Globale Verhandlungen über Plastikmüll scheitern vorerst – ein Rückschritt mit Folgen
Die lang erwarteten Verhandlungen über ein weltweites Abkommen zur Eindämmung von Plastikmüll sind vorerst gescheitert. Trotz intensiver Bemühungen und drei Jahren zäher Diskussionen gelang es rund 180 Ländern während der Abschlusswoche in Genf nicht, einen konsensfähigen Vertragstext zu erarbeiten. Die Nachtkonsultationen blieben ergebnislos, und die abschließende Plenarsitzung am frühen Freitagmorgen endete ohne Einigung. Die Differenzen zwischen den teilnehmenden Staaten sind erheblich. Ein Vertragsentwurf, der alle verpflichtenden Klauseln vermissen ließ, stieß auf breite Ablehnung. Weder der am Freitagmorgen vorgelegte neue Entwurf noch alternative Vorschläge vermochten die Delegierten zu einen.
Wie es mit den Verhandlungen weitergeht, bleibt vorerst offen. Der Vertreter der Umweltstiftung WWF, Florian Tize, äußerte sich dennoch optimistisch: Ein nicht existierendes Abkommen sei besser, als einen Zustand zu fixieren, der die Plastik-Krise nur verwaltet. Im Kern der Kontroversen stehen die unvereinbaren Positionen der beteiligten Staaten. Mehr als 100 Länder, darunter Deutschland und die EU, haben sich unter der High Ambition Coalition zusammengeschlossen, um die Produktion auf ein nachhaltiges Maß zu reduzieren und Einwegplastik drastisch zu verringern. Demgegenüber pochen Rohstoffländer wie Saudi-Arabien, Iran und Russland, die sogenannte Like-Minded Group, auf ein verbessertes Abfallmanagement als Lösung.
Die Tragweite der Plastik-Krise spiegelt sich in alarmierenden Zahlen wider. Laut deutschem Umweltministerium hat sich die weltweite Kunststoffproduktion seit den 1970er Jahren drastisch erhöht. Bis 2050 könnte sie fast 600 Millionen Tonnen jährlich erreichen, falls keine Maßnahmen ergriffen werden. Plastikmüll gefährdet nicht nur Ökosysteme, sondern auch die menschliche Gesundheit, da Nano- und Mikroplastikpartikel in Organen und Gehirnen nachgewiesen werden.

