Aufnahme ins Jagdrecht

Hunderte Wölfe im Museum - aber bald auch in der Jägerstube?

17. März 2026, 07:00 Uhr · Quelle: dpa
Was macht ein Präparator mit einem totem Wolf
Foto: Fabian Sommer/dpa
Tierpräparator Christian Blumenstein mit Wölfin «Bella».
60 Wolfs-Territorien in Brandenburg, Hunderte Skelette und Felle im Museum. Ein einzigartiger Bestand zeigt die Rückkehr des Raubtiers. Wölfe sollen künftig aber auch in Jägerstuben stehen dürfen.

Potsdam (dpa) - Hier passt ein Wolf in eine Kiste. Im Naturkundemuseum in Potsdam werden Knochen, Schädel und Felle von überfahrenen Tieren präpariert und in Schränken aufbewahrt. Etwa 340 Wölfe seien in der Sammlung dokumentiert - die größte bundesweit, sagt die stellvertretende Museumsdirektorin, Ina Pokorny. Brandenburg ist eines der wolfsreichsten Bundesländer.

Da der bislang noch streng geschützte Wolf (Canis lupus) bundesweit ins Jagdrecht kommen soll, könnten künftig weniger Exemplare für Museen anfallen. «Ich glaube, es werden weniger werden, aber es wird nicht aufhören», meint Tier-Präparator Christian Blumenstein, der seit 40 Jahren im Naturkundemuseum arbeitet. In der Wissenschaft gibt es die Sorge, dass Daten und Forschung zum Wolf wegbrechen könnten.

Jäger dürfen tote Wölfe künftig behalten

Derzeit ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass sicher der ein oder andere Jäger seine private Jagdstube gerne mit einem Wolf schmückt. Das soll künftig ganz legal sein. Denn wie bei Rot- und Schwarzwild soll der Jagdausübungsberechtigte «das Recht zur Aneignung» eines entnommenen Wolfs haben, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mitteilte. Der Jäger darf einen toten Wolf also mitnehmen und präparieren lassen - für private Zwecke. 

«Die Exemplare müssen aber fallweise wissenschaftlichen Untersuchungen zugänglich gemacht werden können», heißt es dazu noch aus dem Landesministerium in Potsdam. Klar ist nach der vorgesehenen Aufnahme ins Jagdrecht aber auch: Ein kommerzieller Handel mit Wolfstrophäen ist nicht erlaubt.

Vom Kadaver zum Ausstellungsstück

Präparator Blumenstein hat zuletzt vor einigen Wochen gleich zwei tote Wölfe auf den Tisch bekommen. Die Tiere seien im Januar gleichzeitig in etwa 50 Metern Entfernung überfahren worden, erzählte er. «Die liegen unten in der Kühlzelle.» 

In seiner Werkstatt hat er die bereits 2015 präparierte Wölfin «Bella» mit schönem dichtem Fell aufgestellt. Für Museumsbesucher ist ein älteres Exemplar zu sehen - überfahren 1993 auf dem Berliner Ring am Autobahndreieck Schwanebeck. 

Er sei ein wenig Fleischer, Chirurg, Friseur und Kosmetiker, beschreibt Blumenstein seine Arbeiten an einem Wolfskadaver. Er misst den Körper aus, zieht das Fell des Wolfs ab, das dann zum Gerber kommt. Für ein Ausstellungsstück zieht er das haltbar gemachte Fell später über einen Plastikkörper, wählt aus seinem Sortiment passende Glasaugen, setzt ein künstliches Gebiss ein. Am Ende greift Blumenstein noch zum farblosen Nagellack: Damit will der Präparator Speichel am Wolfsmaul andeuten. 

Wolfs-Sammlungen für die Wissenschaft wichtig

Sammlungen von Schädeln, Skeletten und Gewebeproben von Wölfen sind für die Wissenschaft nach wie vor sehr wichtig und aussagekräftig, wie das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin betont. Die Sammlungen ermöglichten es, Entwicklungen und Anpassungen an Lebensräume über längere Zeiträume zu erkennen. «Wir dokumentieren die gesamte Besiedlung Brandenburgs», sagt auch die stellvertretende Museumsdirektorin Pokorny. 

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersuchte bislang insgesamt 1.138 tot aufgefundene Wölfe aus ganz Deutschland, um Todesursachen und Gesundheitszustand zu analysieren. Was könnte sich ändern, wenn der Wolfs ins Jagdrecht aufgenommen wird?

«Eine mögliche Folge wäre, dass nur noch Tiere aus Bundesforsten kommen oder aber im Extremfall gar keine mehr», meint die Leiterin der Pathologie am IZW, Claudia Szentiks. Sie hält die Auswirkungen derzeit aber für schwer einschätzbar. Allerdings befürchte sie persönlich, dass mit einer Aufnahme der Wölfe ins Jagdrecht die Wolfspopulation in Deutschland drastisch zurückgeht -  und 25 Jahre Forschung und Naturschutz binnen weniger Monate zunichte gemacht werden könnten. 

«Würger von Ihlow» 1960 erlegt

In Deutschland war die Wolfspopulation laut Landesagrarministerium um 1850 nahezu ausgelöscht. Immer wieder wanderten später jedoch vereinzelt Wölfe aus Polen ein. Für Aufsehen sorgte der «Würger von Ihlow» - so wurde ein Wolf genannt, der 1960 im Raum Jüterbog Weidetiere gerissen haben soll und von einem Bauern getötet wurde.

Inzwischen gibt es in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen die meisten Wolfsrudel bundesweit - und damit viel Konfliktstoff. Nach Angaben des Landesumweltamts rissen Wölfe 2023 fast 1.300 Schafe und Ziegen in Brandenburg. 2025 waren es immer noch 700. 

60 Wolfs-Territorien in Brandenburg

Für das Wolfsjahr 2024/25 nennt das Landesamt für Umwelt 60 bestätigte Wolfs-Territorien mit 54 Rudeln und 6 Paaren in Brandenburg. Genaue Tierzahlen nennt die Behörde nicht. Auch wie sich der Bestand entwickeln wird und wie viele Wölfe geschossen werden, wenn die Tierart im Jagdrecht ist, bleibt unklar. «Wir sind sehr froh, dass wir über die letzten 20 Jahre fleißig gesammelt haben», sagt Wolfs-Präparator Blumenstein.

Tier / Museen / Wolf / Brandenburg / Deutschland / Jagdrecht / Wissenschaft
17.03.2026 · 07:00 Uhr
[1 Kommentar]
Mann stirbt nach Polizeischüssen bei Verfolgungsfahrt
Saarbrücken (dpa/lrs) - Eine Polizeikontrolle endet tragisch: Ein 22-Jähriger ist tot, ein 19-Jähriger und eine Polizistin sind verletzt. Nachdem die Polizei bei einer Verfolgungsfahrt in Saarbrücken in der Nacht zum Ostersonntag Schüsse abgefeuert hat, sind noch viele Fragen offen. Am Ostermontag gehen die Ermittlungen weiter. Was ist zum Ablauf […] (00)
vor 13 Minuten
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati gibt ein trauriges Gesundheits-Update. Die Influencerin erhielt vor über drei Jahren eine schlimme Diagnose: Sie leidet an schwarzem Hautkrebs. Seit einiger Zeit wird sie palliativ behandelt – die Krankheit gilt nicht mehr als heilbar. Nun macht die 30-Jährige beunruhigende Neuigkeiten öffentlich: Sie befindet sich […] (02)
vor 21 Stunden
Fashion-Influencer «Gramps»
Mainz (dpa) - Er hat rund 5,5 Millionen Follower auf Tiktok, noch mal knapp 2,5 Millionen auf Instagram: Der 80-jährige Alojz Abram - auch bekannt unter seinem Pseudonym «Gramps» - ist Mode-Influencer. Dabei wirkte er lange gar nicht modisch. Er hat sich gekleidet, wie man es von einem älteren Herrn in der Rente erwarten würde. «Unspektakulär», sagt […] (00)
vor 5 Stunden
Starfield DLC verrät neue Stadt – Fans hoffen auf echten Neustart
Es fühlt sich fast wie ein versteckter Blick hinter die Kulissen an: Neue Achievements zum kommenden DLC von Starfield sorgen gerade für Diskussionen in der Community. Denn was dort entdeckt wurde, klingt nach genau den Änderungen, die sich viele Spieler seit Release wünschen. Und plötzlich steht eine Frage im Raum: Bekommt Starfield endlich das […] (00)
vor 12 Stunden
ZDF diskutiert in Würzburg über Fake News
Beim Katholikentag widmet sich das ZDF den Herausforderungen der digitalen Öffentlichkeit. Die Diskussionsveranstaltung Wahrheit und Unwahrheit im Netz – Wie umgehen mit Fake News? wird am Christi Himmelfahrt, den 14. Mai um 13.00 Uhr live vom Deutschen Katholikentag in Würzburg vom ZDF übertragen. Moderator Eric Mayer diskutiert mit seinen Gästen zentrale Fragen rund um Desinformation und […] (00)
vor 1 Stunde
Cleveland Cavaliers - Indiana Pacers
New Orleans (dpa) - Die Orlando Magic um Basketball-Nationalspieler Franz Wagner dürfen nach einer Aufholjagd weiter auf die direkte Playoff-Teilnahme in der NBA hoffen. Das Team aus Florida drehte im Auswärtsspiel bei den New Orleans Pelicans einen Zwölf-Punkte-Rückstand in der zweiten Halbzeit und gewann mit 112: 108.  Damit liegt Orlando auf Platz […] (00)
vor 1 Stunde
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
Nach einem ruhigen Wochenende ohne nennenswerte Kursbewegungen kehrte die Volatilität bei Bitcoin am Montagmorgen zurück. Der Kurs stieg auf $69.600 und erreichte damit ein mehrtägiges Hoch. Ein möglicher Grund für diesen plötzlichen Anstieg könnte ein Bericht von Axios sein, der von The Kobeissi Letter zitiert wurde. Demnach diskutieren die […] (00)
vor 37 Minuten
Wochenrückblick KW 14-2026: Hoffnung, Schock, Realität: Volatilität bleibt Programm
Herisau, 06.04.2026 (PresseBox) - Drei Tage Rallye – dann Reality-Check: Trumps Iran-Drohung kippt die Stimmung. Solange Hormus nicht öffnet, bleibt Öl über 100 USD der Kompass. Aluminium stark, Gold volatil. Nächste Woche: US-Inflation & Oster-Fahrplan. Sehr geehrte Leserinnen und Leser, es war eine kurze, aber dafür umso heftigere Börsenwoche – ein […] (00)
vor 1 Stunde
 
Europäischer Rat (Archiv)
Straßburg - Nach Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat auch der CSU- […] (03)
kostenloses stock foto zu april, asien, blühen
Nacht zum Ostermontag: Abklingende Unwetter und Nebel In der Nacht zum Ostermontag […] (00)
Schiffsonar irritiert Wale, versetzt sie in Stress und löst Strandungen aus
Die Anteilnahme am Schicksal des Wals, der zuerst vor dem Timmendorfer Strand […] (04)
Iran-Krieg - Spritpreise in den USA
Washington (dpa) - Dass US-Präsident Joe Biden die Ukraine mit viel Geld […] (03)
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige […] (01)
Ghost of Yōtei: Legends startet seinen ersten Raid – Lord Saito wartet auf euch
Sucker Punch Productions hat mit Ghost of Yōtei: Legends einen Mehrspielermodus auf […] (00)
Netflix holt Kinderformat «Danny Go!» ins Programm
Die erfolgreiche YouTube-Reihe erweitert ihr Publikum und startet Anfang April beim […] (01)
1. FC Union Berlin - FC St. Pauli
Berlin (dpa) - Der 1. FC Union Berlin hat den FC St. Pauli im Abstiegskampf der […] (03)
 
 
Suchbegriff