Todesfälle bei Kreuzfahrt

Hantavirus: Auch Deutsche von Kreuzfahrtschiff geholt

06. Mai 2026, 20:33 Uhr · Quelle: dpa
Patienten von Kreuzfahrtschiff «Hondius» evakuiert
Foto: Peter Dejong/AP/dpa
Drei infizierte Passagiere wurden mit zwei Spezialflugzeugen evakuiert.
Nachdem es mehrere Hantavirus-Fälle und in der Folge drei Todesopfer gab, soll das Kreuzfahrtschiff «Hondius» Kurs auf die Kanaren nehmen. Mehrere Verdachtsfälle werden in die Niederlande gebracht.

Madrid/Kap Verde (dpa) - Nach tagelanger Unsicherheit auf dem vom Ausbruch des Hantavirus getroffenen Kreuzfahrtschiff «Hondius» gibt es endlich Aussicht für die knapp 150 Menschen an Bord. Spanien erteilte dem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff die Erlaubnis, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen, und zwar auf der Urlaubsinsel Teneriffa.

Drei Menschen wurden inzwischen unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Außenministerium mitteilten. Sie seien mit zwei Spezialflugzeugen unterwegs in die Niederlande, hieß es. Eines der beiden Flugzeuge landete am Abend auf dem Flughafen Schiphol in Amsterdam.

Der zweite Flieger mit zwei Patienten an Bord musste aber einen technischen Zwischenstopp auf Gran Canaria einlegen. Grund sei ein Defekt an einer Isolationskapsel, berichtete der TV-Sender RTVE am Abend unter Berufung auf die Delegation der spanischen Zentralregierung auf den Kanaren. Die Insassen sollen an Bord bleiben, der Flug werde bald fortgesetzt. Marokko habe zuvor eine Landung auf seinem Staatsgebiet verweigert, hieß.

 

Zu den drei Personen, die zunächst in die Niederlande geflogen werden, gehört laut Ministerium eine 65 Jahre alte Deutsche, die in engem Kontakt mit der deutschen Frau stand, die an Bord gestorben war. Die 65-Jährige solle in einer Klinik in Düsseldorf untersucht werden. Sie habe bisher keine Symptome. Nach der Landung des Flugzeugs waren Einsatzkräfte aus Düsseldorf auf dem Rollfeld zu sehen.

«Rein vorsorglich zur medizinischen Abklärung»

Die Feuerwehr Düsseldorf und das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) übernehmen gemeinsam den Transport nach Deutschland und die vorsorgliche medizinische Abklärung, berichtete das Klinikum. Man gehe davon aus, dass die betreffende Person nicht infiziert sei. «Es handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion. Die Aufnahme erfolgt rein vorsorglich zur medizinischen Abklärung», betonte das Klinikum. Zur betroffenen Person machte die Klinik keine Angaben. 

Die beiden anderen Personen sind Crew-Mitglieder. Ein Brite (56) und ein Niederländer (41) sind nach Angaben der Reederei krank und brauchen dringend medizinische Hilfe. 

Seit Tagen liegt das kleine Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde vor Anker, nachdem es vom seltenen Hantavirus getroffen worden war. Drei Menschen sind bisher gestorben, darunter auch eine deutsche Frau. Mehrere Menschen sind erkrankt. 

Spezialklinik auf Teneriffa – Proteste auf den Kanaren

Die übrigen Passagiere werden nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García auf dem Kreuzfahrtschiff zur Kanaren-Insel Teneriffa fahren, wo sie voraussichtlich innerhalb von drei bis vier Tagen im Nebenhafen Granadilla de Abona im Süden der Insel anlegen werden. Auf Teneriffa gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Später könnten sie in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren. 

Spanien hatte nach eigenen Angaben in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien entschieden, dem Schiff die Erlaubnis zum Anlegen zu erteilen. 

Streit in Spanien um Hantavirus-Schiff

Doch auf den Kanarischen Inseln sorgte die geplante Ankunft des Schiffes für Aufregung. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, protestierte gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der WHO. Er beklagt «fehlende Transparenz» und fordert ein «dringendes Treffen» mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez. Ministerin García wies aber alle Befürchtungen zurück und versicherte, die Aktion berge kein Risiko für die Kanaren. Alle verbleibenden Personen an Bord seien asymptomatisch.

Spanien werde alle ausländischen Betroffenen über einen europäischen Katastrophenschutzmechanismus in die jeweiligen Heimatländer zurückführen, erklärte García. Die Spanier sollen zunächst in ein Militärkrankenhaus in Madrid gebracht werden. Dort sollen sie medizinisch betreut werden und falls nötig auch einige Zeit in Quarantäne bleiben.

«Gesundheitsrisiko klein»

Die WHO bekräftigte erneut, dass die Gefahr der Infizierung klein sei. «In dieser Phase bleibt das gesamte öffentliche Gesundheitsrisiko niedrig», so der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. 

Was die Ursache der Infizierung war und wie sich das Virus weiter verbreiten konnte, ist unklar. Die WHO vermutet, dass sich zunächst das inzwischen gestorbene niederländischen Ehepaar bereits an Land infiziert habe, bevor es in Argentinien an Bord ging. Inzwischen ist nachgewiesen, dass es sich in mindestens zwei Fällen um die Andes-Variante des Virus handelt. Und bei dieser Variante sind auch Infektionen von Mensch zu Mensch bei langem, direktem Kontakt möglich. 

Niederländisches Opfer war noch im Flugzeug

Die infizierte niederländische Frau war kurz vor ihrem Tod noch in Johannesburg an Bord eines Flugzeuges gewesen und sollte damit zurück nach Amsterdam fliegen. Doch die Frau sei so krank gewesen, dass die Crew beschlossen habe, sie nicht mitzunehmen, teilte die Fluggesellschaft KLM in Amsterdam mit. Die Frau musste demnach das Flugzeug verlassen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus von Johannesburg. 

KLM war eigenen Angaben nach erst am Dienstagabend von den niederländischen Gesundheitsbehörden über den Tod der Frau informiert worden. Alle Passagiere des Fluges werden nun von den Behörden vorsorglich informiert. 

Neuer Fall in der Schweiz

Inzwischen gibt es einen weiteren Infektionsfall. Ein Passagier des Kreuzfahrtschiffes «Hondius» wurde nach seiner Rückkehr in die Schweiz positiv auf das Hantavirus getestet. Er wird nach Angaben der Behörden im Universitätsspital Zürich behandelt. 

Der Mann war mit seiner Ehefrau Ende April aus Südamerika zurückgekehrt. Die Ehefrau habe keine Symptome. Auch die Schweizer Behörden schätzen das Risiko für die Bevölkerung gering ein. 

Stimmung an Bord gut

Die Reise der «Hondius» hatte vor gut sieben Wochen an der Südspitze Argentiniens begonnen - für die Passagiere eine Traumreise mit zahlreichen Natur-Expeditionen bis nach Kap Verde. Als ein Niederländer am 11. April stirbt, ist das zunächst ein Einzelfall. Seine Frau verlässt das Schiff, um mit ihrem toten Mann in die Niederlande zurückzukehren. Doch auch sie stirbt gut zwei Wochen später in Johannesburg. Am selben Tag wird ein britischer Passagier an Bord schwer krank. Er liegt nun auf der Intensivstation in Südafrika. 

Spätestens ab dem 2. Mai herrscht Alarmstufe eins. Dann stirbt die deutsche Frau an Bord. Und zwei Crewmitglieder sind erkrankt. 

Ab jetzt gelten für die noch verbleibenden 87 Passagiere und 61 Besatzungsmitglieder Regeln, wie man sie aus der Corona-Zeit kennt. Abstand halten und Hände desinfizieren, sagte etwa die belgische Helene (61) der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws»: «Die Umstände sind ziemlich gut. Wir machen uns natürlich Sorgen um unsere kranken Passagiere.»

Die Stimmung an Bord ist nach Angaben der Reederei gut. Doch einem jungen amerikanischen YouTuber wurde die Unsicherheit doch zu viel. Er stellte in seinen Account ein emotionales Video. «Die Unsicherheit ist nun am schwersten. Wir können nur hoffen, dass wir wieder sicher nach Hause kommen.»

Krankheit / Hantavirus / Schifffahrt / Evakuierung / Spanien / Tourismus / WHO
06.05.2026 · 20:33 Uhr
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