Hitzige Debatte um die Zukunft des Verbrennungsmotors: EU-Kommission im Fokus
Der Konflikt um die Zukunft der Verbrennungsmotoren nimmt in Europa Fahrt auf, während die EU-Kommission kurz davor steht, ihre neuen Vorschläge zu präsentieren. Schon jetzt tobt ein Wettkampf um die Vorherrschaft bei der Interpretation der anstehenden Änderungen. Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber sieht das Ende des sogenannten Verbrenner-Aus als besiegelt an, während Markus Söder, ebenfalls CSU, noch weitergehende Maßnahmen fordert. Der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss hingegen spricht kritisch von einem möglichen 'Dokument der Orientierungslosigkeit'.
Obwohl bisher noch nicht bekannt ist, welche konkreten Pläne die EU-Kommission präsentieren wird, kursiert das Gerücht, dass Ausnahmen vom ursprünglich geplanten Verbot vorgeschlagen werden. Nach aktuellen Plänen sollten ab 2035 keine neuen Fahrzeuge mehr zugelassen werden, die Kohlenstoffdioxid ausstoßen. Nun scheint es möglich, dass von dieser Regel abgewichen wird, solange zusätzliche Klimagase anders kompensiert werden können.
Ob auch herkömmliche Benzin- und Dieselfahrzeuge von dieser Lockerung profitieren könnten, bleibt zunächst offen. Besonders die Rolle von Biokraftstoffen und die Bedeutung von Firmenwagen stehen im Fokus, ebenso wie französische Forderungen nach europäischen Produktionsanteilen und einer neuen Batteriestrategie. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich positiv über die geplante Kursänderung und versicherte der EU-Kommission die Unterstützung der Bundesregierung. Die grundlegenden Klimaziele stünden dabei nicht zur Disposition, sondern lediglich neue Wege zur Erreichung derselben.
In den nächsten Schritten werden sich das Europaparlament und die EU-Mitgliedstaaten den Vorschlägen widmen und mögliche Änderungen diskutieren. Diese Instanzen haben die Möglichkeit, die Reform sowohl abzuschwächen als auch zu verschärfen, wobei eine ausreichende Mehrheit notwendig ist, um den finalen Beschluss zu fassen. Unklar bleibt jedoch weiterhin, wie lange dieser Prozess dauern wird.
Überdies sieht CSU-Chef Markus Söder die Pläne als einen guten Start, erwartet jedoch mehr, während die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, Terry Reintke, vor dem Verlust der Planungsstabilität für die Wirtschaft warnt. Branchenkenner wie Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research fürchten, dass die europäische Automobilindustrie im globalen Wettbewerb an Boden verlieren könnte. Christian Dürr von der FDP plädiert für die vollständige Rücknahme des Verbrenner-Verbots, jedoch sehen zahlreiche Ökonomen die Gefahr in einer zu starken Lockerung der bestehenden Normen.
Eine aktuelle Umfrage des ZDF-'Politbarometer' zeigt, dass die Mehrheit der Deutschen die Lockerung der Vorgaben befürwortet. Ganze 63 Prozent sprechen sich dafür aus, auch über das Jahr 2035 hinaus Neuwagen mit Verbrennungsmotoren zuzulassen.

