Ikea zieht auf der Oxford Street ein – und bringt das Ende einer Ära auf den Punkt
Ikea hat vergangene Woche ein neues Geschäft im Herzen Londons eröffnet – ausgerechnet im früheren Topshop-Flaggschiff am Oxford Circus. Das Gebäude, einst Heim der Peter-Robinson-Kaufhauskette, steht sinnbildlich für die Transformation einer Straße, die lange als Synonym für britische Warenhauskultur galt. Wo früher luxuriöse Einrichtungshäuser wie Maple & Co, Heals oder Waring & Gillow Design und Lebensstil ausstellten, stapeln sich heute Teller für 75 Pence.
Mitten in der traditionsreichen Oxford Street hat sich der Möbelgigant auf mehreren unterirdischen Etagen eingerichtet – ein Fenster zur Straße bleibt versperrt, abgedunkelt durch grelle Werbebanner. Innen erwartet die Kunden das gewohnte Labyrinth aus endlosen Gängen, das weniger an urbanes Flanieren als an Flughafen-Duty-Free erinnert.
Londons Bürgermeister Sadiq Khan feierte das Ereignis als Wendepunkt für eine Straße, die jahrelang von Leerstand, Fast-Fashion-Verfall und pandemiebedingtem Bedeutungsverlust geplagt war. Doch die neue Ikea-Filiale wirkt eher wie das Eingeständnis eines kulturellen Rückzugs. Statt großbürgerlichem Anspruch nun Konsum als Masse: billig, grell, allgegenwärtig.
Dabei hatte Ikea einst eine andere Rolle in Großbritannien. In den 1990ern versprach das Unternehmen der jungen Generation den ästhetischen Bruch mit der Vergangenheit – weg vom dunklen Mobiliar der Elternhäuser, hin zu heller Schlichtheit, Design aus Skandinavien, erschwinglich inszeniert. Ein Leben mit Funktion statt Patina. Doch das Ideal aus dem Showroom zerfiel in der Realität oft zwischen schiefer Regalwand und fehlenden Schrauben.
Heute hat sich das Narrativ verändert. Die neue Kundschaft sehnt sich nicht nach minimalistischer Coolness, sondern nach dem „Cluttercore“ einer anderen Zeit. Jugendstil, Teakmöbel und selbst das lange verpönte „brown furniture“ erleben eine Renaissance – getragen von einem Nachhaltigkeitsbewusstsein, das Ikea mit Pressspan kaum bedienen kann.
Inmitten dieses Paradigmenwechsels wirkt der neue Laden wie ein überdimensioniertes Zeugnis einer überholten Konsumlogik. Trotz Bemühungen um Kreislaufwirtschaft und grünere Logistik bleibt der Eindruck: Ikea verkauft Innenarchitektur im Takt von Fast Fashion. Dass das im einstigen Zentrum britischer Designkultur stattfindet, ist mehr als nur eine Fußnote – es markiert das Ende einer Epoche

