Glanzliche Herausforderungen für Frankreichs neuen Premierminister: Lecornu im Rampenlicht
Frankreich sieht sich an einem politischen Scheideweg: Sébastien Lecornu, der jüngst ernannte Premierminister, steht bereits an seinem ersten Amtstag vor massiven Protestaktionen, die potenziell chaotisch enden könnten. Die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron muss dringend Mehrheiten im gespaltenen Parlament finden, während das hoch verschuldete Land auf einen neuen Sparhaushalt drängt. Lecornus blitzschnelle Ernennung durch Macron soll Stabilität bringen, steht jedoch vor großen Hürden.
Mit seinen 39 Jahren gilt Lecornu als jung und dynamisch und war ein enger Verbündeter Macrons als Verteidigungsminister. Einst Mitglied der Konservativen, trat er 2017 der Mitte-Regierung von Édouard Philippe bei und genießt in der politischen Landschaft Frankreichs ein gewisses Ansehen. Trotz seines gemäßigten Auftretens stößt seine Ernennung bei Linken und Rechtsnationalen auf teils heftige Ablehnung.
Um den Haushalt und zukünftige Entscheidungen zu formen, wird von Lecornu erwartet, dass er konstruktive Dialoge mit den unterschiedlichen politischen Kräften initiiert. Macron setzt seine Hoffnung auf die Verteidigung von Frankreichs Unabhängigkeit und Stärke als Basis für eine politische Einigung. Doch die Erstreaktionen aus den Oppositionskreisen sind wenig ermutigend. Linksgerichtete Gruppen fordern Misstrauensvoten und Warnungen, während von Rechts ein drohender Wechsel zu Jordan Bardella angedeutet wird.
In einem tief gespaltenen Parlament hat keiner der politischen Blöcke die Mehrheit, was das Regieren zu einem schwierigen Balanceakt macht. Vergangene Bemühungen, parteiübergreifende Einigungen zu erzielen, verliefen im Sande – eine Herausforderung, die auch Lecornu zu meistern haben wird.
Mit einem Defizitverfahren der EU am Horizont und einer Staatsverschuldung von 114 Prozent, fürchtet Frankreich um seine finanzielle Stabilität. Zwei vorangegangene Regierungen scheiterten bereits an Haushaltsfragen, was den Druck auf Präsident Macron enorm erhöht hat. Die Ernennung Lecornus könnte ein taktischer Zug Macrons sein, um sich selbst zu stabilisieren, jedoch bleibt abzuwarten, wie Lecornu die aufgeladenen Erwartungen und den erheblichen Widerstand in der Bevölkerung ausbalancieren wird.

