Globale Ungleichheit ruft nach sofortigem Handeln: Bericht von Ökonomen warnt vor bedrückender Vermögensverteilung
Ein eindringlicher Bericht von sechs renommierten Ökonomen unter der Leitung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph E. Stiglitz macht auf einen weltweiten 'Ungleichheitsnotstand' aufmerksam. Die reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung hätten in der Zeitspanne von 2000 bis 2024 nahezu die Hälfte des globalen Vermögenszuwachses an sich gezogen, heißt es in dem Dokument. Dies wurde im Vorfeld des bevorstehenden G20-Gipfels in Johannesburg veröffentlicht, der am 22. und 23. November stattfindet.
Laut dem Bericht fiel ein viel kleinerer Anteil des erwirtschafteten Wohlstands, nämlich nur ein Prozent, auf die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung. Dies bedeutet, dass das Durchschnittsvermögen der Reichsten um rund 1,3 Millionen Dollar gestiegen ist, während das entsprechende Vermögen der ärmeren Hälfte der Menschheit lediglich um 585 Dollar zugenommen hat. Zudem prognostiziert die Analyse, dass in den kommenden zehn Jahren eine Minderheit etwa 70 Billionen Dollar vererben wird.
Eklatante Einkommensunterschiede zwischen dem Globalen Norden und Süden bleiben bestehen. Bei 90 Prozent der Weltbevölkerung, das entspricht 83 Prozent aller Länder, sind laut Weltbank die Einkommensverhältnisse stark unterschiedlich. Diese Vermögensungleichheit bedrohe die Demokratie, den sozialen Zusammenhalt sowie das wirtschaftliche Wachstum. Länder mit größerer Ungleichheit seien empfänglicher für eine Verschlechterung ihres demokratischen Systems als solche mit einer ausgewogeneren Einkommensverteilung.
Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Konflikt und neue Handelszölle der USA hätten seit 2020 einen 'perfekten Sturm' ausgelöst, der Armut und Ungleichheit weiter verschärfe. Der Bericht schlägt die Einrichtung eines 'Internationalen Gremiums für Ungleichheit' vor, das politische Entscheidungsträger beraten und auf die Dringlichkeit dieser Krise aufmerksam machen soll, ähnlich wie es der Weltklimarat für die Klimakrise tut.
Auf nationaler Ebene raten die Autoren zu Wirtschaftreformen, die eine fairere Besteuerung internationaler Konzerne und sehr wohlhabender Personen beinhalten. Arbeitnehmerfreundlichere Regulierungen, eine stärkere Besteuerung großer Kapitalgewinne und Investitionen in öffentliche Dienstleistungen werden als wesentliche Maßnahmen hervorgehoben, um die Disparitäten zu verringern.
Der G20-Gipfel steht in diesem Jahr unter dem Leitmotiv 'Solidarität, Gleichheit und Nachhaltigkeit'. Die Mitgliedsstaaten repräsentieren 80 Prozent der Weltbevölkerung und mehr als 85 Prozent der globalen Wirtschaftskraft. Südafrika, als diesjähriger Gastgeber, plant sich auf die Schuldenminderung für Entwicklungsländer und eine gerechte Energiewende zu konzentrieren.

