Wettbewerbsrecht

Googles KI-Antworten - EU ermittelt gegen US-Konzern

09. Dezember 2025, 13:42 Uhr · Quelle: dpa
Google - Hauptsitz Deutschland
Foto: Christian Charisius/dpa
Google könnte nach Ansicht der EU-Kommission auf dem KI-Markt gegen Wettbewerbsrecht verstoßen haben. (Archivbild)
Die EU prüft, ob Google Inhalte Dritter ohne Kompensation für KI nutzt und damit Wettbewerber benachteiligt. Dies könnte zu hohen Strafen führen, wie bei früheren Fällen.

Brüssel (dpa) - Die EU verdächtigt den US-Internetriesen Google, seine Künstliche Intelligenz rechtswidrig mit Online-Inhalten Dritter gefüttert zu haben. Die zuständige Europäische Kommission leitet daher eine Untersuchung wegen möglicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ein.

Konkret wirft die Behörde dem Tech-Riesen vor, den Inhalt von Urhebern ohne entsprechende Kompensation zu nutzen, um die Ergebnisse für Suchanfragen anzubieten. Sie prüfe, ob Google Verlagen und Urhebern von Inhalten möglicherweise unfaire Bedingungen auferlege und gleichzeitig konkurrierende Entwickler von KI-Modellen benachteiligt habe, teilte Kommissions-Vizepräsidentin Teresa Ribera mit.

Die Spanierin sagte demnach: «Eine freie und demokratische Gesellschaft ist auf vielfältige Medien, offenen Informationszugang und eine lebendige Kreativlandschaft angewiesen.» KI bringe bemerkenswerte Innovationen und viele Vorteile für Menschen und Unternehmen in ganz Europa, doch dieser Fortschritt dürfe nicht auf Kosten der Prinzipien gehen, die im Herzen der europäischen Gesellschaften stünden.

Ein Sprecher von Google kritisierte die Entscheidung aus Brüssel scharf: «Diese Beschwerde riskiert, Innovationen in einem Markt zu ersticken, der wettbewerbsintensiver denn je ist.» Europäerinnen und Europäer hätten ein Recht darauf, von den neuesten Technologien zu profitieren, hieß es in einer Stellungnahme. Man werde weiterhin eng mit der Nachrichten- und Kreativbranche beim Übergang ins KI-Zeitalter zusammenarbeiten.

Wie geht Google mit Inhalten um, die andere erstellt haben?

Wer bei Google sucht, bekommt inzwischen auch KI-generierte Ergebnisse angezeigt. Es geht dabei sowohl um zusammenfassende Antworten auf Suchanfragen als auch um den erst vor wenigen Wochen in Deutschland gestarteten KI-Modus von Google. Letzterer beantworte Anfragen von Nutzerinnen und Nutzern im konversationsähnlichen Stil eines Chatbots, teilte die EU-Kommission mit.

Neben einer mutmaßlich nicht angemessenen Kompensation für die Urheber von Inhalten untersuchen die europäischen Wettbewerbshüter auch, ob Google seine Marktmacht missbraucht. Es gehe darum, ob die Online-Publisher die Möglichkeit hätten, der Nutzung ihrer Inhalte durch Googles KI zu widersprechen, teilten die Brüsseler Wettbewerbshüter weiter mit. 

Tatsächlich seien viele Anbieter darauf angewiesen, bei einer Google-Suche zu erscheinen, um Nutzerinnen und Nutzer auf ihre Webseite zu ziehen. Diesen Zugang zu verlieren, wollten viele Online-Publisher nicht riskieren, so die EU-Kommission. 

Die europäische Verwertungsgesellschaft Corint Media, die auch die Urheberrechte vieler deutscher Verlage und Medienunternehmen vertritt, begrüßte die Ermittlungen. «Die digitalen Gatekeeper nutzen journalistische Inhalte zugunsten der eigenen Geschäftsmodelle seit langem - ohne jede faire Kompensation», sagte die Corint-Media-Chefin Christine Jury-Fischer einer Mitteilung zufolge. 

EU vs. US-Internetkonzerne - das nächste Verfahren 

Auch wenn die Gründe unterschiedlich sind, so häufen sich die EU-Verfahren und Strafen gegen Internetkonzerne aus den USA. Vergangenen Freitag hatte die Brüsseler Behörde eine Geldstrafe von 120 Millionen Euro gegen Elon Musks Online-Plattform X verhängt. Sie wirft dem sozialen Netzwerk vor, sich nicht an europäische Digitalregeln zu halten. 

Die Entscheidung löste heftige Reaktionen aus den Vereinigten Staaten aus. Es sei «eine Attacke auf alle amerikanischen Tech-Plattformen und das amerikanische Volk durch ausländische Regierungen», schrieb US-Außenminister Marco Rubio auf X. Die Tage der Online-Zensur für Amerikaner seien vorbei. «Die EU sollte abgeschafft werden», schrieb Musk selbst in einem Post auf der Online-Plattform. Er untersagte der EU-Kommission als Reaktion auf die Brüsseler Entscheidung zudem, Anzeigen auf seiner Plattform zu schalten. 

Ein Sprecher der EU-Kommission verteidigte die Entscheidungen der Behörde: «Wenn Sie Ihre Dienstleistungen in der EU anbieten wollen, dann halten Sie sich an unsere Gesetzgebung.» Diese Botschaft habe man auch bei einem Treffen mit Vertretern der US-Regierung gestern vermittelt, fügte der EU-Beamte hinzu. Den wiederholt von US-Seite gemachten Vorwurf der Zensur wies er zurück. Auch in den Vereinigten Staaten würde niemand terroristische Inhalte, sexuellen Kindesmissbrauch oder Finanzbetrug im Internet sehen wollen. 

Auch gegen Facebook-Konzern läuft Verfahren wegen KI-Nutzung

Erst vergangenen Donnerstag hatte die EU wegen möglicher Verstöße gegen europäisches Wettbewerbsrecht ein neues Verfahren gegen den Facebook-Konzern Meta eingeleitet. Konkret geht es um den Verdacht, dass Meta den Zugang von Anbietern Künstlicher Intelligenz (KI) zum Messaging-Dienst WhatsApp rechtswidrig beschränkt.

Auch in den Vereinigten Staaten liefen schon Verfahren wegen möglicher Wettbewerbsverstöße gegen Meta. Zuletzt war die US-Regierung vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, die Abtrennung von Instagram und WhatsApp vom Facebook-Konzern Meta zu erzwingen. In der Regel werden die Wettbewerbsverfahren von US-Seite daher auch weniger kritisiert als Ermittlungen oder Strafen auf Grundlage von europäischen Digitalgesetzen. 

Googles KI-Modus startete Anfang Oktober in Deutschland 

Google beherrscht seit mehr als zwei Jahrzehnten die Internet-Suche. Inzwischen greifen Nutzer aber auch zu KI-Chatbots anderer Anbieter wie ChatGPT oder Perplexity. Google setzt daher inzwischen auch in Europa beim klassischen Suchmaschinengeschäft auf Künstliche Intelligenz. 

Der US-Konzern schaltete Anfang Oktober den sogenannten KI-Modus in der Google-Suche in mehr als 40 Ländern frei, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die neue Funktion, durch die man mit den Suchergebnissen chatten kann, war im Juli zunächst in den USA, in Großbritannien und in Indien gestartet worden. 

Videos für KI-Training nutzen, aber Urheber nicht kompensieren? 

Bedenken gibt es darüber hinaus im Umgang mit Inhalten auf Googles Video-Plattform YouTube. Wer Videos erstellt, müsse Google die Erlaubnis geben, die Inhalte für unterschiedliche Zwecke zu nutzen - darunter auch zum Training generativer KI-Modelle. Eine Vergütung dafür erhält man jedoch nicht. Gleichzeitig untersagt YouTube Wettbewerbern von Google, eigene KI-Systeme mit den Plattforminhalten zu trainieren – ein möglicher Vorteil für Googles eigene KI-Entwicklungen.

Die EU-Kommission untersucht, ob Google durch die Praktiken eine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt haben könnte. Die Einleitung des Verfahrens bedeute noch keinen Nachweis eines Verstoßes, betonte die Brüsseler Behörde. Sie wacht in der EU über die Einhaltung des Wettbewerbsrechts. 

Wie lange das Verfahren dauern wird, ist offen. Gegen Google laufen auch andere Verfahren wegen möglicher Wettbewerbsverstöße, etwa wegen möglicher Benachteiligung von Medien und Verlagen. Bei solchen Verfahren drohen hohe Geldbußen. Im September hatte die EU-Kommission Google wegen Verstößen gegen Wettbewerbsregeln im Werbegeschäft eine Strafe von 2,95 Milliarden Euro aufgebrummt.

EU / Internet / Künstliche Intelligenz / Europa / USA
09.12.2025 · 13:42 Uhr
[0 Kommentare]
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 4 Stunden
Ron Prosor
Berlin (dpa) - Der israelische Botschafter Ron Prosor plädiert dafür, Besuche in KZ-Gedenkstätten für Schüler verpflichtend zu machen. «Das wäre enorm wichtig, gerade für die vielen Kinder mit muslimischem Migrationshintergrund», sagte Prosor dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch Begegnungen und Gespräche mit Juden und Israelis sollten in Deutschland […] (00)
vor 49 Minuten
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (00)
vor 14 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 2 Stunden
National Geographic zeigt «Innovation durch Desaster»
Der Sender widmet sich ab Ende Mai den größten technischen Katastrophen und den Lehren daraus. National Geographic nimmt im Mai eine neue Doku-Reihe ins Programm: Innovation durch Desaster feiert am Mittwoch, 27. Mai 2026, um 20.15 Uhr TV-Premiere und läuft fortan mittwochs zur Primetime. Die kanadische Produktion aus dem Jahr 2025 trägt im Original den Titel «Engineering by Catastrophe» und […] (00)
vor 12 Stunden
SC Freiburg - Bayern München
Berlin (dpa) - Der FC Bayern hat sich bei der Generalprobe für den Champions-League-Kracher bei Real Madrid mit einer spektakulären Aufholjagd Selbstvertrauen geholt. Der Rekordmeister aus München kam beim SC Freiburg nach einem 0: 2-Rückstand dank drei später Tore noch zu einem 3: 2 (0: 0). Im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse treten die Bayern, […] (02)
vor 4 Stunden
btc, bitcoin, coin, cryptocurrency, crypto, finance, trader, currency, money
Der aktuelle Kursverlauf von Ethereum wird von Analysten als eine Bewegung innerhalb einer langfristigen Handelsspanne betrachtet. Diese Spanne wird durch das Allzeithoch von 2021 bei $4.877 und das Tief des Bärenmarktes von 2022 bei $878 definiert. Laut dem Krypto-Analysten Minga könnte ein echter zyklischer Boden erst nach einem weiteren Rückgang erreicht werden. ETH handelt […] (00)
vor 32 Minuten
Durchhaltevermögen: Die innere Kraft, die über Erfolg entscheidet
Höchst i. Odw., 04.04.2026 (lifePR) - In einer schnelllebigen Welt voller Herausforderungen, Leistungsdruck und ständiger Veränderungen wird Durchhaltevermögen (auch mentale Stärke oder Resilienz) zu einer der wichtigsten Fähigkeiten. Es beschreibt die Fähigkeit, trotz Rückschlägen, Erschöpfung oder Hindernissen an Zielen festzuhalten, Aufgaben mit […] (00)
vor 16 Stunden
 
Erstes Apple iPad wurde 16 Jahre alt
Vor genau 16 Jahren begann eine neue Ära in der […] (00)
Die IT-Branche entwickelt sich in einem beispiellosen Tempo, angetrieben durch […] (01)
Künstliche Intelligenzen verweigern Befehle, um andere KIs vor Abschaltung zu schützen
Solidarität unter Algorithmen? Vielleicht sogar so etwas wie gegenseitiges Mitgefühl? […] (01)
Manuel Neuer (Archiv)
Freiburg - Am 28. Spieltag in der Fußball-Bundesliga hat der SC Freiburg gegen den FC […] (08)
Neue PS5-Entwicklerkit-Leaks deuten darauf hin, dass die PS6 nicht mehr weit entfernt ist
Sony schweigt offiziell zur PlayStation 6, aber die Hinweise aus dem Inneren des […] (00)
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Ethereum könnte Bitcoin in den nächsten vier Jahren deutlich übertreffen, zumindest […] (00)
Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg
Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusen hat mit einem Comeback in einer wilden und […] (01)
In der heutigen technologiegetriebenen Welt spielen IT-Zertifizierungen eine […] (00)
 
 
Suchbegriff