Gaddafi hielt den Atem an: Obama wurde persönlich

10. Juli 2009, 17:58 Uhr · Quelle: dpa
L'Aquila (dpa) - Als Barack Obama plötzlich sehr persönlich wurde, hätte man eine Stecknadel fallen hören, wie ein enger Obama-Berater berichtete. Sein Vetter in Kenia, so erzählte der erste schwarze US-Präsident, bekomme keinen Job, wenn er nicht jemanden besteche.

Mehrere seiner afrikanischen Verwandten lebten ohne große Perspektiven in Armut und das bedrücke ihn sehr, sagte er vor den versammelten Staatschefs der G8-Staaten sowie deren Kollegen aus Algerien, Nigeria, Senegal, Ägypten, Angola und Libyen.

«Alle hielten den Atem», schilderte der Obama-Berater die ungewöhnliche Szene am Schlusstag des G8-Gipfels in L'Aquila. Offenbar schien es auch den eigensinnigen Revolutionsführer Libyens, Muammar al-Gaddafi, zu beeindrucken, als Obama - für solche Konferenzen sehr unüblich - die große Politik mit sehr privaten Anmerkungen illustrierte.

Denn Obama wollte zwar mehr Hilfe für Afrika, aber er wollte wenige Stunden vor seinem Abflug nach Ghana schon eine erste deutliche Botschaft schicken. Afrika liegt dem US-Präsidenten mit dem Vater aus Kenia und einer Mutter aus Kansas sehr am Herzen. Aber er denkt, es sei an der Zeit, dass die Welt von Afrika mehr erwarten dürfe - und vor allem die Afrikaner von ihren Eliten. Sie müssten aufhören, immer nur mit Kolonialismus und Wirtschafts-Imperialismus die schmerzhaften Defizite und gravierenden Probleme Afrikas erklären zu wollen. Obama will auch «Wandel» und «Hoffnung» nach Afrika bringen.

Obama hatte Afrika schon in L'Aquila im Blick, aber nicht nur weil am Schlusstag der Schwarze Kontinent auf dem Programm stand, sondern auch, weil sein erstes G8-Treffen kaum nach seinen Vorstellungen verlaufen war. Das fing schon mit manchem Ärger der Amerikaner mit den italienischen Gastgebern an.

Die Körpersprache beim gemeinsamen Auftritt Obamas und mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am Donnerstag vor der Presse war entlarvend: Als der US-Präsident seinen Part beendet hatte, drehte er sich wortlos und mit ungewohnter finsterer Miene von Berlusconi ab, den er nicht ein einziges Mal mit dem Vornamen «Silvio» angesprochen hatte, was Obama bei solchen Anlässen normalerweise tut. Obama-Berater wanden sich bei Fragen von Journalisten nach der italienischen Gipfel-Vorbereitung, lobten und beschwichtigten, aber da war schon längst durchgesickert, dass es manche Verstimmungen zwischen Rom und Washington gegeben hatte.

Das Ganze endete fast mit einem Eklat: Obama sollte im großen G8-Saal seine Pressekonferenz geben, wo es viele hundert Sitzplätze gab. Am Freitag wurde dem Weißen Haus mitgeteilt, nicht alle aus Washington eingeflogenen Journalisten - unter ihnen auch Deutsche, Franzosen, Japaner, Araber und andere - könnten zur PK. So etwas hatte es noch auf keinem G8-Gipfel in den vergangenen zehn Jahren gegeben. Unübersehbar sauer ging Obama zur «White House Press», die einen eigenen Raum hatte. Damit waren wiederum Hunderte andere G8-Journalisten ausgeschlossen.

Bei den Sachthemen konnte Obama auch nicht zufrieden sein, auch wenn er von «wichtigen Fortschritten» und einem «sehr produktiven Gipfel» sprach. Auf der fast intimen Pressekonferenz wurde dann besonders deutlich, dass bei den für Obama zentralen Themen wenig passiert war. Konjunkturprogramme, das erste Thema, das er ansprach, spielten in L'Aquila kaum eine Rolle. Auch im Kampf gegen die nuklearen Gefahren gab es eher laue Erklärungen von den G8 - denn die schärferen Formulierungen gegen den Iran stammten von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der Teheran eine Frist bis zum G20-Gipfel im September setzte. Dann sitzen aber China und Russland mit am Tisch - Obamas Hoffnung auf gemeinsame Aktionen gegen den Iran sind in Mittelitalien nicht viel größer geworden.

Und da es beim Thema Klimaschutz von Seiten der Schwellenländer wenig Bewegung gab, frohlockte der Kommentator der konservativen «Washington Times» bereits: Das werde nun auch schärfere Klimavorschriften in den USA und «Überregulierung» verhindern helfen, schrieb er. Und fügte hinzu «Gott sei Dank für die Chinesen!».

G8 / Gipfel / Afrika / USA
10.07.2009 · 17:58 Uhr
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