Horizon-Klon vernichtet? Sony und Tencent beenden Rechtsstreit – Spiel verschwindet spurlos
Die juristischen Mühlen haben aufgehört zu mahlen, doch das Ergebnis gleicht einem digitalen Kahlschlag. Der monatelange, erbitterte Schlagabtausch zwischen den Tech-Giganten Sony und Tencent bezüglich des umstrittenen Titels „Light of Motiram“ hat ein abruptes Ende gefunden. Was zunächst wie ein langwieriges Ringen um Urheberrechte und künstlerische Schöpfungshöhe aussah, mündete nun in einer außergerichtlichen Einigung, die drastische Konsequenzen für die Verfügbarkeit des Spiels hat. Wer heute versucht, „Light of Motiram“ auf Steam oder im Epic Games Store zu finden, starrt ins Leere: Das Spiel wurde faktisch ins digitale Nirwana verbannt.
Ein Urteil für die Ewigkeit – mit Hintertür
Das Gericht hat die Klage „with prejudice“ abgewiesen. In der juristischen Fachsprache ist dies ein gewichtiger Terminus, der bedeutet, dass die Klageabweisung endgültig ist und Sony den Fall aus denselben Gründen nicht erneut vor Gericht bringen kann. Diese Finalität deutet stark darauf hin, dass hinter verschlossenen Türen ein massiver Deal ausgehandelt wurde. Zwar bleiben die finanziellen Details und genauen Konditionen dieser Übereinkunft streng vertraulich, doch die Indizien sprechen eine deutliche Sprache: Der Preis für den Frieden war offenbar der Kopf von „Light of Motiram“. Dass beide Parteien ihre eigenen Anwaltskosten tragen, ist dabei nur eine Randnotiz in einem Drama, das die Grenzen zwischen Inspiration und Plagiat neu vermessen hat.
Vom „sklavischen Klon“ zur kulturellen Aneignung
Rückblickend war die Rhetorik beider Lager von seltener Schärfe. Sony hatte im Juli das Feuer eröffnet und Tencent vorgeworfen, mit „Light of Motiram“ einen „sklavischen Klon“ der hauseigenen Horizon-Franchise geschaffen zu haben. Die Japaner argumentierten, dass Tencent nicht nur visuelle Elemente, sondern die gesamte ästhetische DNA von Horizon Zero Dawn und Forbidden West usurpiert habe. Es ging um mehr als nur ähnliche Roboter-Dinosaurier; Sony sah eine gezielte Verbrauchertäuschung und forderte Schadensersatz in ungenannter Höhe sowie eine Unterlassungserklärung.
Tencent hingegen inszenierte sich als Verteidiger der kreativen Freiheit. In einer fast schon philosophischen Erwiderung warfen sie Sony vor, popkulturelles Allgemeingut einzuzäunen und als exklusives Eigentum zu deklarieren. Sie zitierten Genre-Größen wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild oder Outer Wilds, um zu beweisen, dass gewisse Design-Elemente längst Branchenstandard seien. Sony konterte dies im Oktober brüsk als „Nonsens“ und verwies auf dokumentierte Verwirrung bei den Konsumenten.
Das Schweigen nach dem Sturm
Nun herrscht Stille. Die aggressiven Schriftsätze sind Geschichte, und das Spiel ist es auch. Für die Spieler bleibt ein schaler Beigeschmack: Ein potenzieller Konkurrent, ob nun Kopie oder nicht, wurde effektiv vom Markt genommen. Es zeigt einmal mehr, wie gnadenlos der Kampf um geistiges Eigentum in der Gaming-Branche geführt wird, wenn Milliarden-Umsätze auf dem Spiel stehen.


