Grüne im Südwesten: Özdemir als Hoffnungsträger, Weichenstellungen unklar
Cem Özdemir hat sich sicherlich zu einer der Schlüsselfiguren entwickelt, wenn es um die Zukunft der Grünen im Südwesten geht. Der anatolische Schwabe und erfahrene Politiker ist als Ministerpräsidentenkandidat populär und stellt eine ernstzunehmende Konkurrenz für den CDU-Kandidaten Manuel Hagel dar.
Doch während Özdemirs persönliche Beliebtheit beeindruckt, stellen die Parteilinien der Grünen vor Herausforderungen, die mit Charisma allein schwer zu überwinden sind. Die Wiederwahl von Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller als Parteichefs sorgt wenig für Aufsehen — Namen, die vielen außerhalb des politischen inner circle weitgehend unbekannt sind. Ebenso bleibt die Bekanntheit der grünen Minister im Kabinett Kretschmann überraschend niedrig, was angesichts von 15 Jahren grüner Regierungspräsenz Fragen aufwirft.
Hinzu kommt, dass Özdemir aktuell ein Rückstand von rund zehn Prozentpunkten auf die CDU fehlt, um realistische Nachfolgechancen zu haben. Auf dem Weg zur Wahl erscheint es wenig wahrscheinlich, dass gravierende Fehler der CDU noch eine Wende ermöglichen. Der Einsatz und die Strategie der Grünen müssen durchdacht sein, um über die bestehende Parteibrille hinaus Anklang zu finden.

