Gasversorgung

Habeck: Energiepartnerschaft mit Katar fest vereinbart

20. März 2022, 18:46 Uhr · Quelle: dpa
Deutschland will bei der Gasversorgung nicht mehr abhängig sein von Russland. Katar soll einer der Partner werden. Der Wirtschaftsminister erzielt Fortschritte.

Doha (dpa) - Es ist ein Schritt auf dem langen Weg zu «Putin-freiem» Gas. Robert Habeck kommt gerade von einem Treffen mit dem Emir von Katar - das seine Erwartungen offensichtlich übertroffen hat.

Es sei «großartigerweise» fest vereinbart worden, eine langfristige Energiepartnerschaft einzugehen, sagte der Bundeswirtschaftsminister in der katarischen Hauptstadt Doha. Die Unternehmen, die ihn nach Katar begleitet haben, würden nun mit der katarischen Seite tief in Vertragsverhandlungen einsteigen.

Botschaft an Putin

Und der Grünen-Politiker schickte noch eine Botschaft an den russischen Kriegsherrn Wladimir Putin hinterher: «Wenn wir vielleicht auch in diesem Jahr noch russisches Gas brauchen werden: In der Zukunft nicht mehr. Und das fängt ja jetzt erst an. Also wer Ohren hat, der höre.»

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine Zeitenwende in der deutschen Energiepolitik ausgelöst. Bisher liegt der Anteil russischer Importe an fossilen Gasimporten nach Deutschland bei rund 55 Prozent. Deswegen hat Habeck ein Embargo russischer Lieferungen vehement abgelehnt und vor schweren Schäden für die deutsche Wirtschaft gewarnt.

Der Ausweg soll nun sein: die Lieferstruktur diversifizieren, also auf eine breitere Basis stellen - und nicht nur vor allem auf eine Karte setzen. «Der Weg besteht aus ganz vielen Meilensteinen», sagte Habeck. Deswegen war der Minister schon in Norwegen, hat nach eigenen Worten schon Gespräche mit Kanada geführt - und ist an diesem Wochenende nach Katar gereist. Denn das Emirat ist einer der weltweit größten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG). Katar liefert bisher vor allem nach Asien, will seine Kapazitäten in den kommenden Jahren aber stark ausweiten.

Die Reise sei ausgelöst worden, weil ihm bekannt sei, dass deutsche Firmen in Vertragsverhandlungen mit katarischen Unternehmen seien, sagte Habeck. Diese Verhandlungen aber hätten noch einen «motivatorischen Schubs» gebraucht.

Katar ist ein wichtiger Standort

Habeck sieht sich als «Türöffner» für die deutsche Wirtschaft - und sein Programm in Doha kann sich sehen lassen. Er traf sich neben dem Emir mit dem Wirtschaftsminister, dem Außenminister und dem Energieminister. Als Zeichen der Wertschätzung wird das in der deutschen Delegation bewertet - in der auch zahlreiche hochrangige Manager vertreten sind: die Chefin von Thyssenkrupp etwa oder die Chefs von Bayer und Siemens Energy.

RWE-Chef Markus Krebber sagt, die Region und Katar in ganz Besonderem sei ein extrem wichtiger Standort für Energielieferungen für die ganze Welt und damit auch für Europa: «Da wir in Deutschland ja jetzt diversifizieren wollen, wird die Bedeutung noch einmal zunehmen.»

Katar ist ein Baustein in Habecks Strategie - die kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele umfasst. Kurzfristig sollen LNG-Lieferungen auch aus Katar dabei helfen, für den kommenden Winter die Gasversorgung in Deutschland zu sichern. Bisher sei dies nicht der Fall, so Habeck. Mittelfristig soll auch LNG-Gas aus Katar an geplanten deutschen LNG-Terminals etwa in Brunsbüttel anlanden - dazu braucht es Lieferverträge mit deutschen Unternehmen.

Das LNG-Gas ist zwar teurer als russisches Pipeline-Gas - niemand aber kann vorhersagen, wie es mit dem Krieg in der Ukraine weitergeht und ob Putin nicht doch den Gashahn zudreht. Deswegen soll ein eigenes LNG-Terminal auch eine Art Versicherung für eine stabile Energieversorgung Deutschlands sein.

Ausgerechnet ein Grünen-Minister muss auf Einkaufstour für Gas gehen - viele bei den Grünen würden lieber heute als morgen raus aus dem fossilen Energieträger. Auch deswegen betont Habeck vor seinem Abflug aus Doha nach Abu Dhabi, mehr Anstrengungen beim Energiesparen sei Bedingung für das geplante Entlastungspaket der Ampel. Habeck schaltet sich damit in die Debatte ein. Gasheizungen nannte er ein «Auslaufmodell».

Denn langfristig, und das ist das größte Ziel, will Deutschland komplett raus aus fossilen Energien. Bis 2045 soll die Klimaneutralität erreicht werden. Hier kommen auch die Vereinigten Arabischen Emirate ins Spiel, dort will Habeck am Montag Gespräche führen. Es geht um grünen Wasserstoff, der ohne CO2-Emissionen auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wird und die Dekarbonisierung etwa in der Stahl- und Chemieindustrie ermöglichen soll.

«Der Tag hat eine starke Dynamik bekommen»

Aber auch die Energiepartnerschaft mit Katar solle nicht nur LNG-Lieferungen umfassen, sagte Habeck nach seinem Treffen mit dem Emir Tamim bin Hamad Al Thani - sondern auch den Ausbau von erneuerbaren Energien sowie Maßnahmen zur Energieeffizienz. Auch Katar, das bisher vor allem auf sein Gas setzt, wolle sich wandeln. «Der Tag hat eine starke Dynamik bekommen», so Habeck. Die Unterstützung des Emirs sei über die Maßen stark gewesen und stärker als erwartet.

Eine einfache Reise aber ist es nicht für den deutschen Wirtschafts- und Klimaschutzminister. Habeck selbst spricht von einem diplomatisch «schwankenden Boden». Seit der umstrittenen Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft steht vor allem die Menschenrechtslage in dem autokratisch geführten Emirat im Fokus. Überall in Doha wird derzeit gebaut und gewerkelt, die Hauptstadt rüstet sich für die WM Ende des Jahres.

Es sind Bauarbeiter vor allem aus Indien, Bangladesch, Nepal und Pakistan - deren schwierige Arbeitsbedingungen Habeck nach eigenen Worten bei seinem Treffen mit den Scheichs ansprach. Die katarische Seite habe gesagt, sie wisse, was zu tun sei: «Es ist inakzeptabel, dass Menschen hier in Armut leben und ausgebeutet werden.»

Katar sei das erste arabische Land, das einen Mindestlohn eingeführt habe, Arbeitnehmer müssten nicht mehr in der prallen Mittagshitze arbeiten. Die Frage aber ist, wie solche Reformen umgesetzt werden.

Energie / Konflikte / Krieg / Gas / Robert Habeck / Deutschland / Katar / Vereinigte Arabische Emirate
20.03.2022 · 18:46 Uhr
[65 Kommentare]
Frachter vor Phuket gesunken
Bangkok (dpa) - Nach der Havarie eines Frachters vor der Südküste der bei Urlaubern beliebten thailändischen Insel Phuket sind Medienberichten zufolge 16 Seeleute gerettet worden. Die unter panamaischer Flagge fahrende «Sealloyd Arc» habe am Samstag auf dem Weg von Malaysia nach Bangladesch Schlagseite bekommen und sei dann etwa fünf Kilometer vor der Küste gesunken, hieß es unter Berufung auf […] (00)
vor 8 Minuten
Sasha
(BANG) - Sasha ist davon überzeugt, dass ihn Dick Brave einst gerettet hat. Der Sänger schaffte 1998 mit dem Hit 'If You Believe' den großen Durchbruch. Plötzlich war er ein international erfolgreicher Popstar und Teenie-Schwarm. Fünf Jahre lang habe er auf der Überholspur gelebt, erzählte Sasha im Gespräch mit 'Bunte'. Doch das hohe Pensum forderte […] (01)
vor 4 Stunden
Super Bowl als KI-Schlachtfeld: Anthropic attackiert OpenAI wegen ChatGPT-Werbung
Angriff in der Prime Time Während des Super Bowl LX – mit erwarteten rund 120 Millionen Zuschauern – sendet Anthropic einen 30-Sekunden-Spot, der unverkennbar auf OpenAI zielt. Die Botschaft ist klar formuliert: „Ads are coming to AI. But not to Claude.“ Claude ist Anthropics eigener Chatbot. Der Spot karikiert die Vorstellung, dass KI-Assistenten […] (01)
vor 4 Stunden
ARC Raiders bringt beliebtes Feature zurück: Cold Snap kehrt im Februar zurück
Fans von ARC Raiders dürfen sich auf eine der härtesten und zugleich beliebtesten Gameplay-Varianten freuen. Entwickler Embark Studios hat bestätigt, dass der Kartenmodifikator Cold Snap am 10. Februar wieder Teil der regulären Rotation wird. Damit kehrt ein Feature zurück, das das Spielgefühl deutlich verändert und vor allem bei Hardcore-Spielern […] (00)
vor 6 Stunden
«planet e.» nimmt Delfine, Wale und Haie ins Visier
Die ZDF-Umweltdokumentation beleuchtet am 15. März die globalen Konflikte rund um Meeresschutz und Ausbeutung. Mit der neuen Ausgabe planet e. zum Thema „Delfine, Wale und Haie im Visier“ widmet sich das ZDF einem der drängendsten Umweltkonflikte unserer Zeit. Der von Andreas Ewels realisierte Film ist am Sonntag, 15. März 2026, um 15.30 Uhr im ZDF zu sehen und thematisiert den weltweiten […] (00)
vor 2 Stunden
Olympische Winterspiele 2026
Mailand (dpa) - Zwei Medaillen schon im ersten Ski-Event, ein Sensations-Gold samt süßem Familien-Jubel und weiteres Edelmetall in Cortina, Livigno und Antholz: So hatten sich die Gastgeber den Auftakt ihrer großen Olympia-Party vorgestellt. «Mamma, was für ein Italien», schwärmte die «Gazzetta dello Sport» auf der Titelseite über einem Foto von […] (00)
vor 19 Minuten
kostenloses stock foto zu bargeldersatz, bitcoin, bitcoin-einführung
Das Pi Network, ein umstrittenes Krypto-Projekt, wurde vor über einem halben Jahrzehnt ins Leben gerufen, aber der offizielle Start des nativen Tokens erfolgte erst vor knapp einem Jahr. Seitdem hat das Kernteam zahlreiche Updates veröffentlicht, sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt und versucht, einige der trägen Systeme zu verbessern. Die […] (00)
vor 58 Minuten
Durchbruch in der Peptidentwicklung? LIR Life Sciences setzt Innovations-Roadmap fort
Lüdenscheid, 08.02.2026 (PresseBox) - LIR Life Sciences Corp. (ISIN: CA50206C1005 | WKN: A41QA9), LIR oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass es mit “Neuland Laboratories Limited” (“Neuland”) im Rahmen der bestehenden Dienstleistungsvereinbarung zwischen den Parteien (siehe Pressemitteilung vom 8. Januar 2026) mit den Aktivitäten zur […] (00)
vor 5 Stunden
 
Fahne von Japan (Archiv)
Tokio - Bei der Parlamentswahl in Japan hat die Regierungspartei LDP laut ersten […] (00)
Gewalttat in München-Giesing
München (dpa) - Eine Frau ist in ihrem Reihenhaus in München getötet worden. Die […] (00)
Demonstration für Freiheit im Iran
Berlin (dpa) - Aus Protest gegen die autoritäre Regierung in Teheran und für […] (00)
Katherina Reiche (Archiv)
Berlin - Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat bekräftigt, dass die […] (10)
Michael Keaton
(BANG) - Michael Keaton hat Catherine O’Hara eine Woche nach ihrem überraschenden Tod […] (00)
NVIDIA pausiert 2026: RTX 6000 soll angeblich erst 2028 erscheinen
Der Grafikkartenmarkt könnte vor einer überraschenden Zäsur stehen. Laut einem neuen […] (00)
Under Armour überrascht mit Gewinn – Prognose angehoben, Aktie reagiert positiv
Gewinn statt Verlust – operative Trendwende zeichnet sich ab Im dritten Quartal […] (00)
Olympische Winterspiele 2026
Antholz (dpa) - Das deutsche Biathlon-Team hat den Medaillenfluch in der Mixed- […] (00)
 
 
Suchbegriff