Hensoldt: Zwischen Radartechnologie und Umsatzzielen – Eine Aufrüstungsgeschichte mit Höhen und Tiefen
Die europäische Aufrüstung verleiht dem Radar-Spezialisten Hensoldt beeindruckende Auftriebskräfte. Dank einer Flut von Neuaufträgen im ersten Quartal korrigierte Vorstandschef Oliver Dörre seine langfristigen Umsatzprognosen nach oben. Bis 2030 peilt das Unternehmen nun einen Umsatz von bis zu 6 Milliarden Euro an, anstatt der bisher ins Auge gefassten 5 Milliarden. Ende März erreichte der Auftragsbestand von Hensoldt, angetrieben durch Engagements rund um den Eurofighter, einen Rekordwert von 6,9 Milliarden Euro. Diese erfreulichen Aussichten finden auch an der Börse Gefallen.
Der Kurs der Hensoldt-Aktie sprang am Morgen um bis zu acht Prozent nach oben. Bis zum Vormittag konsolidierte sie sich mit einem Plus von fünf Prozent bei 73,55 Euro und führte damit die Gewinnerliste im MDax an. Eine Verdopplung ihres Kurses seit Jahresbeginn unterstreicht den Rückenwind, den die geplanten Rüstungsinvestitionen europäischer Staaten der Aktie verliehen haben.
„Der weiterhin andauernde Krieg in der Ukraine und die konfliktbehafteten Regionen im Nahen und Mittleren Osten bestimmen die geopolitische Agenda“, sagte Hensoldt-Chef Dörre, während er auf den Druck der USA verwies, den europäischen NATO-Partnern zu steigenden Verteidigungsausgaben zu raten. Hensoldt bietet innovative Radartechnik für den Eurofighter und beteiligt sich am Luftverteidigungssystem Iris-T, das auch in der Ukraine gegen russische Angriffe eingesetzt wird. Zudem arbeiten sie an Technologien für das zukünftige europäische Luftkampfsystem FCAS und liefern Radarsysteme für den Flugabwehrpanzer Skyranger 30 von Rheinmetall.
Im ersten Quartal verzeichnete Hensoldt Neuaufträge im Wert von 701 Millionen Euro, was einem Zuwachs von über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gleichzeitig wuchs der Umsatz um 20 Prozent auf 395 Millionen Euro an. Dennoch blieben finanzielle Gewinne in weiter Ferne: Der Nettoverlust erhöhte sich für die Aktionäre von 14 auf 30 Millionen Euro. Im operativen Bereich (bereinigtes Ebitda) blieben trotz Einnahmen von 30 Millionen Euro die Gewinne neun Prozent hinter dem Vorjahr zurück.
Ungeachtet der gegenwärtigen finanziellen Herausforderungen ist Dörre zuversichtlich, das Umsatzziel für das laufende Jahr auf 2,5 bis 2,6 Milliarden Euro zu erhöhen, mit einer geplanten Gewinnmarge von rund 18 Prozent vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten. Derzeit liegt dieser Wert jedoch bei lediglich 7,6 Prozent, verglichen mit immerhin 10,2 Prozent im Vorjahr.

