Giesecke+Devrient: Wachstum durch Krisen und Innovation im Zahlungsverkehr

Rekordaufträge trotz Herausforderungen
Der Münchner Sicherheitstechnik- und Banknotenhersteller Giesecke+Devrient (G+D) hat im vergangenen Jahr mit einem Auftragseingang von 3,6 Milliarden Euro den höchsten Wert in der Unternehmensgeschichte erzielt. Vorstandschef Ralf Wintergerst berichtete, dass dies einen Anstieg um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Obwohl der Umsatz um 1,3 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Euro stieg, sank der Nettogewinn aufgrund eines Steuereffekts um über drei Prozent auf 85 Millionen Euro.
Diversifiziertes Produktportfolio
Mit 14.500 Mitarbeitern ist G+D ein bedeutender Akteur in der Sicherheitsbranche, dessen Produkte im Alltag vieler Menschen eine Rolle spielen, ohne dass der Unternehmensname weitreichend bekannt ist. Neben der Bundesdruckerei ist G+D das einzige Unternehmen in Deutschland, das Euro-Banknoten druckt. Die Hightech-Sparte des Unternehmens gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie nicht nur Banknoten, sondern auch Sicherheitstechnologien für Behörden und die Telekommunikationsbranche sowie Softwarelösungen für Banken und Versicherungen anbietet.
Herausforderungen durch Quantencomputer
Wintergerst hebt hervor, dass alle drei Geschäftsbereiche des Unternehmens gut performen, insbesondere die digitale Sicherheit. Angesichts der Herausforderungen, die Quantencomputer mit sich bringen, ist es entscheidend, dass G+D seine Produkte entsprechend anpasst. "Wir müssen alle Produkte auf das Zeitalter der Quantencomputer vorbereiten", erklärt Wintergerst. Die höhere Rechenleistung dieser neuen Technologie könnte bestehende Verschlüsselungen gefährden, was längere Schlüssel und möglicherweise neue Chip-Architekturen erfordert.
Strategische Expansion im Finanzsektor
G+D plant, seine Dienstleistungen für die Finanzbranche auszubauen. Im Dezember übernahm das Unternehmen den Bereich Dienstleistungen für Bezahltechnologie von einer Tochtergesellschaft des Bundesverbands deutscher Banken. Wintergerst betont: "Wir werden kein Bezahldienstleister, aber wir bieten Lösungen für die Authentifizierung von Bezahltransaktionen an." Diese strategische Entscheidung könnte das Umsatzpotenzial des Unternehmens weiter steigern und den Shareholder Value erhöhen.
Bargeld bleibt gefragt
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ist Bargeld nach wie vor eine gefragte Zahlungsmethode. G+D verzeichnete 2022 den höchsten Auftragsbestand im Bereich Banknoten seiner Geschichte. "Wenn die Unsicherheit steigt, greifen viele Menschen auf Bargeld zurück", erläutert Wintergerst. Besonders der Euro und der Dollar werden von den Menschen bevorzugt, da sie sich nicht auf inflationsgefährdete Währungen verlassen wollen.
Ausblick auf weiteres Wachstum
Trotz eines globalen Trends, der einen Rückgang des Bargeldanteils im Zahlungsverkehr zeigt, ist die Bargeldmenge laut Bundesbank in den letzten Jahren gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass viele Menschen Bargeld als sichere Wertanlage betrachten. Mit einem hohen Auftragsbestand blickt die G+D-Chefetage optimistisch auf das laufende Jahr und rechnet mit weiterem Umsatzwachstum. Diese Perspektive könnte nicht nur das Unternehmenswachstum fördern, sondern auch den Wert für die Aktionäre steigern.

