durchlöchern, um euch im Kampf zu unterstützen. Zusätzlich bietet sie die Möglichkeit einen EMP-Impulse abzuladen, mit denen die Schilde eurer Gegner neutralisiert werden und jeder einzelne Helghast für kurze Zeit die Kontrolle verliert. Doch neben Angriffsmöglichkeiten bietet das kleine Ding noch mehr. Seid ihr im Kampf gefallen und habt noch Adrenalinpäckchen dabei, kann die Drohne euch im Kampf wiederbeleben. Dank des Adrenalinschubs verfällt der Marshall in eine Art Rage-Modus, kann für kurze Zeit ein paar mehr Kugeln einstecken und verfällt beim Zielen in eine Zeitlupe, was es ermöglich, mal eben das gesamte Gebieten von Helghast zu säubern. Außerdem hilft euch die Drohne mit der geladenen Seilrutsche dabei tiefergelegene Passagen zu erreichen – ein echter Freund und Helfer.
Wer bereits glaubt, dass es sich mit der Grafik bereits getan hat, der konnte der musikalischen Kulisse noch nicht lauschen. Die dröhnenden Musikstücke und hallenden Riffs laden dazu ein, das Spiel einfach lauter zu drehen oder gar mit Kopfhörern zu spielen. Das zusätzlich düstere Gebrüll der Helghast und die röhrenden Waffensounds untermalen das stimmige Gesamtbild und bilden ein multivisuelles Erlebnis in Perfektion.
Der Multiplayer in Killzone: Shadow Fall bietet euch die Möglichkeit eine von drei Klassen zu wählen:
- Assault – mit dem ihr ein Energieschild aufstellen könnt
- Scout – der sich unsichtbar machen kann
- Support – Der Mediziner im Spiel, der Freunde wiederbeleben kann
Geboten wird euch der Spielmodi Warzone, der verschiedene Spielmodi bereithält wie beispielse Team Deathmatch, Suchen & Zerstören, Domination und einige mehr. Mit dem weniger ist mehr Prinzip wird auf etliche Spielereien verzichtet und sich nur auf das Wesentliche konzentriert. So gibt es beispielsweise keine Ränge, trotzdem können verschiedene Waffen und Aufsätze freigespielt werden. Auch für den Lobbyersteller gibt es etliche Möglichkeiten der Individualisierung, die uns sehr gut gefallen haben. So können einige Klassen ausgeschlossen werden, Spielmodi, Bots hinzugefügt und viele Einstellungen mehr vorgenommen werden. Wer sich anfangs noch nicht online traut, der darf auch offline mit Bots trainieren. Im großen und Ganzen fiel der Multiplayer recht ausbalanciert aus und konnte überzeugen. Die Maps selbst sind weit kleiner und zentraler ausgerichtet als in der Kampagne und grafisch nicht ganz so spektakulär, dafür läuft das Spiel jedoch bei 60 Bildern pro Sekunde flüssig. Wer also die Nase voll von Battlefield oder Call of Duty hat, sollte Killzone: Shadow Fall im Multiplayer eine Chance geben und sich überzeugen lassen.
Das Spiel selbst hat nur sehr wenige Schwachstellen, die gelinde gesagt kaum auffallen. Ab und an zeigt sich die KI der Gegner nicht von ihrer besten Seite, in der Synchronisierung fehlte ein Satz, der plötzlich in englisch wiedergegeben wurde und ab und an wollte das Spiel die Multiplayerlobbies einfach nicht laden. Auch ist es etwas schade, dass so ein durchweg interessantes Universum wie es Killzone besitzt, in nahezu keinem Sequel gebührenden Anklang findet. Spielerisch hat der neueste Killzone-Titel einige Änderungen vorgenommen, was dem Spielspaß zugute kommt. Die unterschiedlichen Welten und auch abwechslungsreichen Missionen tun Shadow Fall mehr als gut. Auch das gesamte Waffen-Balancing und die Möglichkeiten in der Bewegung helfen dem Spiel ein paar Pluspunkte zu sammeln. Zusätzlich hat man sich davon entfernt die Schwerfälligkeit der Waffen wieder mit einzubauen, was Genrefans sehr gelegen kommt und im Vorgänger oft kritisiert wurde. Zwar weist die Story gute Wendungen und einen starken Plot auf, jedoch ist sie im Kern relativ simpel gestrickt. Das größte Problem des Spiels, wieso Killzone: Shadow Fall leider noch ein gutes Stück von Perfektion entfernt ist, ist die Tatsache, dass es den Technikern im Haus leider nicht gelingt die Geschichte glaubwürdig zu erzählen, auch wenn die Synchronsprecher einen fabelhaften Job erledigen. Die Mimiken und Gestiken, die Dialoge und auch die Charaktere sind meilenweit davon entfernt Emotionen zu übertragen. So geht man anteilslos aus der Geschichte heraus, die zu plump aufgetragen wirkt. Hätten sich die Jungs von Guerrilla Games diesem Thema mehr angenommen und die hollywoodreife Inszenierung mit hollywoodreifen Charakteren gepaart, hätte dies der Vorzeigetitel des gesamten Genres werden können. Jedoch ist dies Meckern auf hohem Niveau.
In der Summe erwartet euch mit Killzone: Shadow Fall eine optische Augenweide, die sich kein PlayStation 4 Besitzer entgehen lassen darf, die mit guter Story, abwechslungsreichem Gameplay und guten Multiplayer-Gefechten auch nach gut 12h Kampagnen-Spielzeit noch hunderte Stunden Spielspaß bereithält.



