Nach 800 Jahren in der Erde

Heilige Konkurrenz

22. Februar 2026, 06:45 Uhr · Quelle: dpa
Die Gebeine des heiligen Franziskus
Foto: Mauro Berti/Sacro Convento di San Francesco /dpa
800 Jahre nach seinem Tod werden die Gebeine des Heiligen Franziskus zur Schau gestellt. Vor vielen Jahren wurden sie hier schon mal inspiziert. (Archivbild)
Der Reliquienkult ist in der katholischen Kirche weit verbreitet. Nun stellt sie erstmals Franz von Assisis Knochen zur Schau. Erwartet werden Hunderttausende - zumal in der Nähe noch jemand liegt.

Assisi (dpa) - Die Stadt Assisi mit ihren 27.500 Einwohnern hat nicht weniger als fünf Heilige: Franz von Assisi, der bekannteste von allen, und dann auch noch Klara, Agnes, Rufinus, alle ebenfalls von Assisi, sowie Carlo Acutis. Ergibt einen (beziehungsweise eine) auf 5.500 Einwohner. Pro Kopf der Bevölkerung liegen in keiner anderen Stadt der Welt mehr Heilige begraben als hier in den Hügeln von Umbrien, nicht einmal im zwei Autostunden entfernten Rom. 

Wobei: Begraben stimmt nicht ganz - und jetzt wird es einen Monat lang noch weniger stimmen: 800 Jahre nach seinem Tod werden die Gebeine des Heiligen Franziskus erstmals zur Schau gestellt. Dazu werden seine Knochen, nach all den Jahrhunderten und der Feuchtigkeit porös und etwas schwarz, an diesem Wochenende aus der Krypta der Basilika San Francesco feierlich nach oben gebracht.

Wenige Hundert Meter weiter liegt ein anderer Heiliger im Sarg

Der Gründer des Franziskanerordens (1181/82-1226) tritt damit gewissermaßen in Konkurrenz zum neuesten Heiligen der katholischen Glaubensgemeinschaft. Denn nur wenige Hundert Meter von der Basilika entfernt, in der Wallfahrtskirche Santa Maria Maggiore, ruht ebenfalls im Tageslicht Carlo Acutis. Die Leiche des Italieners, der 2006 mit 15 Jahren an Leukämie starb, liegt in einem Sarkophag mit Glasscheibe, durch die man hineinsehen kann.

Seit seiner Heiligsprechung durch Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr ist Acutis rund um die Welt als erster «Internet-Heiliger» bekannt. Von den mehr als 3,5 Millionen Besuchern, die übers Jahr hinweg nach Assisi kommen, ziehen die meisten nun auch bei ihm vorbei. Auch viele Schulklassen: Der Blick auf den toten Teenager in Jeans und Turnschuhen verspricht einen gewissen Gruselfaktor, auch wenn Gesicht und Hände mit Silikon nachmodelliert wurden. 

400.000 Anmeldungen schon

In Assisi, wo sie mit dem Devotionalienhandel große Erfahrung haben, werden inzwischen ähnlich viele Acutis-Souvenirs verkauft wie Erinnerungsstücke an den Heiligen Franziskus. Das Geschäft mit Holzfiguren, Bildern und Rosenkränzen (vor allem Franz), aber auch mit Jutebeuteln, T-Shirts und Kühlschrankmagneten (vor allem Carlo), läuft offensichtlich bestens. Die Souvenirshops reihen sich dicht an dicht.

Bis Mitte März, solange die Gebeine des Heiligen Franz in seiner Kirche ausgestellt sind, wird das Gedränge in Assisis Straßen nun noch größer sein. Auf der Internet-Seite («San Francesco vive» / «Der Heilige Franziskus lebt»), wo ein Zeitfenster gebucht werden muss, haben sich schon 400.000 Besucher angemeldet. Auch Pilgerfahrten («Neun Tage, mit Papstaudienz in Rom, einfaches Mittelklassehotel, ab 1.598 Euro») sind im Angebot.

Aus Angst vor Grabräubern jahrhundertelang versteckt

Von den katholischen Heiligen ist Franz einer der bekanntesten - nicht erst, seit der vergangenes Jahr gestorbene Papst Franziskus seinen Namen übernahm. Der Sohn eines reichen Tuchhändlers aus Assisi sagte sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit Anfang 20 von seiner Familie los, verschrieb sich dem Glauben und führte ein Leben in absoluter Armut. Kurz nach seinem Tod mit Mitte 40 wurde er für heilig erklärt. Der Leichnam wurde an einem versteckten Ort tief in die Erde eingelassen, auch aus Angst vor Grabräubern. 

Dort blieb er fast sechs Jahrhunderte lang. 1818 gab Papst Pius VII. den Franziskanern die Erlaubnis, das Grab freizulegen. Für den Sarkophag baute man in der Unterkirche der Basilika eigens eine neue Krypta. Seither wurden die Knochen mehrfach wissenschaftlich untersucht und auf Echtheit geprüft, zuletzt 2015. Damals bekamen bei einem Abendgebet auch einige Mönche die Reliquien zu sehen. Für alle Anderen blieb es bislang beim Blick auf den Sarkophag mit der schlichten Aufschrift «San Francesco». 

Italien bekommt Feiertag zu Ehren des Schutzpatrons wieder

Nun jedoch werden die Reliquien der Allgemeinheit präsentiert. Begründet wird dies damit, dass Gläubigen zum 800. Todestag ein «unmittelbares, sinnliches Erlebnis» ermöglicht werden solle. Aller Säkularisierung zum Trotz ist der Reliquienkult in der katholischen Kirche immer noch sehr lebendig. Man sieht das auch am Umgang mit Acutis: Dessen Herz, eingefasst in Gold, ging noch vor der Heiligsprechung auf Tour - auch durch deutsche Städte wie München, Köln und Berlin.

Die Ausstellung dauert bis zum 22. März. In Italien, als dessen Schutzpatron Franz von Assisi gilt, gehen die Feierlichkeiten auch danach weiter. Für Anfang August hat sich Papst Leo in Assisi angesagt. Der 4. Oktober, der mutmaßliche Todestag des Heiligen, wurde vom Parlament in Rom kürzlich sogar zum gesetzlichen Feiertag erklärt - so wie das bis Mitte der Siebziger Jahre schon einmal war.

Kirche / Religion / Tourismus / Italien / Vatikan / Deutschland
22.02.2026 · 06:45 Uhr
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