Hochtief fasst ACS-Angebot als unfreundlich auf
17. September 2010, 15:44 Uhr · Quelle: FREI
(NEU: Aussagen von Hochtief-CEO Lütkestratkötter, Hochtief-Schlusskurs)
Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Hochtief AG hat verschnupft auf die Pläne ihres spanischen Großaktionärs ACS reagiert, die Mehrheit an dem Essener Baudienstleister übernehmen zu wollen. Auf die Frage, ob Hochtief das Angebot für "unfreundlich" halte, sagte ein Unternehmenssprecher: "Ja, so müssen wir das auffassen."
Der Vorstand der Hochtief AG berät indes weiter über das Übernahmeangebot. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen gibt es dabei noch nicht. "Wir analysieren alle in Frage kommenden Optionen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratkötter Dow Jones Newswires - auch auf die Frage hin, ob Hochtief Abwehrmaßnahmen in Erwägung ziehe. Für Hochtief bedeute dies eine neue Situation.
In dem Übernahmeangebot selbst sieht der Vorstandsvorsitzende keine Vorteile für die Aktionäre des MDAX-Konzerns. Dies habe ACS noch nicht darlegen können, sagte Lütkestratkötter. Der Markt habe auch enttäuscht auf die Offerte reagiert. "Wir sind unseren Aktionären verpflichtet". Im Detail auswerten können man dies aber erst, wenn das Angebot vorliegen werde.
Die Unabhängigkeit des Unternehmens will Lütkestratkötter erhalten. "Die Unabhängigkeit hat Hochtief stark gemacht", betonte der Manager. Sie sei der Garant für den Erfolg des Konzerns. Das Unternehmen sei grundsolide und erwirtschafte eben solche Gewinne. Dies habe man aus eigener Kraft geschafft.
Hochtief war am Donnerstag von den Plänen von ACS überrumpelt worden. Lütkestratkötter erklärte, er habe morgens aus den spanischen Medien von einem möglichen Übernahmeangebot erfahren. Die Spanier halten bereits knapp 30% und hatten bislang immer erklärt, bei Hochtief nicht zukaufen zu wollen.
Die Offerte sieht einen Aktientausch vor, bei dem Aktionäre für fünf Hochtief-Papiere acht ACS-Aktien bekommen sollen. Der Markt hatte dieses Angebot, mit dem die Hochtief-Aktie mit knapp 56 EUR bewertet werden würde, bereits als unattraktiv bezeichnet.
Dabei strebt ACS keinesfalls eine Komplettübernahme an - lediglich etwas über 50% wollen die Spanier haben, damit sie Hochtief in ihrer Bilanz konsolidieren können. Aus diesem Grund hat ACS auch nur ein Mindestangebot gemacht, eine Prämie für die Hochtief-Aktionäre gibt es nicht. Die Spanier wollen Hochtief mit einem ordentlichen Streubesitz weiter an der Frankfurter Börse sehen.
ACS präsentierte sich am Freitag auf Schmusekurs: Die Absicht hinter der Hochtief-Offerte sei "sehr freundlich", betonte Corporate General Manager Angel Garcia Altozano während einer Telefonkonferenz. Er wiederholte noch einmal, das Management von Hochtief habe weiterhin die volle Unterstützung von ACS. Das Angebot habe Vorteile für beide Seiten.
Hochtief könne das Angebot als unfreundlich erachten, weil die Offerte nicht verhandelt worden sei, argumentierte der Manager. Dies sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, da man die Verhandlungen sonst hätte öffentlich machen müssen.
Die Offerte soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Danach will ACS fehlende Anteile über die Börse kaufen. Für diese Käufe gebe es kein Zeitlimit.
Unterdessen erhöhten eine Reihe von Banken ihre Kursziele für Hochtief. Analysten von UBS, LBBW und HSBC werteten das Angebot als unattraktiv. Auf große Akzeptanz dürfte es ihrer Ansicht nach nicht stoßen. Die UBS geht davon aus, dass Hochtief das Angebot ablehnen wird.
Die LBBW zweifelt zudem an der Aussage von ACS, Hochtief nicht zerschlagen zu wollen. Da ACS einen hohen Fremdkapitalanteil habe und ihr CEO Florentino Perez die Beteiligung an dem Energieunternehmen Iberdrola weiterhin auf 20% von 13% aufstocken wolle, könnte das spanische Unternehmen nach dem Kauf von Hochtief "Private-Equity-Taktiken" anwenden und etwa Leighton verkaufen.
ACS hatte im März 2007 25% an Hochtief für rund 1,3 Mrd EUR übernommen. Eine Option für weitere Anteile übte der Konzern im März 2009 aus und hält seitdem 29,98%. Jede weitere Aufstockung der Beteiligung hätte ein Pflichtangebot für die Hochtief-Aktionäre ausgelöst.
Der spanische Konzern ist hoch verschuldet; um die Nettoverbindlichkeiten von 10,4 Mrd EUR (per 30. Juni) zu senken, hatte sich ACS entschlossen, Randbereiche zu verkaufen. So veräußerte das Unternehmen zum Beispiel Anfang August für rund 1,7 Mrd EUR eine 15,55-prozentige Beteiligung an der Abertis Infraetructuras an die Private-Equity-Gesellschaft CVC.
Die Spanier leiden zudem derzeit unter einem schwächeren Geschäft auf ihrem Heimatmarkt. Sie wiesen zum ersten Halbjahr einen Umsatz von 8,1 Mrd EUR und einen rückläufigen Nettogewinn von 501 Mio EUR aus.
ACS hat eine Marktkapitalisierung von rund 11,3 Mrd EUR, die von Hochtief liegt bei rund 4 Mrd EUR. Seit langem leidet Hochtief darunter, dass seine Einzelteile mehr wert sind als der Konzern zusammen. Mit einem Börsengang der Sparte Concessions hatte das Unternehmen vergangenes Jahr versucht, dem abzuhelfen, die Transaktion war jedoch geplatzt.
Allein die börsennotierte australische Tochter Leighton wird von Marktteilnehmern mit 60 EUR je Aktie bewertet.
Die Aktie von Hochtief legte am Freitag an der Börse weiter zu. Sie schloss bei 61,00 EUR, ein Plus von 2,6%.
Webseite: www.hochtief.de -Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires, +49 69 29725119, [email protected] DJG/nas/brb
Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Hochtief AG hat verschnupft auf die Pläne ihres spanischen Großaktionärs ACS reagiert, die Mehrheit an dem Essener Baudienstleister übernehmen zu wollen. Auf die Frage, ob Hochtief das Angebot für "unfreundlich" halte, sagte ein Unternehmenssprecher: "Ja, so müssen wir das auffassen."
Der Vorstand der Hochtief AG berät indes weiter über das Übernahmeangebot. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen gibt es dabei noch nicht. "Wir analysieren alle in Frage kommenden Optionen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratkötter Dow Jones Newswires - auch auf die Frage hin, ob Hochtief Abwehrmaßnahmen in Erwägung ziehe. Für Hochtief bedeute dies eine neue Situation.
In dem Übernahmeangebot selbst sieht der Vorstandsvorsitzende keine Vorteile für die Aktionäre des MDAX-Konzerns. Dies habe ACS noch nicht darlegen können, sagte Lütkestratkötter. Der Markt habe auch enttäuscht auf die Offerte reagiert. "Wir sind unseren Aktionären verpflichtet". Im Detail auswerten können man dies aber erst, wenn das Angebot vorliegen werde.
Die Unabhängigkeit des Unternehmens will Lütkestratkötter erhalten. "Die Unabhängigkeit hat Hochtief stark gemacht", betonte der Manager. Sie sei der Garant für den Erfolg des Konzerns. Das Unternehmen sei grundsolide und erwirtschafte eben solche Gewinne. Dies habe man aus eigener Kraft geschafft.
Hochtief war am Donnerstag von den Plänen von ACS überrumpelt worden. Lütkestratkötter erklärte, er habe morgens aus den spanischen Medien von einem möglichen Übernahmeangebot erfahren. Die Spanier halten bereits knapp 30% und hatten bislang immer erklärt, bei Hochtief nicht zukaufen zu wollen.
Die Offerte sieht einen Aktientausch vor, bei dem Aktionäre für fünf Hochtief-Papiere acht ACS-Aktien bekommen sollen. Der Markt hatte dieses Angebot, mit dem die Hochtief-Aktie mit knapp 56 EUR bewertet werden würde, bereits als unattraktiv bezeichnet.
Dabei strebt ACS keinesfalls eine Komplettübernahme an - lediglich etwas über 50% wollen die Spanier haben, damit sie Hochtief in ihrer Bilanz konsolidieren können. Aus diesem Grund hat ACS auch nur ein Mindestangebot gemacht, eine Prämie für die Hochtief-Aktionäre gibt es nicht. Die Spanier wollen Hochtief mit einem ordentlichen Streubesitz weiter an der Frankfurter Börse sehen.
ACS präsentierte sich am Freitag auf Schmusekurs: Die Absicht hinter der Hochtief-Offerte sei "sehr freundlich", betonte Corporate General Manager Angel Garcia Altozano während einer Telefonkonferenz. Er wiederholte noch einmal, das Management von Hochtief habe weiterhin die volle Unterstützung von ACS. Das Angebot habe Vorteile für beide Seiten.
Hochtief könne das Angebot als unfreundlich erachten, weil die Offerte nicht verhandelt worden sei, argumentierte der Manager. Dies sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, da man die Verhandlungen sonst hätte öffentlich machen müssen.
Die Offerte soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Danach will ACS fehlende Anteile über die Börse kaufen. Für diese Käufe gebe es kein Zeitlimit.
Unterdessen erhöhten eine Reihe von Banken ihre Kursziele für Hochtief. Analysten von UBS, LBBW und HSBC werteten das Angebot als unattraktiv. Auf große Akzeptanz dürfte es ihrer Ansicht nach nicht stoßen. Die UBS geht davon aus, dass Hochtief das Angebot ablehnen wird.
Die LBBW zweifelt zudem an der Aussage von ACS, Hochtief nicht zerschlagen zu wollen. Da ACS einen hohen Fremdkapitalanteil habe und ihr CEO Florentino Perez die Beteiligung an dem Energieunternehmen Iberdrola weiterhin auf 20% von 13% aufstocken wolle, könnte das spanische Unternehmen nach dem Kauf von Hochtief "Private-Equity-Taktiken" anwenden und etwa Leighton verkaufen.
ACS hatte im März 2007 25% an Hochtief für rund 1,3 Mrd EUR übernommen. Eine Option für weitere Anteile übte der Konzern im März 2009 aus und hält seitdem 29,98%. Jede weitere Aufstockung der Beteiligung hätte ein Pflichtangebot für die Hochtief-Aktionäre ausgelöst.
Der spanische Konzern ist hoch verschuldet; um die Nettoverbindlichkeiten von 10,4 Mrd EUR (per 30. Juni) zu senken, hatte sich ACS entschlossen, Randbereiche zu verkaufen. So veräußerte das Unternehmen zum Beispiel Anfang August für rund 1,7 Mrd EUR eine 15,55-prozentige Beteiligung an der Abertis Infraetructuras an die Private-Equity-Gesellschaft CVC.
Die Spanier leiden zudem derzeit unter einem schwächeren Geschäft auf ihrem Heimatmarkt. Sie wiesen zum ersten Halbjahr einen Umsatz von 8,1 Mrd EUR und einen rückläufigen Nettogewinn von 501 Mio EUR aus.
ACS hat eine Marktkapitalisierung von rund 11,3 Mrd EUR, die von Hochtief liegt bei rund 4 Mrd EUR. Seit langem leidet Hochtief darunter, dass seine Einzelteile mehr wert sind als der Konzern zusammen. Mit einem Börsengang der Sparte Concessions hatte das Unternehmen vergangenes Jahr versucht, dem abzuhelfen, die Transaktion war jedoch geplatzt.
Allein die börsennotierte australische Tochter Leighton wird von Marktteilnehmern mit 60 EUR je Aktie bewertet.
Die Aktie von Hochtief legte am Freitag an der Börse weiter zu. Sie schloss bei 61,00 EUR, ein Plus von 2,6%.
Webseite: www.hochtief.de -Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires, +49 69 29725119, [email protected] DJG/nas/brb

