Gerry Weber verschwindet aus den Innenstädten – Marke wird von spanischem Familienkonzern übernommen
Der ostwestfälische Modehersteller Gerry Weber gibt den stationären Handel in Deutschland vollständig auf. Die verbliebenen rund 40 Filialen und Outlets werden in den kommenden Monaten geschlossen. Damit endet nach Jahrzehnten die Präsenz der Marke in deutschen Innenstädten. Zuvor war bereits ein Großteil des Filialnetzes abgewickelt worden – allein 2023 verschwanden 122 Läden, 450 Stellen wurden gestrichen.
Die Marke Gerry Weber bleibt jedoch erhalten: Die spanische Victrix-Gruppe übernimmt den insolventen Modeanbieter. Künftig soll das Sortiment über Multibrand-Händler vertrieben werden, die auch andere Marken führen. Die Produktion, Logistik und Markenführung werden vollständig in die Strukturen von Victrix integriert. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Mit der Übernahme will Victrix, bekannt durch die Damenmarke Punt Roma, ihre Position im gehobenen Mittelpreissegment stärken. Zielmärkte sind vor allem Mittel- und Osteuropa, wo Gerry Weber laut Victrix-Management eine starke Markenbekanntheit genießt. Für die Kundinnen soll die Umstellung möglichst geräuschlos verlaufen.
Die Insolvenz von Gerry Weber reiht sich ein in eine Serie von Pleiten in der deutschen Mode- und Einzelhandelslandschaft. Galeria, Esprit und Sinn meldeten zuletzt ebenfalls Insolvenz an. Die Ursachen liegen im stark rückläufigen Konsum, steigenden Kosten und den Nachwirkungen der Corona-Pandemie, die den stationären Textilhandel strukturell geschwächt hat.
Der Versuch, Gerry Weber durch tiefgreifende Sanierungen 2019 und 2023 zu retten, war gescheitert. Selbst drastische Maßnahmen – wie die radikale Filialreduktion – konnten den wirtschaftlichen Abwärtstrend nicht umkehren. Nun verschwindet der letzte sichtbare Teil des einstigen Modeunternehmens – nur der Markenname bleibt.

