Generationswechsel im Handwerk: Dringender Appell an die Bundesregierung
Das Handwerk kämpft weiterhin mit einem signifikanten Fachkräftemangel, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) auf der Münchner Handwerksmesse bekanntgab. Ende letzten Jahres waren 125.500 offene Stellen bei den Arbeitsagenturen registriert. Doch die tatsächliche Zahl der benötigten Fachkräfte übersteigt diese Meldungen erheblich und liegt nach Schätzungen des ZDH bei über 200.000. Vor diesem Hintergrund forderte Handwerkspräsident Jörg Dittrich von der künftigen Regierung umfassende Reformen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen.
Zusätzlich sind über 19.000 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt geblieben. Doch nicht nur Fachkräfte werden gesucht: Über 100.000 Handwerksbetriebe benötigen in den kommenden fünf Jahren neue Führung. "Schaut auf's Handwerk, das hat goldenen Boden", betonte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei der Eröffnung der Messe.
Trotz der relativen Stabilität im Vergleich zur Industrie veröffentlicht der ZDH besorgte Einsichten in seinem Konjunkturbericht. Steigende Kosten und bürokratische Hürden führen zur Aufgabe von finanziell stabilen Betrieben. Rund 80.000 Arbeitsplätze gingen 2023 verloren, ein Misstand, den der ZDH als "stilles Sterben" beschreibt.
Jörg Dittrich kritisierte die anhaltenden politischen Debatten ohne greifbare Ergebnisse: "Ich sehe in der Politik häufig betroffene Gesichter, aber von betroffenen Gesichtern können wir uns nix kaufen." Er fordert die zukünftige Bundesregierung auf, effiziente Maßnahmen zur Entbürokratisierung zu ergreifen: "Wir müssen sein wie die Axt im Walde."
Die Messe, die mit etwa 850 Ausstellern die führende Veranstaltung des deutschen Handwerks darstellt, bietet auch Raum für hochkarätige politische Gespräche. Bundeskanzler Olaf Scholz und sein voraussichtlicher Nachfolger, Friedrich Merz, treffen dort auf die Spitzen der wichtigsten deutschen Wirtschaftsverbände.

