Handelsdeal beflügelt Wall Street – Tech-Rally nach Zollabbau zwischen USA und China
Ein unerwarteter Durchbruch im Zollstreit zwischen Washington und Peking hat an den Finanzmärkten für ein regelrechtes Kursfeuerwerk gesorgt. Die Futures auf den S&P 500 zogen um über 3 % an, der Nasdaq 100 legte sogar 4 % zu – angeführt von Technologiewerten wie Nvidia, Amazon, Apple und Tesla, die im vorbörslichen Handel jeweils mehr als 5 % gewannen.
Der Risikoappetit kehrte schlagartig zurück, nachdem beide Länder eine Senkung der Strafzölle vereinbart hatten. Künftig sollen US-Zölle auf chinesische Waren von 145 % auf 30 % reduziert werden, die chinesischen Gegenzölle fallen auf 10 %. Der Waffenstillstand ist vorerst auf 90 Tage begrenzt, doch die Märkte werten ihn als Zeichen für eine mögliche strukturelle Entspannung. Der Dollar stieg auf ein Ein-Monats-Hoch, Gold verlor über 3 %, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog um sieben Basispunkte an.
„Das Risiko einer tiefen, langanhaltenden US-Rezession ist vom Tisch“, sagte Guy Miller, Chefstratege bei Zurich Insurance. Für Investoren sei die Aussicht auf wegfallende Wachstumsrisiken entscheidend. Die Angst vor Stagflation und weltwirtschaftlicher Abkühlung hatte die Märkte seit Trumps „Liberation Day“ Anfang April gelähmt – jetzt scheint eine Rückkehr zu fundamental getriebenen Bewertungen möglich.
Laut Scott Bessent, US-Finanzminister, verliefen die Gespräche mit China „robust und produktiv“. Eine vollständige Entkopplung beider Volkswirtschaften sei nicht das Ziel, doch ein Rückgang unter 10 % bei US-Zöllen auf China bleibt aus seiner Sicht „unwahrscheinlich“. Unternehmen mit gesunder Bilanz und überraschend starken Q1-Ergebnissen – so die Analyse von Singular Bank – stünden nun wieder im Fokus institutioneller Anleger.
Trotz der Euphorie warnen Marktteilnehmer vor verfrühter Entwarnung. „Die 90-Tage-Pause ändert nichts am strukturellen Misstrauen, das der Handelsstreit geschaffen hat“, sagte Karen Georges von Ecofi. Der Markt sei weiterhin anfällig – politische Wendungen blieben ein permanentes Risiko.
Pharmawerte bildeten eine der wenigen Ausnahmen in der Rally. Nach Ankündigungen von Donald Trump, US-Medikamentenpreise per Executive Order deutlich zu senken, verloren Titel von Roche, AstraZeneca, Novo Nordisk sowie US-Konzernen wie Pfizer, Eli Lilly oder Merck spürbar. In Japan verzeichnete das Pharma-Segment im Topix-Index den größten Tagesverlust seit August.
Auch geopolitisch zeichnen sich Entlastungen ab: Nach blutigen Grenzkonflikten verkündeten Indien und Pakistan einen sofortigen Waffenstillstand, was deren Börsen um 4 % bzw. 9 % nach oben trieb. In Osteuropa kündigte der ukrainische Präsident Selenskyj Gespräche mit Wladimir Putin in Istanbul an – ein weiteres Signal, das Anleger in risikofreudige Positionen treibt.

