Investmentweek

Goodbye BMW, Hello Lyft: Freenow wird amerikanisch

10. August 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
BMW und Mercedes verkaufen ihre Mobilitätsplattform Freenow – ausgerechnet an Lyft. Was wie ein strategischer Rückzug aussieht, ist zugleich ein Angriff auf den europäischen Taximarkt. Doch die neuen Partner ticken unterschiedlich – und das birgt Sprengstoff.

Wenn der Taxischreck übernimmt

Die Ironie ist kaum zu übersehen: Jahrzehntelang verkörperten BMW und Mercedes das Ideal deutscher Ingenieurskunst, bauten Premiumautos und versuchten, das Image des perfekten Fahrens gleich mitzuliefern.

Doch ausgerechnet im Zukunftsfeld der urbanen Mobilität geben die beiden Hersteller jetzt kleinlaut auf. Für gerade einmal 175 Millionen Euro verkaufen sie ihre Plattform Freenow – einst als Hoffnungsträger einer mobilitätsgetriebenen Ära gefeiert – an Lyft, den ewigen Zweiten hinter Uber in den USA.

Für BMW und Mercedes ist es das Eingeständnis eines milliardenschweren Scheiterns. Für Lyft: ein riskanter Schritt auf unbekanntes Terrain.

Milliardengrab mit Ansage

Der Traum begann 2019. Unter dem Label „YourNow“ wollten Daimler und BMW mit Mobilitätsdiensten wie ParkNow, ShareNow und eben Freenow nichts weniger als den städtischen Verkehr revolutionieren – mit smarter Software statt Blech.

Doch die Realität war bitter: Die Plattformen verbrennen über Jahre hinweg Geld, die Strategien ändern sich, die Kunden bleiben aus. Laut veröffentlichten Zahlen machte Freenow allein 2021 und 2022 zusammen über eine Milliarde Euro Verlust.

Was von außen wie ambitionierte Zukunftsplanung aussah, war intern offenbar ein unübersichtliches Konglomerat aus unklarer Führung, gegensätzlichen Konzerninteressen – und einer schwachen Plattform.

Lyft übernimmt – aber warum eigentlich?

Die Antwort ist komplexer als es zunächst scheint. Lyft, gegründet 2012, ist in den USA längst zum Synonym für urbane Fahrdienste geworden – wenn auch immer in Ubers Schatten. Der Konzern leidet unter sinkenden Margen, wachsenden Lohnforderungen und dem heraufziehenden Wettstreit mit autonomen Robotaxis.

Mit Freenow holt sich CEO David Risher nun Zugriff auf ein funktionierendes Netzwerk in Europa – mit knapp 180 Städten in neun Ländern. Der Clou: Freenow vermittelt nicht nur Fahrdienste, sondern arbeitet eng mit klassischen Taxizentralen zusammen. Genau das, was Lyft in den USA eher bekämpft als integriert.

Lyft übernimmt Freenow – doch das defizitäre Geschäftsmodell und die komplizierte Regulierung des europäischen Taximarkts bleiben eine offene Baustelle.

Zwei Kulturen, ein Unternehmen – kann das gutgehen?

Freenow-CEO Thomas Zimmermann gibt sich betont gelassen. Der Deal sei „partnerschaftlich“ gelaufen, das „Mindset“ zwischen Lyft und Freenow sei überraschend ähnlich. Doch wer zwischen den Zeilen liest, merkt: Die kulturellen Unterschiede könnten kaum größer sein.

Während Lyft für aggressives Silicon-Valley-Wachstum, schnelle Produktzyklen und hartes Kostenmanagement steht, agiert Freenow bislang eher als digitalisierte Ergänzung zum bestehenden Taxigewerbe. Wo Lyft auf autonome Fahrzeuge setzt, betont Zimmermann die Bedeutung der „Fahrerbedürfnisse“.

Spätestens wenn Lyft wie angekündigt mit Baidu-Robotaxis in Europa durchstarten will – schon 2026 –, dürfte dieser Spagat zum Stresstest werden.

Lyft will mehr – und zwar schnell

Lyft-CEO Risher gilt als durchsetzungsstark, im Zweifel auch gnadenlos. In den USA ist er bekannt dafür, Lohnerhöhungen für Fahrer kategorisch abzulehnen, auch wenn die Gewerkschaften Druck machen. Wer glaubt, Freenow bleibe unter dem neuen Besitzer langfristig ein gemütliches europäisches Mobilitätslabor, dürfte sich täuschen.

Denn Lyft steht selbst unter massivem Druck: Die Konkurrenz durch Waymo, Uber und selbst chinesische Anbieter wie Didi oder Baidu zwingt den Konzern, neue Umsatzquellen zu erschließen. Europa ist für Lyft also kein netter Zusatzmarkt, sondern Teil einer notwendigen Expansionsstrategie. Und Freenow? Nur ein Mittel zum Zweck?

Steht Freenow eine stillschweigende Zerschlagung bevor?

Noch klingt alles friedlich. Der Name Freenow bleibt, ergänzt um „by Lyft“. Das Team bleibt ebenfalls, sagt Zimmermann. Aber selbst er weiß: Das kann sich schnell ändern.

Der Hamburger CEO deutet bereits an, dass mittelfristig auch eine einheitliche globale Marke denkbar sei – ein stiller Abgesang auf das eigenständige Freenow, sollte die Integration Fahrt aufnehmen.

Zudem bleibt die Frage offen, wie lange Lyft sich mit Freenows betont partnerschaftlichem Kurs gegenüber dem Taxigewerbe zufrieden gibt. Dass ausgerechnet ein Unternehmen, das sich in den USA jahrelang juristische Scharmützel mit Taxiverbänden geliefert hat, plötzlich europaweite Kooperationen mit ihnen eingeht, wirkt nicht nur widersprüchlich – es riecht nach Übergangstaktik.

Ein europäisches Labor für amerikanische Ambitionen

Freenow wird zum Experimentierfeld. Eine Art Probelauf für Lyfts Pläne in hochregulierten, fragmentierten Märkten. Der Angriff auf Europas urbane Mobilität hat begonnen – nur diesmal nicht mit deutschen Autos, sondern mit amerikanischem Kapital und chinesischer Robotaxitechnologie.

Und während BMW und Mercedes sich wieder ihrem Kerngeschäft widmen, steht in Hamburg ein Unternehmen, das beweisen muss, dass Profitabilität und Partnerschaft mit Fahrern kein Widerspruch sind. Thomas Zimmermann ist ein erfahrener Manager – doch ob sein Spagat zwischen Lyft-Wachstumsdruck und europäischer Realität dauerhaft gelingt, ist alles andere als sicher.

Finanzen / Märkte
[InvestmentWeek] · 10.08.2025 · 14:00 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, cryptocurrency, finance, blockchain, money, currency, crypto, coin, digital, virtual
Der Bitcoin-Kurs fiel gestern unter die Marke von $76.000, hat sich jedoch seitdem um über $1.000 erholt, im Vorfeld des heutigen FOMC-Treffens. Auch die meisten größeren Altcoins verzeichnen heute leichte Kursgewinne. Ethereum hat die Marke von $2.300 zurückerobert, während BNB die $625-Marke verteidigt. Dogecoin ist der größte Gewinner unter diesen […] (00)
vor 22 Minuten
Kriegsende-Gedenken - Russland - Siegesparade am 9. Mai
Moskau (dpa) - Aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen findet die traditionelle Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau in diesem Jahr ohne Panzer und Raketen statt. Die Vorführung von Militärtechnik am 9. Mai entfalle wegen der «operativen Lage», teilte das Verteidigungsministerium in der russischen Hauptstadt mit. «Vor dem Hintergrund der […] (03)
vor 4 Minuten
Taylor Swift
(BANG) - Taylor Swift hat ihre Fans als "ein bisschen seltsam" bezeichnet, weil sie mit "Detektivarbeit" herauszufinden versuchen, über wen sie in ihren Songs schreibt. Die Sängerin ist dafür bekannt, dass sie ihr Privatleben als Inspiration für ihre Songs nutzt, und ihre treuen Fans verbringen viel Zeit damit, ihre Texte zu entschlüsseln, um […] (00)
vor 2 Stunden
Facebook-Gründer Zuckerberg
Brüssel (dpa) - Facebook und Instagram schützen Kinder nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen der EU-Kommission nicht ausreichend vor den Gefahren ihrer Angebote. Die Brüsseler Internetwächter verlangen von den Plattformen, das selbst in den Nutzungsbedingungen festgelegte Mindestalter von 13 Jahren durchzusetzen, ansonsten droht dem Mutterkonzern Meta […] (00)
vor 19 Minuten
Legendäres Abenteuer für die Hosentasche: Guild Wars Reforged erobert im Sommer mobile Endgeräte
Wer hätte damals im Jahr 2005 gedacht, dass die prachtvollen Landschaften Tyrias eines Tages in die eigene Hosentasche passen würden? Das renommierte Online Rollenspiel Guild Wars Reforged macht diesen gewaltigen Sprung und landet in der kommenden Sommerzeit auf den Bildschirmen von iPhone und Android Smartphones. Diese Portierung verspricht weit mehr […] (00)
vor 3 Minuten
rbb begeht 80 Jahre DEFA
Das Spektrum reicht von Komödie bis Drama, von staatlicher Auftragsarbeit bis zu verbotenen Filmen, von konventioneller Massenware bis zu internationalen Werken. Vor 80 Jahren, am 17. Mai 1946, wurde in Potsdam-Babelsberg die Deutsche Film AG (DEFA) gegründet. Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1992 entstand dort ein historisches filmisches Werk: rund 700 Spielfilme, etwa 2.500 Dokumentar- und […] (00)
vor 1 Stunde
Paris Saint-Germain - Bayern München
Paris (dpa) - Erst klatschten sich die Bayern-Spieler gegenseitig ab, dann umarmten sie ihre Kontrahenten von Paris Saint-Germain nach einem atemberaubenden Spektakel. Frei nach dem Motto: Bis zum nächsten Fußball-Fest in München, wo am kommenden Mittwoch die Entscheidung um den Königsklassen-Finaleinzug fällt. Nach dem irren 4: 5 (2: 3) der Bayern […] (10)
vor 1 Stunde
Sichere Materialverfügbarkeit für Projekte
Leipzig / Halle, 29.04.2026 (PresseBox) - In der Photovoltaik-Installation entscheidet die richtige Materialverfügbarkeit über den Projekterfolg. Fehlende Module, falsche Kabel oder nicht auffindbare Wechselrichter führen zu Verzögerungen auf der Baustelle – und kosten Zeit, Geld und Nerven. Die Lagerverwaltungssoftware von COSYS sorgt dafür, dass Ihr […] (00)
vor 1 Stunde
 
Diplomatische Bemühungen und Marktreaktionen Während die USA und der Iran in erneute […] (00)
Robuste Finanzperformance Die neuesten Finanzergebnisse von Grupo Televisa SAB […] (00)
Strategische Investition in Infrastruktur In einem Schritt, der ein Bekenntnis zu […] (00)
Instagram-Logo auf einem Smartphone (Archiv)
Brüssel - Die Europäische Kommission hat vorläufig festgestellt, dass Meta mit seinen […] (00)
DRM-Wirrwarr: Müssen PlayStation-Spieler bald alle 30 Tage online gehen?
Seit Tagen macht ein heikles Thema in der PlayStation-Community die Runde: Digitale […] (00)
Nächstes Einsteiger-iPad könnte einen neuen Namen erhalten
Vor über einem Jahr hat Apple das letzte Standard-iPad auf […] (00)
ATP-Tour - Madrid
Madrid (dpa) - Tennisstar Alexander Zverev hat in einer Nachschicht das Viertelfinale […] (01)
Jacob Elordi
(BANG) - Jacob Elordis 'Euphoria'-Figur Nate wird ein Zeh abgeschnitten, nachdem er […] (00)
 
 
Suchbegriff